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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-05-13 · 19 (13.5.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
19 (13.5.1927)
Date
1927-05-13
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 19 Seite 3 sofern es verzwickte geschäftliche Probleme zu lösen gilt; er gilt drüben auch als größerer Reklameheld denn als Geist. Es muß registriert werden, daß die Einwanderungsgesetzc der allerletzten Jahre sich letzten Endes gegen Zuzug aus dem Osten richten und so unsere auswanderungsbediirftigen Brüder von da am härtesten treffen; diejenigen, welche schon im Lande sind, erfahren keinerlei Zurücksetzung. Nach fünfjährigem Aufenthalt wird jedermanns Einbürgerung gefördert, ja fast verlangt im Gegensatz zu unserem alten Erdteil, wo die Naturalisation von Juden vom hochkulturellen Deutschland bis zu den neuen, armseligen Baltenstaalcn fast unmöglich ist. Der Jude kann drüben alle Aemler erlangen, ohne, wie wir es hier schmerzlich beobachten müssen, seinen Glauben vergessen; zu machen; auffallenderwcise werden Staatsslellen jedoch da gar nicht besonders erstrebt. In den letzten Jahren ist die schöne Gepflogenheit aufgekommen, daß der Präsident i der Vereinigten Staaten zu unserem Neujahrsfest eine Bot- Schaft an die Juden ergehen läßt, worin er sie zum Jahres- I Wechsel beglückwünscht und ihre Tätigkeil für das Allgemeinwohl in den höchsten Tönen lobt, so ein Wahrzeichen regierungsseitiger Anerkennung gebend. Dabei ist es drüben nicht üblich, Patriotismus und Vaterlandsliebe hervorzukehren und im Munde zu führen, wie es so vielfach in Kuropas Landen geschieht, ohne damit natürlich unsere Feinde überzeugen zu können, die es ja aus Hetzinieresse doch nicht wahr haben wollen. Schließlich sei noch die überaus erfreuliche Talsache festgestellt, daß die offiziellen Vertreter der Kirchen Amerikas, sowohl der evangelischen, als auch der katholischen, sich äußerst freundschaftlich /.um Judentum stellen, das sie offen als ihre Mutterreligion bekennen. Jüngsthin haben sich hohe Würdenträger heider Bekenntnisse zusammengetan, um in ihren Kreisen eine große Summe für unsere Armen Osteuropas zu sammeln. Gewiß eine herrliche Wandlung der Zeiten im Gegensatz zu den schrecklichen Verfolgungen des Mittelalters. Gemeinde Elternabend der Rcligionssdiuic I Der nächste Elternabend der Religionsschule I (Yorks'r. 2 4) findet am 23 Mai abends 8 Uhr im Lokal von Kitzing & Heibip, Schloßgasse 22, statt. U. a. Vortrag des Herrn Lehrer Peckel über „Autoritälsschule und kindlicher Wille". Studie des Pianisten Siegfried Weinbcrgcr Die ReditfertisurK für die Bespredurg eines Studienkonzertes in diesen Blattern — und ich gebe zu, daß eine solche verlangt werden darf — lie^t in der Tatsacne, daß ein jüdischer Musiker, der sein Körnen der öffentl dien Kritik aussetzt, um die Anerkennung des jüdbehen Kreises ringt, in dem er vornehmlich wirkt. Wir sind in der glücklich-n Lage, ihm diese Aneikennung erteilen?u können. Auch in dem Studienkonzert vom 7. Mai d. J. (Feuridsad) bewies Herr Weinberger an einer ganzen Anzahl seiner Schüler, daß er in starkem Maße das Einfühlungsvermögen gegenüber seiner Schülerschar besitzt, das den Musiker zum Musikpädagogen rnaeft Sehr deutlich war tu erkennen, daß überall, wo die Eineabeanlagung es zuließ, Anschlag, Nuancierung und musikalisches Verständnis wohl gepflegt waren. Nur der richtige Pedalgebrauch zeigte an einigen Stellen kleine Mängel. Vorbildlich gesdimrckvoll war die Zusammenstellung des Programms und sehr sympathisch die Art. wie der Lehrer «anz hinter dem, was er geschaffen hatte und aufzeigte, zurücktrat. Übrigens darf man Herrn Weinberger dazu beqlückwünsdien, daß er unter seinen Schülern offenbar einige außer^ewöhnliehe Begabungen hat, die zu der Hoffnung berechtigen, daß sie ihrem tüchtigen Lehrer einmal besondere Ehren bringen. M.J. Aus anderen Gemeinden und Verbünden Neue Wege zum Keidisverband der deutschen Juden. Für den 22. Mai hat der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden eine Konlerenz nach Dresden einberufen, i adidem der sächsische Verband seine gastliche Bcreitsdiaft, die Vertreter der deutschen Landesverbände in Dresden zu empfangen, ausgesprochen hatte. Die Einladung geschieht auch zugleich im Namen des Deutsch Israelitischen Gemeindebundes. Vom Preußischen Landesverband werden die Herren Kammergerichtsrat Wolff, Rechtsanwalt Dr. Klee, Bankier Galewski und Justizrat Lilienthäl" anwesend sein. Vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebund werden voraussichtlich die Herren Prof. Dr. M. Sobernheim. Dr. Ismar Freund, Justizrat Salomon und Rechtsanwalt Dr Kollenscher erscheinen. Aus München wird Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer erwartet. Die Konferenz hat den Zweck, die Frage des Reichsverbandes neu aufzurollen, insbesondere festzustellen, ob und wie weit die niditpreußischen Verbände diejenigen Forderungen anzunehmen gewillt sind, die, weil sie im früheren Fntwur! nicht vorhanden waren, zur Ablehnung d?s Entwurfes im Plenum der Preußischen 1 andesversamir.lurg geführt haben. Es wird auch eine Aussprache darüber stattfinden, ob nicht nunmehr der Weg über den Deutsch Israelitischen Gemeindebuiu!. wie er besonders von Dr. Freund ncdidriicklidist verlretcn wird, gegangen werden soll. Wie der JTA-Vertreter erfährt, ist namentlich eine Reihe kleinerer und mittlerer norddeutscher Verbände dem letzteren sehr geneigt. JTA Neue Bücher Dr. Fritz Friedländer, Das Leben Gabriel Rießers. Ein Beitrag zur inneren Gesdiichte Deutsdtlands im neunzehnten Jahrhundert. Berlin 1926. Philo Verlag G.m.b.H. Dem Andenken von Hugo Preuß und Walter Rathenau nat Dr. Fritz Friedländer seine leoendige Rießerbiographie gewidmet. Undenkbar wäre das Werk Rathenaus und Preuß. wenn ihnen nicht Gabriel Rießer vorausgegangen wäre, der als erster den . egrilf der „Deutschen juden" klar herausgearbeitet und diese seine Erkenntnis zum Nutzen für Deutschtum und Judentum verbreitet, verleidigt und schließlich zim Erfolg geführt hat I riedlärder gibt in seinem Vorwort selbst am besten darüber Aiifschk t, unter we'dttn Voraussetzungen sein Werk entstanden ist, unter welchen Gesichtspunkten er es vom Leser betrachtet sehen will: Bestellungen für feine eokso KONDITOREI 1 KAFFEE HAU/ unter Tel. 2 0't4 oder im Laden Augustusplatz erbeten. loh.: Ernst Fischer früher langjähriger Pächter der Konditorei .FDrtt ■eitkvkMcltr"

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