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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-03-18 · 11 (18.3.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
11 (18.3.1927)
Date
1927-03-18
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 GfcMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 3. Jahrgai g Kaw Meir Berlin, Jerusalem, in Leipzig Im Rahmen der 25 jahrigen Jubiläumsfeier der Weltorganisation „Misrachi" veranstaltete die hiesige Orts- und Jugendgruppe eine Feier, an der als Gäste die Herren Se. Ehrw. Raw Meir Berlin, Jerusalem, Präsident des Merkas Olami, sowie Ch. Schoschanah, Tel Awiw, Vorsitzender des Hapoe! Hamisrachi in Palästina, und Herr Alex Adler, Berlin, Generalsekretär der Misrachi-Zentrale für Deutschland, teilnahmen. Nachdem am Freitag abend (25. Februar) die Begrüßung der Gäste während des Agadah-Schiurs staitgefunden hatte, sprach Se. Ehrw. Raw Meir Berlin am Sonnabend nachmittag In der Talmud-Thora-Synagoge, Kcilstraße 4, vor dem zahlreich erschienenen Pubiikum. Der Redner, welcher an der Spitze der Misrachiarbeit in Palästina steht, schilderte die Tätigkeit der Misrachi seit ihrer Gründung bis auf den heutigen Tag, an dem es ihr vergönnt war. nach einer mühe-, ater äußerst wertvollen Arbeit in Palästina sowie in der Diaspora das 25jährige Jubiläum zu begehtn. D*r Vortragende legte die Notwendigkeit einer jüdischen Heimstätte in Palästina dar. Es genügt noch nicht, wenn wir unser Judentum nur in unseren Häusern pflegen, denn außerhalb stoßen wir auf die Assimilation, der wir bewußt oder unbewußt zum Opfer fallen. Die jüdische Gasse, in der wir nur jüdischen Geist atmen, muß entstehen. Während der Zionismus bestrebt ist, die Zukunft des jüdischen Volkes durch seine Arbeit zu sichern, aber dabei oft unsere große Vergangenheit zu vergessen scheint, klammert sich der Agudismus nur an die letztere und übersieht die Gefahr, die uns durch diese Passiviiät gegenüber den brennenden Problemen droht. Nur in der Misrachi-Idee sehen wir die Vergangenheit und Zukunft glücklich vereint. — Die interessanten Ausführungen des Redners, die in überzeugender Weise zum Vortrag gebracht wurden, riefen große Begeisterung hervor. ^Wiederum war ein Beweis erbracht worden, wie tief die Sympathie für die Misrachi-Idee im religiösen Juden wurzelt. Iv^ Ain Sonntag dem 27, Februar, sprach Herr Generalsekretär Adler zur Jugendgruppe im Misrachi-Jugendhcim, umriß deutlich das der Jugend zufallende Arbeitsfeld und würdigte "das ihm vorgelegte Programm der Leipziger Gruppe, •fil *Diesen beiden Referaten schlössen sich während der Woche zwei gemütliche Beisammensein in Anwesenheit des Herrn Schoschanah an, dem es gelang, in Leipzig eine namhafte Summe von Aktien der misrachischen Baugesellscsaft .Olim bonim" in Palästina unterzubringen. / fr s UrOlcxrtten.. Verlan ■vbtiiSoUdem TÖeft in ollen j^/eislaqon %jfn§> v -—............................... \ vorm. £. Holtbuet- Nachf. ---. Gegründet- 7Ö79--- u T^efersstrosse 7 <je<jenübKt Sch., der seit vielen Jahren in Palästina wohnt, berichtete der Misrachi-Jugendgruppe über das Leben und Treiben in Palästina — speziell über das der Misrachi-Chaluzim — an hand einer Unmenge von Photographien. Am 13. März schloß die Misrachi-Zentrale für Deutschland ihre Jubiläumsfeierwoche mit einer Feier mit nachfolgendem Bankett, zu dem die Ortsgruppe Leipzig 3 Delegierte entsandte. Neue Bücher Xtoniet Grossnjann, 3>ie Reichte eints Juden in Briefen an Dostojewski. Herausgegeben von Rent FülöpMiller und Friedrich Eckstein. Mit einem Bildnis. München 1927. Verlag R. Piper & Co. Dostojewski, jener hochragende unter den russischen Schriftstellern, hat in seiner Monatsschrift „Tagebuch" wiederholt in unfreundlichen Sätzen zu den Juden Stellung genommen. Zahlreiche Juden, die den geistvollen, russischen Schriftsteller verehrten, wandten sich in Briefen an ihn, weil sie dieses Urteil für unvereinbar mit seinem so tiefen Denken erachteten. Unter denen, die eine solche Auseinandersetzung mit Dostojewskis Gegnerschaft anstrebten, nahm Abraham Urija K o w n e r eine Sonderstellung ein. Einesteils wegen der äußeren Umstände, unter denen der Briefwechsel vor sich ging: Kowner schrieb an den berühmten Dichter aus dem Gefängnis. Und anderenteils wegen der bemerkenswerten Persönlichkeit Kowners. — Dieser Briefwechsel hat den Moskauer Dostojewski-Kenner Leonid GroSmann veranlaßt, alles zusammenzutragen, was Uber die äußere und innere Entwicklung zu sagen ist, und hat um .die Beichte eines Juden" herum ein Lebensbild gezeichnet, das nicht nur als Einzelschicksal, sondern als ein Bild der kulturellen Struktur des russischen Judentums in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts interessiert. Kowners Ursprung war im Ghetto. Sein Leben verlief wie das von vielen Hunterttausenden seinesgleichen: er lernte als Kind, lernte als Jüngling und wurde jung verheiratet Unsägliche Not im Elternhause ließ in ihm den Drang nach Weite, nach Freiheit wachsen. So entfloh er dem Ghetto, rang nach allgemeinem Wissen, und nach Jahren unsteter Arbeit fand er eine Anstel ung in einem Bankinstitut. Hier beging er aus Mitgefühl mit einer notleidenden Familie eine Unterschlagung, wohl auch etwas beeinflußt durch Dostojewskis .Kaskolnikoff. Seine Entwicklung führte ihn mehr und mehr auf die Bahn des Literaten. Nicht ohne Anstrengung überwand er den Talmudisten in sich. „Die Überwindung des Nationalismus, der Kampf mit der theologischen Weltanschauung, in welcher er die Quelle aller Übel des zeitgenössichen Judentums erb'ickte, das Streben, die Gesellschaft auf die Elemente der Vernunft und Gerechtigkeit zu gründen, alles das lag seinen Anschauugen zugrunde und gab seinen sämtlichen Schriften das Gepräge". „Der hohe Ton altruistischen Denkens und heißen Protestes gegen die Unwahrheit der Gegenwart im Namen einer anderen sozialen Gerechtigkeit, verleiht der Gestalt dieses vergessenen Publizisten eine außerzeitliche Bedeutung".-- Kowner war gewiß kein großer Denker und hat kein neues, abgerundetes System einer Weltanschauung geschaffen: er hat jedoch in bemerkenswerter Weise neue Ideen entzündet und sich wegen des unschuldigen Leidens der Menschheit in steter Erregung befunden. — Es ist ein ungewöhnlich spannendes Bild, das hier vor uns abgerollt wird, belebt durch die Beziehungen, die der im Mittelpunkt stehende Held zu Dostojewski und anderen bedeutenden Russen des 19. Jahrhunderts gepflegt hat. v. n. P U R A Telephon Nr. 24333 12137 reinigt und färbt schnell und preiswert Teppiche, Portieren Herrenu. Damengard. Nächste Filiale: Salsy&ficben Nr. 6 J.C. Hanisch, Leipzig Grimmaische Str.29 und Hauptbahnhof Westhalle Gegründet 1836 / Fernspr. Nr. 20016 , 21173 Frische Blumen zu jeder Gelegenheit Mwmw&m?%- md^mm^-m*

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