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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-06-14 · 25 (14.6.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
25 (14.6.1927)
Date
1927-06-14
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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3.3a1)rg*ng, Dr. 25 2k. 3unl 1927 mfittdclM der Jzr&elitischen Amtliches Htchrichieh tyer G*MieiMdzverw*liHH kzliqionZqirtizindz &titytg CiKtAJur Sp V Du Gemeindeblatt erscheint wöchentlich am Freitag. Den Mitgliedern der Religionsgemeinde wird ee unentgeltlich durch die Post zugestellt. Bezugspreis (ür Nichtaitgiieder monatlich 60 Pfennige. Anzeigeii an nähme: W. Talchef. GleckenstraBe 11, Telephon 14449. Schriftleitung: Gemeindarabb. Gustav Cchn, Leipzig, Lohrstr, 10, Telephon 29641. :: Druck und Verlag: w. Teicher, Leipzig, Glockenstr. II, Telephon 14449. An zeigenpreise: Die 4 gespaltene mm-Zeile 20 Pfg. Famiren- und kleine Anzeigen 10 Plg. Umschlagseiten und Testinaerate nach besond Tarif. - Für den Inserstenteil: ], Kühne. Reichelstr. 7 (Telephon 14449). Die Schriftleitung übernimmt für die unter dem Nemo* des Verfassers erscheinenden Betrage und die Vereinsnachrichten nur die pitogesetzliche Verantwortung Nachdruck nur mit Quellenangabe tnd Genehmigung des Verfassers geststtet. Pf Golem - Legende*' :««<aw:as den Menschen seit jeher bewog, der Natur s %T^/ [seine» Körpers und dem Wesen der Lebensvor- W tgänge nachzuspüren, war gewiß in erster Reihe tum.........T*1— Wunsch, den leidenden Menschen von seinem Schmerz zu heilen. Aber nicht minder wirkte doch auch in ihm ein unbesiegbarer Drang reinen Forschens: er will wissen. Will wissen, wie menschliches Leben vor sich geht, aus welchen Quellen es entsteht und immer wieder sich erhält. Und noch mehr: wie ihn sein Schaffenstrieb reizt, dem Schöpfer nachahmend, selbsttätig bei allen möglichen Dingen seine Kraft zum Schaffen zu erweisen, so will er auch das Geheimnis der Schöpfung des Menschen so weit entschleiern, daß es ihm gelingt, den Vorgang seiner Schöpfung zu wiederholen. Die hominum factio, die Kunst, einen Menschen zu machen, beschäftigte das Suchen und Probieren schon lange Zeit. Während des Mittelalters, in jenen Zeiten, in denen Alchemie und Magie als echte Wissenschaften hoch im Werte standen, hat es wiederholte Versuche nach dieser Richtung gegeben. Ihre lebendigste Form haben sie wohl in jenem Rezept gefunden, das Thcophrastus Paraeelsus (1483 1541) in seinem Werke de generatione rcrum naturalium für die Herstellung des Homuuculus gegeben hat. Der (iedanke dieses um die Belebung der Naturwissenschaften hochverdienten, in seinen Schriften aber verworrenen und dunklen Forschers, daß man *uf chemischem Wege den Menschen erzeugen könne, ist noch von dem Naturphilosophien Johann Jacob Wagner (1775 1841) aufgenommen worden; er verbreitete seine unbedingte Ucbcrzcugung, daß es der organischen Chemie noch gelingen werde, Menschen durch Kristallisation zu bilden. (Die damals allgemein bekannten Ausführungen Wagners regten übrigens Goethe zu seinem „Homunculus" im zweiten Teile des Faust au). Die verbreitetste Form, zu der dieses Suchen im Denken der Menschen und in der literarischen Gestaltung sich verdichtet hat, dürfte wohl die auf jüdischem Boden gewachsene Legende vom Golem sein. IK-r Grund hierfür liegt sicherlich darin, daß sie dem naiven Denken am meisten entgegenkommt. Während AJchemie und Chemie auch den Stoff neu schaffen zu müssen und zu können glauben, knüpft die Golem-Legende unmittelbar au die in der Bibel erzählte Schöpfung des Urmenschen an. Sie findet den Stoff vor; «ach der Heil. Schrift (Genesis 2, 7: da bildete Gott der Herr den Menschen aus Staub der Frde und blies ihm den lebendigen Odem in seine Nase) läßt sie den Körper des zu •bildenden Menschen aus Lehm formen und sieht die ganze Schwierigkeit des Problems nur in der Belebung diesss toten Stoffes. Als denjenigen, dem dieses Letzte gelungen ist soweit es Menschen gelingen kann nennt die Legende den „hohen Rabbi Low", einen wegen seiner ungeheuren talmudisehen Gelehrsamkeit hochgefeierten und wegen seiner Kenntnis der Kabhalali (der jüdischen Mystik) im Rufe eines Wundermannes stehenden Rabbiners, der, mit einigen Unterbrechungen, von 157} bis zu seinem 1609 erfolgten Tode in Prag als Oberrabbiner und als Leiter der Talmudschule wirkte, und dessen Ruf ungeheure Verbreitung gefunden hatte. Der Rabbi, so erzählt die Legende, habe nach langem Suchen in den geheimnisvollen Schriften der Kabbalah (Jezirah und Sohar) das Mittel gefunden, der vom Menscheil zu formenden Körpermasse das menschliche Leben zu geben: es müsse ihm der göttliche Name (der Schein) in den Mund gelegt werden. Sein Versuch gelang. Er formte den Golem ( Embryo, Unentwickelt), schrieb den göttlichen Namen auf Pergament und legte dieses dem Golem unter die Zunge. Der Golem erhob sich und vollführte nun alle Befehle, die ihm erteilt wurden. Er besaß ungeheure Körperkraft, die ihn besonders für die schweren Dienste geeignet machten. Versagt jedoch war ihm das eigene Denken und der Ausdruck dessen: die Sprache. Tag für Tag verrichtete er nun dem Rabbi, seinem Schöpfer und Meister, alle häuslichen Dienste; bis zum Sabbath. Am Vorabend des Sabbath nahm der Rabbi den Schein aus seinem Munde, damit entschwand wieder das Leben, bis es nach dem Ausgange des Sabbaths wieder erwachte, wenn der Schein wieder in den Mund gelegt war. Einmal hatte der Rabbi versäumt, zur gewohnten Stunde dem Golem den Schein herauszunehmen. Da begann der Golem zu toben; sinnlos zertrümmerte er alles um sieh herum, raste durch die Häuser und die Straßen, uberall Unheil anrichtend und die Menschen in Schrecken jagend. Lange suchte man vergeblich nach dem Rabbi, bis man ihn in letzter Minute vor Beginn des Sabath fand, so daß er weiteres Unheil verhüten konnte. Der Rabbi, entsetzt über das, was sein Golem angerichtet hatte, ließ ihn zerfallen. die Trümmer des Kunstmenschen wurden Prag aufbewahrt. (Vgl. die poetische Fassung von Tendlau, die wir in der Ausgabe vom 17. Juni veröffentlicht haben.) Diese Golem-Legende ist /weifellos angeregt durch die aus dem Mittelalter her nie aufhörenden Versuche dei Bildung eines Menschen, vielleicht direkt durch Paraeelsus, dessen Schriften ja weiteste Verbreitung gefunden hatten. Ihre eigentliche Quelle reicht aber bis in die Zeit der Entstehung des Talmud (200 500) zurück, der ja als ein Spiegelbild des Geisteslebens mehrerer Jahrhunderte auch den

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