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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-05-13 · 19 (13.5.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
19 (13.5.1927)
Date
1927-05-13
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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3. Jibraifio, Dr. 19 "i 13. mal 1927 der Jzr&eliti$cken Amtliches N&chrickicnUs *cier GeHieiMcleverw*l+Hßf Mkik kz l iqiongqz mzindz &n^tg o-KHAinr W\ u> \ Dti Gemünd ,i«r •■•JMtnt wv.hinthcn am Freitag. D»a Mrulied ra er R:iib ensgMneinde wird es un ...tg-HIich d (isii di. r-osi ruaestellt. Bezugspreis für Nie :mitu..HUel monatlich 60 Piennige. Vi/tigsnannahme: W. Tel:h«. —"traCe 11. Telephon U44Q Schriftleitun;: oetneinderaoo. Uudiev Coun, Leipzig, Löhratr, .0, Telephon 20641. :: Druck i nd Verlag; V.. Tucnor. Leipriq. C.lockenstr. II. Telepl on H449. An zeipenpreise; Die 4qespaltene mm-Zeile /ü Pfg. Fa miliep- und kleine Anzeigen 10 Pfg Umsohlauaeiten und Teinn«»r»te nach besond Tarif F'ir den n-ieratenfeil: J, Kühne. Reichelstr. 7 (Telephon 14449). Die Schrifllettung übernimmt riir die un'er dem Namrn des Verfassers erscneinei.den Beitrage unü die Vere-risna. hnchten nur o.e preftaeaeuliche Veraritwoftunej, Nachdruck nur mit Quellenangabe l i.j Genenmigung aea V.:if<:s3crs gestatte! Jüdisches und Allgemeines aus New York Von David Steinmarder } " | s war im Jahre 1492, daß die Juden aus ihrer j I : derzeit stärksten Position, aus Spanien, vertrie- 1 | ben wurden. Damit fand der stolzeste Abschnitt *■ 4 \ jüdischer Galuth-Geschichtc einen jähen Ab- 7m......in? Schluß. Das jahrhundertlange Ringen zwischen dem nur für die reine Gotteslehre einstehenden Judentum und der in damaliger Zeit nach weltlicher Macht strebenden katholischen Kirche mußte rein äußerlich zuungunsten des Judentums enden. Diesem standen lediglich geistige Waffen zu Gebote, der Kirche aber der mächtige Arm des Staates; und sie nutzte ihn durch das Mittel der Inquisition zu grausamen Foltern und zur Vernichtung Andersdenkender durch den Feuertod. Dasselbe für die Judenheit so verhängnisvolle Jahr zettigte jedoch ein Ereignis, welches ihm nach Jahrhunderten Rettung aus ähnlich verzweiflungsvoller Lage bringen sollte. Denn.ebenfalls 1492 hatte Columbus den neuen Weltteil Amerika entdeckt, der Mann, der wie erst im vergangenen Jahre anläßlich des Amerikanisten-Kongresses in Rom maßgebende Wissenschaftler erklärten, ein Maranne gewesen sein soll, unter welchem Namen bekanntlich im mittelalterlichen Spanien diejenigen Juden und Judenabkömmlinge verslanden wurden, die, um der mordenden Inquisition zu entgehen, sich äußerlich zur Kirche bekannten. Um die Wende des vorigen Jahrhunderts war wiederum ein markanter Berührungspunkt zwischen Spanien und Amerika, als der spanisch-amerikanische Krieg ausbrach. Spanien, einstmals das unbestritten mächtigste Reich der Erde, sank namentlich im letzten Jahrhundert von Stufe zu Stufe, und Amerika war es beschieden, es aus den Resten an überseeischen Kolonien, aus Cuba, den Philippinen usw. zu vertreiben, die ihm geblieben waren. Amerika dagegen, schon vorher zur Großmacht emporgestiegen, erlebte hernach eine ungewöhnliche Blüte und konnte wenige Jahre später wiederum, wie schon mehrere Male, Hunderttausende aus dem progromwütigen Zarenreich flüchtender Juden aufnehmen, die viel Energie ins Land brachten und es noch reicher und blühender machten. Hewte sind die Vereinigten Staaten dasjenige Land, welches mit etwa 3,5 Millionen Juden die meisten jüdischen Seelen vom allen Reichen der Erde hat (ungefähr die Hälfte wohnt itt ffcw York allein). Ich weiß noch keinen Dichter, der den Rhythmus dieser unvergleichlichen Stadt New York geschildert hätte mit ihrem Leben ur.d ihrer Lebhaftigkeit, deren Ausstrahlungen, fast möchte man sagen, die ganze Welt in ihren Bann ziehen. New York ist in Wahrheit nicht eine einzelne St'dt, sondern ein Begriff, ja eine ganze Welt für sich. Alle paar Tage speien Ozeanriesen von unausdenkbaren Dimensionen Tausende und Abertausende Einwanderer und Geschäftsreisende aus, von denen ein beträchtlicher Prozentsatz in New York verbleiben. Dieses weist darum aber keine Enge auf; denn es klingt zwar übertrieben, ist es aber nicht, wenn gesagt werden kann, daß infolge des gewaltigen Geldüberflusses täglich, ja stündlich Geschäfts¬ und Wohnbauten neu entstehen, trotzdem nicht weniger als 100 000 — der Drucker hat keine Null zuviel gesetzt Geschäftslokale und Wohnungen dort leerstchen. Wie klingt diese Märchenkunde dem Ohr des Europäers, dessen Erdteil so furchtbar an Raumnot leidet. Da ist das Viertel der Wolkenkratzer mit ihren 20-, 30-, 40- und 50-stöckigen und noch höheren Gebäuden, die so hoch in den Himmel ragen, daß sie scheinbar das Sonnenlicht verdunkeln. Die fabelhafte Beleuchtung der die ganze Stadt durchziehenden Hauptverkehrsader, des „Broadway" in der Nacht, blendet das Auge und ist von unsagbarer Pracht. Die Millionen ja wirklich und wuhrhafti^ Millionen Automobile dieser Stadt bilden bereits zuweilen ein beträchtliches Verkehrshindernis. Nirgends in der Welt stecken auch nur annähernd so große Kapitalien in den Industrien wie in Amerika, wo, um nur einige Beispiele herauszugreifen, in den Stahl-, Auto-, und Filmindustrien märchenhafte Werte investiert sind. Der Reichtum dieses unermeßlich großen Landes und insbesondere seiner kommerziellen Hauptstadt New York «st nicht zu fassen und in Zahlen wohl schwerlich auszudrücken. Während sich Europa während des Weltkrieges gegenseitig zerfleischt und auch nachher sich durch Wirtschaftskämpfe zerrieben hat und es noch heute tut, hat Amerika für Leben und Sterben, für Nahrung und Munition unseres überalterten Erdteiles Milliarden in Gold eingeheimst. Und heute ist die „Wallstreet" in New York das Finanz-Zentrum der ganzen Welt, worin es das London der Vorkriegszeit weit überholt hat. Immer wieder muß der Leser gebeten werden, Zahlen und Tatsachen nicht als Phantasien, sondern als Fakten hinzunehmen, wenn beispielsweise gesagt wird, daß alle Staaten und namhaften Industrien der Erde gegenüber Amerika verschuldet und ihm zinspflichtig sind. Die Vereinigten Staaten erhalten nach einer Statistik, die nicht einmal vollständig ist, jährlich 3 Milliarden an Zinsen von dem ihn»

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