Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 11 (18.3.1927)
- Date
- 1927-03-18
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/4876568-5968785-5968954--1030-4878729- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
3. Jabraana, Dr. 11 18 m~m 1927 ittttaMtö der Jgr&eUtiSckcn Amtliches HdxhricKienyidt ^itr GeHieiMdeverwtltHH Kz l iqiongqi mzindlz $u &utytg &KiÄii. D*s Ctmt;adttdttt MsdMint »flehentlich am Freitag. Dan MrMtadHD der Rcligionsgemeinde wird es ur>- HitgeUlien ourch die Post zugestellt. Bcucspre'3 iäi Ni;.htnMglleder monatlich 60 Pfennige An/e'qenannahme: W. Tut her, Qtocienstrafte 11, Telephon 144«. SchltftlchunQ; Cemcinderabb. Gustav Cohn, Leipzig. Löhrsir, 10, Telephon I9t4I. :: Für den Inseratenteil: S-.tgmund Colin. Leipzig. Cttnstraße 24. fei. 42945. Druck u. Verlag: W. Teichtr, Leipzig, Glockenstr. II, Teleph. U149. Anieiaenpreise, Die 4 gespaltene mm- Ze.le iO Pig. Familien- und kleine Anzeigen 10 Pfg. L'mschlagseitcn und Tea.inaeiatc nach besond. Tarn. Die Schrittleitung übernimmtfür dt« nr.it. lern Name» des Verfa-srers erscheinenden D^itr.tpe u*".<! <iie Vereinsnachrichten nur die pießpesetrlichc Verantwortung Nachdruck nu: mit Quellenangabe und Gcr.fhmigong dts Verfassers gestattet. Purim einst und fetzt Eine Betrachtung von Oberrabbiner Dr. A. Altmann-Trier Unter dem Titel tff*m nbbw ISO, Ä!-ren und Beuren, Homiletisc* e Weckrufe an die 7eitgcnössisd:e Judenheit anhand der feste, Sahbathc und gehobenen Momente des jüdiscr.en Lebens verötlentlicht Herr Dr. Adoli Altmann, Oberrabbi- ■er in T r i e r, im Verlage von Carl Aniie mayer in Prefthurn eine stattliche Reihe von zeitgemäßen Betrachtungen, in denen die tiefsten und einsdv eidendsten Probleme von > ehre und Leben des Judentums beleuchtet werden. In schlichter und edler Sprache und in klaren Gedankengängen weiß der Verfasser altes religiöses Cut dem Leser näherzubringen Besser als viele Worte über das Buch vermag eine dieser Betrachtungen selbst lür das Buch zu sprechen; wir veröffentlichen sie mit freundlicher Zustimmung des Herrn Verfassers. Die Schrittleitung :*"*:akobs Rose ward juhelvoll und fre-tte sich, als sie alle- : I : sanit Mordechais Purpur sahen. Ihre Hilfe warst Du : \ : ewig und ihre Holfnung in jeglichem Gesdilecht. Zu s—" lehren, daß, die aul Dich hülfen, alle nicht getäusdit werden und nimmer erröten alle, die in Dich ihre Zuversicht setzen.* So lautet das schöne Ftstlied, das nach der VerlesurR der Megillah am Purim gesunken werden soll. „Jakobs Rose ward jubelvoll und freute sich," so war es einmal in der sogenannten Ruten, alten Zeit, aber nimmermehr heute. Wer freut sich heute noch am Purim so recht von Her:en, wie es noch vor mehreren Dezent ien in den meisten jüdischen Ge meinden zu geschehen pllegte? Höchstens von mancher Kanzel herab ertönen wärmer angehauchte Würoigungsw oite, dts Purims zu gedenken. Aber acht Sie stoßen /.umeist auf taube Ohren, sie lösen in den neue» Herzen, arm an Freude und oberflächlich an l eid, keine tieferen Gefühle aus, sie greifen und packen nicht mehr. Keine Rede mehr von Jakobs Rose, die jubelvoll ward und sidi freute. Eine poetische Floskel ist sie den meisten nur noch. Man geht wohl noch zum Megillah-Lesen, aber kalt und blaß geht auch dieses ReliRionszeremoriell zu Ende, ohne ein gehaltvolles Etrpfinden zurückzulassen, "pw nr» aw* kVi ein sich verllüchtiRender Hauch. Warum aber das? Warum kann unser Judentum von heute sich nicht mehr so Ireuen, wie es das Judentum von Rester« noch so inniR vermochte? Man feiert doch sonst mit Vorliebe und geradezu eudämonistischer Sucht das liebe Leben, und gerade mit der Purim Lebensfreude will man karRen? Es ist dwdk am Purim von Lebensrettung die Rede, die Gottes Gnade Hunderttausenden unseres Stammes antjiedeihen lieS. Durch eine glückliche Fügung ist dodi einst Israel um diese Zeit der Henkershand entgangen: über seinem Haupte hat todesdrohend das Damoklesschwert geschwebt, und es ist ihm auf wunderbare Weise entronnen. Meint e;v*a der moderne Jude ernstlich, d;iß sein heufiRes Leren nicht im Spiel iiewesea ist, daß ihn, der im zwanzigsten Jahrhundert lebt, all das wenig zu kümmern brauche, was sidi einst in Persien unter KöniR Ahasveros zugetragen betrachtet er sich in der Tat nicht mehr als festgefügten Rirg in der Kette der Tradition, der geschichtlichen Zusammengehörigkeit, die das Heaie mii elem Gestern lückenlos \erbindet? Nun denn, auch dann bleibt noch die Präge, ob er denn gar nicht bemerkt, wie die Ereignisse Rleidi denen der Purimgeschichte auch :n seine Zeit hineinspielen? Nur ein einziger klarer Blick aul unsere Gegenwart muß dies erhellen. Entgehen wir denn nidii auch heute nock immer wieder der. Plänen der Unglücksbringer a ia Hamaa? Oll bemerkt, eil tr aber noch unbemerkt ballen sidi ULer unsere* vielgehaßten Hauptern Gewitterwolken zusammen, und wenn sie sich nicht oder rttr schwach Uber uns entladen, wer wird es leugnen, daß es .-lets wie durch Wunder geschieht? Wohin wir biicken, überall scharfe Zähre, gewetzt und geschürte! am Steine des Anstoßes gegen unser zähe? kleines Völkleil. Watum also nicht Purim mit herzlicher Freude beliehen, wo er doch nichts an seiner Aktualität eingebüßt hat? Hat doch jeder Tag, an dem wir uns des heutigen I ebens erfreuen, Resten: ein Essier Tat is, ein Ach und Weh gehabt: warum ihn also nidii als PurÜTitag feiern? So fragen wir; und indem wir so (ragen, haben wir uns auch schon die Antwort gegeben: heute und gestern. Das Judentum von gestern. Jakobs Rose. ward jubelvoil und freute sich, weil Gott ihre Hilfe war und Er ihre Rettung in jeRlichem Geschlecht. Gottes Beistand erblickten sie in der Hilfe und Seine sich manifestierende Hand in der Rettung. Darum freuten sie sich, konnten sie sich freuen, denn rbrt Freude Ralt Golt, ihr Lied war Ihm Reweiht, war verklärt vei dem süßen Zauber, den nur der religiöse Optimismus dem gläubigen Gefühle und Gemßte offenbart.