Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 16 (22.4.1927)
- Date
- 1927-04-22
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3. Dabrqang, Dr. 16 22. HprU 1927 ytmty^to^ 'iL.//.' I — A/. li^Lf^T ^1 V' ' im im LÜP^ Amtliches Hdxhrickienyldi *cl€r CeHieiiideverwd>lfutf kzliqion^qzinzindlz $u &t)Mig Das Gerne.nücülatt ers.hcint wöchentlich am Freitag. Bin Mitgliedern der Rehgionsgemeinde wird ee unentgeltlich durch die Post zugestellt. Bezugspreis für Nichtniitglifder monatlich 60 Pfennige. Anzeigenannahme: W. Teicher, ClorkenstraBe 11. Telephon 14449. SchflftMtting; Cemeinderabb. Gustav Cohn. Leipzig, Lohrstr, 10. Telephon 29641. :: Druck w.il Verlag; Vv. Teicher, Leipzig, Clockenstr. II, Telephon 14449. Anzeigenpreise: Die 4 qespeltene mm-Zeile 20 Plc. Familien- und kleine Anzeigen 10 Pfg UmJchlapse'.en und Teitinserete nach besond. Tarif - Für den lr.se ratenteil: J, Kiihne, Reichelstr. 7 (Telephon!444P>. Die Schriftloitung übernimmt für c i — f3 'S* tfl Of'.. N..F* Ot» ces verfassen eracheinenden Beitragt und die Veie nanachrlchien nui d:e; tl testtrli -'(r&mw&rtur.g. Nachdruck nur rr.it Quellenangabe 3erchmnur»c :e:- Ve:'«'.!e:s gtetattet Amfliche Bekanntmachungen der lsraellHsch«n Religionsgemeinde zu Leipzig Beginn des Religionsunterrichts in der Religionsschule I Der Unterricht im neuen Schuljahr beginnt a) für die H a u p t s c h u I e am Montag, 25. April, nachmittags 3 Uhr, im Sdiulgebäude der 32. Volksschule, Yorkstraße 2—4, Schulsaal, b) für die Ostschule am Montag, 25 April, nachmittags 5 Uhr, im Schulgebäude der 10. Volksschule, Täubchenweg 2, c) für die Südschule am Dienstag, 26. April, nachmittags 3 Uhr, im Schulgebäude der 3. Volksschule, Arndtstraße 60, d) für die Westschule am Dienstag, 26. April, nachmittags 5 Uhr, im Sdiulgebäude der 47. V.i'.kssdiale. Elisabeth« allee 24 26. Die angegebenen Zeiten s/nd pünktlidl einzuhalten. Leipzig, am 4 Anril 1927 Her Direkter Rabbiner Dr. (joldir.t.-.r. Beginn des Religionsunterrichts in der Religionsschule II Der Reliuionsunterridit für das reue Sc* uljahr cegir.st am Dienstag, 26. April, in der 'Höheren israei. Schule. Gustav« Adolf-Straße 7, um 3 Uhr nachmittags. Die Schüler und Schülerinnen des Fortriidüngsunierririts versammeln sich am Dienstag. 26 April, im Gebäude cer Höheren israel. Schule, Gustav• Adolf• Straße 7, um 5 Uhr nachmittags. Leip/.ii;. am 4. April 1927 Dti Direkter Rabbiner Dr. Car!eictr. Warum mußte das traditionelle Judentum Spinoza ablehnen? Ein Nachtrag zur Spinoza-Feier von Hanna Marcus :********""; as tragische Schicksal des Genies, auf den lich- £ I ~"A | ten Höhen seines Geistes einsam dazustehen, ■ 1 I von semcr Zeil weder verstanden noch gewür- £ mmJ \ digt zu werden, liegt hauptsächlich in der psyle...........I chologischen Tatsache begründet, daß das Genie seiner Zeit weit voraus ist. Während die stumpfsinnige Masse einen ihr gegebenen geistigen Lichtstrahl nur mühsam apperzipieren und im günstigsten Falle auch reflektieren kann, so strahlt das Genie sein eigenes Licht aus und blendet das geistig lichtscheue Auge des Alltagsmenschen, der sich aus seiner dumpfen, aber bequemen Welt der Gewohnheit nicht gerne aufscheuchen läßt Unverstand und Stagnation sind somit die Klippen an denen das Lebensschiff des Genies scheitert. Auch Baruch Spinoza mußte den Dornenweg gehen, den viele seiner Genossen seit Sokrates bis Nietzsche gegangen sind. Doch war es nicht Mangel an Verständnis für seine Lehre, auch war es nicht der übliche Neid, mit dem die mittelmäßigen Köpfe den überragenden Geist verfolgen, die die Tragik seines Schicksals geschaffen haben. Wurde doch der geniale Geistesflug des Jünglings von den ältesten Rabbinen Amsterdams neidlos anerkannt und bewundert. Was die Judenheit seiner Zeit veranlaßt hat, den stillen, großen Denker mit dem Bann zu belegen und ihn als einen Geächteten aus der sozialen Gemeinschaft auszuschließen, waren jene tiefgreifenden Gegensätze, die zwischen der Philosophie der Schöpfungslehre samt ihrem Gottesbegriff und dem Weltsystem Spinozas bestehen. Aus der alttcstamcntlichen Welt nah er, stabiler Gläubigkeit hervorgegangen, entwickelte sich Spinozas Geist zu jenem scharfen, kühnen Rationalismus, der. icden Gedanken an eine intellegiblc Welt als finsteren Aberglauben verwerfend, den Grundstein zur praktisch-positiven Lcbensgestaltung im Reiche der Vernunft gelegt hat. An Stelle religiöser Gläubigkeit setzte Spinoza die Autonomie der Vernunft und hat somit der herrschenden religiös-philosophischen Sinndeutung der Welt den Krieg erklärt. Spinoza kontra Moses. Dem gläubigen Judentum galt er nunmehr als Abtrünniger! Welches sind nun die Grundgedanken, die Spinoza zum Abtrünnigen an der Lehre des Judentums gemacht haben, und warum mußte das traditionelle Judentum seine Lehre als eine geistige Verirrung ablehnen? Wie einst Leibnitz mach Spinoza' in den Werken der jüdischen Mystik: Sohar, Ez chajim usw. die Anregung für seine Monadenlehre gefunden hat. so hat auch Spinoza manche Ziegelsteine für den grandiosen Bau seines Weltsystems der Kosmologie der Kabbalah entlehnt, um freilich —■ über sie hinweg — zu einer ganz entgegengesetztem Sinndeutung des Lebens zu gelangen. (Siehe Kabbalah voi Dr. Bischof!.)