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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-07-15 · 28 (15.7.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
28 (15.7.1927)
Date
1927-07-15
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIC "1 JahrganK seite 4 Im illen Durchwandererhäfen und Eisenbahngrenzpuiikten «ollen Büros errichte! werden, in denen reisende Frauen und Mädchen Rat, Schutz und Beistand linden, Diese Büros hatten auch die Wege der Mädchenhändler zu beobachten und diese zu entlarven. Die Linderkomitees werden die Kosten des Unterhaltes solcher Büros oder v, iii. ii zu tragen haben Die Eltern und Vormünder sind durch ige- Aufklärung aul die ernsten Gefahren aufmerksam iu machen, die ihren Kindern odei Mündeln drohen, wenn sie Ehen mit Unbekann.« eingehen odei überhaupt Ehen, die dei gesetzlichen Bindungen des betreffenden Landes ermangeln. Den Rabbinern und den anderen verantwortlichen Bea in 11n de i jüdischen Oe meInden und geraten, der Schließung reiner Rituale hen mit aller Macttt zu widerstreben. Die Rabbiner sollen W e n n jung e M .inner ii nd Frauen zweck« Eheschließung vor ihnen erscheinen, Dokumente und Legitimationen fordern, sowie den Nachweis, da Ii der Eheschließung Icein gesetzliches Hindernis entgegensteht. Wo Unklarheit herrscht, mögen du Rabbiner in eigener Person Untersuchungen anstellen. Eltern Vormündei und Rabbinei seien voi Heiratsver« mittlem (Schadchonim) zu warnen, duoft Komplicen der Händler sind I lugblättci in Jiddisch und in anderen Sprachen sollen unter der weiblichen Jugend verteilt werden, um diese vor Verführung und illegaler I Inzu warnen. Sämtliche Rabbiner weiden ersucht, durch öffentliche Ankündigungen und andere geeignete Mittel an der Unterdrückung des Mädchenhandels teilzunehmen Die Länderkomitees mögen von Pall ZU Fall Versammlungen arrangieren, um die öffentliche Meinung auf die Gefahren hinzuweisen, die der Jugend von Seiten der Mädchenhändler drohen. Die Beschlüsse der londoner Konferenz seien den jüdischen Qemeinden und Rabbinern mitztiteilen. Die ICA, AtlianceIsraelite, Angin Jewish Association, der Hills verein der Deutschen Juden und die (iroßloge Deutschland des U. O. B. B. werden ersucht, bei der Verbreitung dieses Zirkularschreihens behilflich zu sein. Die große Armut innerhalb so vieler großer judischer Gemeinschaften erfordert es. daß fortgesetzte und ernsteste Aufmerksamkeit den der judischen Jugend drohenden Gefahren seitens aller judischen Sozialfürsorger zugewendet wird, damit Grundsteine für eine bessere Zukunft gelegt werden. Ein Zentralfonds soll von allen Landern geschaffen und vom Zentralbüro in l ondon verwaltet werden. Die Konferenz schloß mit einem von Rabb. Dr. Gold mann gesprochenen liebet. I '*'•.) •-" mftitJLlj Unsere Gemeinde Sprechstunde des (iemeinderabbiners Dr. (ioldmann Bis .ml weiteres hall Hen Rabbiner Dr. Goldmann seine Sprech* stund« nui am Sonntag von 9,30 bis 11,30 Uhr ab. In besondei dringenden und eiligen lallen wende man sich an das Gemeindeamt (Telephon 23602), das nähere Auskunft erteilt. Auszeichnung Die Firma < Kleinlein i<- < ic., < ilasraffinerie und Metallwarenfabrik, Leipzig, Fichtestr. 10, Inhaber Blümlein, hat gelegentlich der letzten Brauerei-Fachausstellung in lena die silberne Medaille für besonder« I eistungen erhalten. Neue Bücher Joseph Roth, Juden aul Wanderschaft (Berichte aus der Vt'irklichkeil Herausgegeben von Eduard Traubner) Berlin (1027, Verlag Die Schmiede), 11mi, die Achtung haben vor Schmerz, menschlichei Größe und vor dem Schmutz, dei überall das Leid begleitet; Westeuropäer, die aul ihre sauberen Matratzen nicht stolz sind; die fühlen, dal! sie vom < Mi ii viel iu empfangen hätten und die vielleicht wissen, dail aus Galizien, Rußland, Litauen, Rumänien große Menschen und Ideen kommen; abei auch im ihrem Sinne)*nützliche, die das feste Gefüge westr lieber Zivilisation stützen und ausbauen liehen nicht nur die Taschendieb« 1111 das niederträchtigste Produkt des westlichen I uropäertums, nämlich dei Lokalbericht, als „Gäste aus dem Osten" bezeichnet" ,.!<lii I esei erhofft Ruth im seine aul eindringende! Beobachtung beruhenden ->ki//< n dei Ostjuden. Ihm ist es eine innerliche Uifgabe, Vorurteile übei dies, lausende Brudei zu verflüchtigen, die mi maßlos schweres Dasein durchzukämpfen haben. Er schildert die tiefe Dagik ihrei Heimatlosigkeit, Nicht daß sie von Natur in ohne Heimatgefühl wären: man hat ihnen das Bewußtsein der Heimal viel /u sehi vergällt, als daß es ,n seines süßen Lieblichkeit ihnen hätte Bedeutung gewinnen können. Ii hat du leben in den groß« ii /, mi. n im i Men und im W esten gesehen, ihren steten Kampf, ihre erschütternden N>.t.-, hat abei dabei doch amh das | die nicht übei ehen, d.i* sich so mannigfaltig kundgibt, wie etwa in der Fröm- ARMBANDUHREN mu-rr*. i - STtcKMMßA/MGt migkeit, im Gottvertrauen, im Lerneifei usw. Und er weiß von all dem Erleben in den Zielen dei Wanderung: Wien, Berlin, Paris, Amerika, wo der zuwandernde Jude gewiß schmer/liche Fi fahimigen zur Qenüge machen muß und doch im Vergleich zu seiuei „Heimat" etwas wie ein Paradies findet. - Vorurteile hemmen die Kultur. Nur durch Wissen können sie bekämpft werden. Solches Wissen um die Ostjuden will Roth verbreiten. Seinem Muhen kann mir starker Erfolg gewünscht werden. G. O. Heinz Anders, Mensch und Tier. I'ln lo\-Verlag (Berlin SW 68) Mit besondei er Anteilnahme lesen w ir Juden diese kleine Schrift. Unsere heiligen Büchel haben zueist den Schutz des Tieres als sittliche Forderung aufgestellt. Und hier spricht ein Freund des Tieres, ein wahret, aber auch gerechter Freund des Tieres. In einer Reihe lebendiger Bilder deckt ei die mancherlei Gräßlichkeiten auf, deren sich der Mensch dem Tiere gegenüber schuldig macht. „Vergnügen" nennt er die Jagd, und wieviel rohe Grausamkeit begeht er dabei' Welche quälerische Hetze ist mit gewissen „Sporf-Freuden verbunden: Quälerei ist der Pferdesport, Angelsport, die Tierdresstiren aller Art. Denken alle der Mixte Dienenden an die rohen Eingriffe in die Tierwelt, wenn Millionen von wundervollen Vögeln dem Hutschmuck zum Opfer fallen, wenn junge Tiere getötet werden, damit ihr zartes Fell genommen w erde i Schlachtfeste, Vivisektion und Quälerd der Haustiere kurz, welche Gedankenlosigkeit hellseht gegenüber dem Tiere. Ist es nicht wie ein Holm, Wenn unter dein Deckmantel der I lebe /um Tiere immer wieder gegen das Schachten angekämpft wird? Ja, wenn diese Schachtgegner so von wirklichem Eifer erfüllt wären, das Tier /u schützen wie der Verf. dieses Küchleins: dann wäre wenigstens das sittliche Recht auf ihrei seile; mau dürfte die Ehrlichkeil ihres Stiebens nicht anzweifeln. Aber eigentümlich: Gerade dieser doch so restlos und so aufrichtig tili den Tierschutz eintretende Tierfreund erklärt, daß dem Prinzip des Schächtens der Vorzug zu geben sei, gerade weil es „Betäubung und Tötung in einer einzigen Sclilachthandlung vereinigt". Er fordert allerdings noch weitere Verbesserung in de.r Niederlegung der Schlachttiere und trifft sich dabei mit den seitens dir Juden nie aufgegebenen Versuchen. Die kleine Schrift ist ge- **; y „TSgr.-1.^ Schöne Geschenke in hochwertigem modernen Kristall von Fahle im Laubengan $ des alten Rathauses 1

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