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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-09-09 · 36 (9.9.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
36 (9.9.1927)
Date
1927-09-09
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Scue 4 ühMEiNDEBLATT DER ISRAELIT itippi n?M ~ 10^111.11 RELICIONSGEMEINDE, LEIPZIG 3. Jahrgang So ist denn auch Situ- und Krauch der deutschen Chri« ten von dem Zusammenleben mit den Juden nicht unberührt geblieben. Auch hier laßt sich, wie bei der Volksdichtung eine Abhängigkeit vom Judentum nicht immer klar erweisen. Viele dieser Erscheinungen sind international, mitunter schon im grauen Altertum nachweisbar, so wie etwa daaC had gadja-Liedchen in der Passahnacht, das übrigens auch in „Des Knaben Wunderhorn" aufgenommen worden ist, nicht als ausschließlich jüdisch angesprochen werden darf. Doch liegt dies bei manchen deutschen Bräuchen nahe. So läßt man kein ganzes Brot, auch kein Messer auf den Tische liegen Vor allem gehört Salz zur Mahlzeit. Vor ihr und nach ihr begießt man "die Hände. Mit dem linken Fuß soll man nicht zuerst aufstehen. Das Bett stehe zwischen Nord und Sud. Man schlafe nicht aui Hühnerfedern.. Maare sollen bei zunehmendem Monde, am besten am Freitag, Kindern nicht unter einem Jahre geschnitten werden. Dem Neugeborenen legt man ein heilige* Buch unter das Kopfkisten. Die Nacht vor der Taute bleibt man wach. Die Kinder erhalten die Vornamen der Großeltern. Das Lernen beginnt damit, daß man das Kind das Mphabet, auf Kuchen geschrieben, naschen läßt. Der Braut wird vor der Hochzeit das Haar geschnitten. Feierlich wird sie ins had geführt. Sie besucht die Oräber der Angehörigen. Am Morgen des Hochzeitstages ißt das Brautpaar gemeinsam die Morgensuppe (Oaklhenne genannt, Olfickel von Hameln spricht von einem „Chossenschaletche"), ■>.•>.Ii der Trauung ein Huhn. Heide trinken ans einem Glase und werden mit Qetreidc beschüttet. Man zerbricht einen Topf und legt die Scherben aui den Brautwagen. Auch die Braut tragt das Totenkleid, die Brautjungfern brennende Lichte. Vornehme Gäste beginnen den Tanz, indem da* Paar die Enden eines Taschentuches hält Ein K:.ntker wird gemessen oder gewogen und sein Maß oder (iewicht in Speisen oder Geld den Armen geschenkt Die kirchliche Aussegnung der Wöchnerin erfolgt nach 40 Tagen. Nach Eintritt des Todes werden die Fenster geöffnet, die Spiegel verhängt und Wasser ausgegossen. Der Leichnam wird gewaschen, ihn die Nägel geschnitten und der Mund geschlossen. Her Totentanz (auch bei Olfickel von Hameln ein Tanz dieses Namens) geht wohl auf den Tanz des TodcMngCM (Beresch. r. i<>, i u. s.) zurück. Gegen die Einwirkung der Qettirnc wird Stahl angewendet. Pateripf endige zeigen mitunter hebräische Inschriften. Der Nanenbischol der Fastnacht entspricht wohl dem Purin-Rabbi. Erfurt (eierte 1631 nach seiner Befreiung „2 Tage Purim". An erstell Ostcrtagc illt mau in Oberschlesien Meerrettich. Zum Ostcrmahl gehören Tier und bittere Krauter. Man hangt zum Schutz»» gegen den Witz, eine Mazza (Osterbrot) in die Stube oder nagelt sie an die Scheune. Mit der Aufschrift Agla (atta gibbor l'olan Adonai, d. h. du bist mächtig in Ewigkeit, 0 Herr) wirft man eine Mazza bei einem Brande als Löschmittel in die I lamme. So w urde es 1742 von F.mst August von Sachsen anbefohlen. Au den Hecher Llias erinnert die schlesische „Christkindelkufe". DDie Mutze eines Rabbiners gilt in Ostpreußen als Olück bringend. In Krankheit wird sein Segen gesucht (wie im Mittelalter Christen bei Is. Isserlein in Wiener-Neustadt verkehrten). Am Pfingsten wird besondere Milch und Kiise genossen. Eine I aubhütte gehört zum Maibaun. An I piphanias werden Lichter angezündet. Der Christbaun, verhältnismäßig jungen Datums (in Wien hauptsächlich durch Fanny v. Arnstein eingeführt), dürfte auf die Chanukka-Menorah zurückzuführen sein: Die Menorah der Bibel stellt einen Baun dar, in den Kirchen heißen die siebenarmigen Leuchter „arbores" (Bäune). Manches Weihnachtsspiel schließt mit der Klage Rahela Jer. 31, 13, die auch im judischen Josefsspiel eine Stelle gefunden hat. i Nach diesen in 1 ile ausgewählten Proben zeigt sich das deutsche Volksleben vom Judentun nicht viel weniger beeinflußt, als das deutsche Judentun von seiner christlichen Ungebung. Heide Teile haben dadurch an ihrer Wesensart nichts eingebüßt, und so sollten sieb jene, die jetzt wieder übel ..Vcrjiidung'- des Dcutsch-tunis /eter und Mordio schreien, von einem Qoethe belehren lassen, der durch Bibel, Volksglauben und Spinoza das Judentum auf sich hat wirken lassen. Er schrieb eigenhändig einen hebräischen Bibelvers Psaln 16, S auf ein Lesezeichen aus seiner Jugend, das si( h heute im f rankfurter Goethe- Haus befindet, „Et zeigt sich eben, daß die anderen ebenso recht haben, nach ihrer eigentumlichen Art zu existieren, als ich nach der neiniiren." Jüdische Verbände u. Gemeinden lasjung der Kesetzestreuen S)'nagogenfenieindeii in Berlin. Am Sonntag den I. September begann im Hotel „Russischer Hof" zu Berlin ein - außerordentliche Verbandtagung des Preußischen Landesverba ndes getetie11re uer Synagogtn genei Ilde n. Her Vorsitzende, Rabbiner Dr. Auerbach, begrüßte den Anwesenden Vertreter des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, Herrn Qeheinen Oberregierungsrat Paul und die i> legierten I ür die Gemeinde Adaß-Jisroel in Berlin begrüßte Herr N. Stern du Versammlung. Sodann ergriff Rechtsanwalt Dr. Hirn- PÜRA Telephon Nr. 24333 12137 reinigt und färbt schnell und preiswert Teppiche, Portieren Herrenu. Damengard. Nadiste Filiale Salzgäßcheu Nr. 6 I Schöne Geschenke in hochwertigem modernen Kristall von Fahle im Laubenjang des allen Rathauses I bäum-Berlin das Wort zu einem Referat über den Entwurf eines Oetetzet zur Regelung der Verhältnisse der Synagogengemeinden in Preußen, der vom Vcrbandsausschuß der Versammlung vorgelegt wurde. Der Entwurf wurde von der Versammlung nach laiigerer allgemeinen und speziellen Diskussion ohne Aenderungcn gcne hm iL't Falls die von den beiden Landesverbänden in Aussicht genommenen Verhandlungen wichtige Aenderungen anregen sollten, ist eine weiten- Vcilundvcrsanimlung einzuberufen. Km Abend luden der Vorstand des | andesverbandes und der Vorstand (Im Adaß Jisroel zu einem Abendessen, bei dem auch (leheimrat Paul anwesend warttnd wanne Worte der Begrüßung sprach. An Moiilag vormittag referierte Lizealoberlehrer Ochsenmann- Frankfurt a. M. über die Probleme, die sich aus dem vorliegenden I ntwurf eines ReichtSChulgesetzes für die jüdische Schule, ergeben. Studiendirektor Dr. Ca rlebac h - Köln referierte über die Ausbildung' jüdischer I i hrer. Auf der Tagesordnung stand noch ein Referat von Rabbinei Di. Wolf-Köln übet ..Die Not der kleinen Gemeinden". Neue Chauffeurkurse des „Ort" in Berlin Sämtliche Schüler des unter dei I eitung der technischen Kommission der ,,0rt"-Gesellschaft, Abi. Deutschland befindlichen Chauffeur* kuisiis haben ihre Prüfung bestanden und Puhl erschein erhalten Da Herren-Hüte Das Beste in allen Preislagen Reise-, Sport-, Yacht-, Schüler- und Kinder- Mützen Julius Müller, Leipzig, Petersstr.30 und Gohlis, Hallisdte Straße 87-89 In Gohlis auch Wäsche, Cravatlen und Herrenartikel

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