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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-07-15 · 28 (15.7.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
28 (15.7.1927)
Date
1927-07-15
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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( 6 •I i^Mll>giiahe«<^s»'gNCH{^ FEUILLETON V3'.-C'>C.'i'j:'iC.'C\7i^ ____™J Dia gequälte Seele . . . Eine Erinnerung. Nach dem großen Weltbrand. Die Flammen waren eben erloschen, die Gräber der Opfer noch frisch. Man glaubte schon, Friedensluft Union zu dürfen. Die heranwachsende Jugend im Osten hatte manche Kriegsgräuel durchlebt, hatte von Stadt zu Stadt fliehen müssen, ja, von Straße zu Straße, wenn die Geschosse pfiffen; diese Jugend, bei Kanonendonner erzogen, beim Explodieren der Bomben, die von feindlichen Fliegern abgeworfen waren. Vier Jahre hindurch, seitdem im den Boden Polens gekämpft wurde; die deutschen Truppen waren durch Kaiisch weiter nach Polen gerückt, hatten sich wohl einmal zurückziehen müssen, waren dann aber nochmals vorgerückt und geblieben, bis Polen selbständig wurde.-- Ks war im Jahre 1920, als das junge Polen mit dem neuen Rußland Krieg führte. Polen benötigte neue Kräfte, um den Krieg zu beenden. Immer neue Jahrgänge wurdeon mobilisiert, immer jüngere, achtzehnhundertneunundneunzig, neunzehnhundert, neunzehnhunderteins..... Bald wurden schon die Achtzehnjährigen aufgerufen. Unter ihnen auch Josef, ein blutjunger Mensch, der jüngste von drei Geschwistern, der Liebling seiner Angehörigen. Ein Jahr zuvor war ihm der Vater gestorben. Auch er muß zur Musterung, er wird tauglich befunden und bald als Soldat eingestellt. . . . Nach kürzester Zeit schon soll Josef den Fahneneid leisten. Am festgesetzten Tage macht er sich auf dem Weg, um dem Vaterlande Treue zu geloben. Den Seinen hat er nichts davon erzählt, daß er heute endgültig ins Heer eingereiht wird.. . . Er ist in begreiflicher Erregung. Heute wird er schwören! . . . Schwören? — Plötzlich durchzuckt es sein Hirn: Wie lautet doch (er Schwur? Wie haben doch die Kameraden schwören müssen? Nis zum letzten Tropfen Blut fürs Vaterland zu kämpfen!"... Er sieht nicht mehr die Straße, nicht die Häuser, nicht die Menschen. Nur mit seinem geistigen Auge sieht er. Und er sieht schreckliche Milder. Einen Juden mit blutenden Wunden im Gesicht, Juden mit ausgerissenen Bärten, Juden, denen Hautfetzen am Kinn herunterhängen, weil man mit roher Gewalt den Bart herauszerrte.... Und dann: ein ganz furchtbares Bild, ein unvergeßliches. Es war wenige Tage nach dem Tode des Vaters. Er saß mit des trauernden Angehörigen im Zimmer. Plötzlich hallt der Hof von den Hufen jagender Pferde. Dazwischen herzzerreißendes jämmerliches Stöhnen und Schluchzen. Er reißt das Fenster auf: welch entsetzlicher Anblick! Zwei Reiter in Uniform schleifen zwischen ihre« Pferden einen Juden umher, während sie blind über ihn Peitschen schwingen. Blutend wimmert der Unglückliche: „Schlagt nicht! Schlagt nicht!" — Aber unbarmherzig sausen die Peitscchenhiebe. ... Da packt ihn ein Gefühl sinnlosen Zornes. Als wäre er nicht mehr es selbst, greifen seine Hände nach einem Eisenstück, er holt aus, um ein Urteil zu fällen über die Roheit, die kein Fühlen zu kennea scheint. . . In diesem Augenblick faßt ihn die Mutter: „Tu es nicht!". . . Er blickt in das Gesicht der Mutter . . . Ein Tränenstrom fließt aus seinen jungen Augen. Er muß seinen Zorn niederkämpfen, seinen Willen beherrschen. . . . Wieder klingt es in seinen Ohren, jenes „Tu es nicht! Denn Du bist ein Jude!" Und bitterer Schmerz zuckt durch seine Seele: das war das Blut deiner Brüder, das da geflossen. . . „Bis zum letzten Tropfen Blut für das Vaterland!" Kann er dies Land als Vaterland lieben? Ein Land, das das Recht mit Füßen tritt? . .. Und plötzlich treibt ihn das Grauen: ich kann nicht schwören. Und er beginnt zu laufen. Fort, fort. In die weite Welt hinaus. Fort von dem Liebsten und Besten. Er will sein Vaterland suchen, das Vaterland, das da heißt: „Recht"! Dafür will er kämpfen... Seine schönsten Jugendjahre gehen in der weiten Welt dahin, wie so vielen Tausenden Wanderern, in Sorgen und Schmerzen. Oft spricht er von seiner Heimat. Und Heines Wort ist ihm im Sinne: Meine Geburtsstadt liebte ich nicht so sehr, wenn meine Mutter dort nicht war. Nad. Hotelpsnsion Parkhaus Bad Harzburg "tftf^ Fernsprecher 71 50 Zimmer ■ Fließendes Wasser / Bäder in jeder Eta^e / Zentralheizung Eigene Synagoge Volle Pension von M 8 50 an mit berühmter Verpflegung H >he luftige Speise- und Gesellschaftssäle Halberstädter Rabbinatsautsicht Wunderbare Lage an Wald und Promenade, sowie Kasino undStadtpark (rompt u.| vorzüglich ST€(DP€L [ALBERT OTTO LEIPZIG. PiauenscheStr2 SCHILDER jyxnnjrntrö ,/>il>od odhs? -lyariroyn j1« Am 10. Juli starb im Sanatorium, wo sie Heilung v ,n ihrem Leiden suchte, plötzlich ursere gute, teure Mutter, Schwiegermutter, Großmutler, Schwester, Tante und Schwägerin, Frau ANNA COLEMANN, geb. Zimak im 63. Lebensjahre. — Ihr Leben war reich an Arbeit. Leipzig, Uferatr. 13 Im Namen aller Hinterbliebenen Jacob Colamann Die Beerdigung hat in aller Stille stattgefunden. rum Telephon Nr. 24333 12137 reinigt und färbt schnell und preiswert Teppiche, Portieren Herrenu. Damengard. Nächste Filiale: Salzgr&ßchen Nr. 6 Max Singer Uhrmacher u. Juweller .€> Plauenfdie Str. 2 =H Fernsprecher 12732 7 Gegr. L J. 1906 Eigene Werkstatt *y, Jr/f * & /& ^^(Ihrar, Juwelen Schmuck Verlobunjsh Rinje Silberne Becher, Schalen Körbe, Leuchter u. s. w. besonders preiswert!

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