Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 5 (4.2.1927)
- Date
- 1927-02-04
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sehe 2 3. Jahrgang auch kulturell jüdische Angelegenheiten. So ließen sich einige Fälle aktenmiißig beweisen, daß aus Kurhessen stammende Kaulleute dort Lehrer suchten und fanden und mit in die Heimat nahmen. Es konnte naturgemäß nicht ausbleiben, daß die Hamburger Juden bei ihren Gesinnungsgenossen Propa- I ganda für den Gottesdienst machten, der in ihrem neu errichteten Tempel eingeführt war. Auf fremdem, neuiralen Boden konnte doch kein Streit drüber ausbrechen, wie er in Hamburg mit aller Heftigkeit geführt wurde. So konnten die aus verschiedenen l ändern stammenden Glaubensgenossen nicht allein ihr religiöses Bedürfnis befriedigen, sondern auch Anregung mit nach Hanse nehmen, um es nach Möglichkeit nachzuahmen. Besonderen Wer fiir die geplante Neueinrichtung in Leipzig zeigten Herz Isaak Schiff aus Altona, Oppenheim, Arons und Salomon aus Hamburg. Der „ehri würdige hochlöbliche Stadt Magistrat erteilte die deshalbige Erlaubnis sehr human", und Domherr Professor Dr. T i 11 m a n n gestattete, daß der Gottesdienst im Universitätsgebäude abgehalten werden konnte. Der König von Sadsen ließ audt den Vorstehern eröffnen, daß dieser Gottesdienst im Tempel jetzt in allen Messen auf die jetzige Weise stattfinden dürfe. Am Sch'mini azeres und Simchas-ThoraFest bega;:n nun die neue Art. Die Gebete wurden abwechselnd in hebtäischer und deutscher Sprache verrichtet. Die Tempelgesänge hatte Pre- | diger Dr. Kley aus Harburg verfaßt, und Meyerbeer | hatte die Orgelbegleitung komponiert; es fehlte auch nicht an einem kleinen Ghor, „der die Feierlichkeit erhöhte". Deutsche Predigten hielten am ersten Tage Leopold Zunz aus Berlin und am zweiten J. Wolf (Sohn) aus Dessau. — Diese Reden wurden gedruckt und waren bei Ghr. Kollmann in Leipzig zu haben. — In späteren Jahren amtierten während der Messe Dr. Jellinek und Salomon Sulzer aus Wien. — Sicherlich wirkte der Leipziger Gottesdienst befruchtend auf viele deutsche Gemeinden. Auch während der Jubilatemesse 1821 fand Gottesdienst in der neuen rIsraelitischen h'rbauungsanstalt" an drei Sahbathen statt. — Wichtig lür die Unternehmer war ein Zeugnis für den Kaufmann Herrn Herz Isaak Schiff aus Altona Wir, Bürgermeister und Magistrat der Stadt Leipzig, Urkunden und bekennen hiermit, daß Se. Kgl. Majestät von Sachsen, Unser allergnädigsier Herr, auf das von Uns gutachtlich gehorsamst berichtete Gesudi der jüdischen Kaufleute Josef Salomon und Ccnfr. aus Hamburg und Altona, denselben die Errichtung und Haltung einer Erbauungsanstalt als Privat-Andachtsinstitut während der drei Leipziger Messen, in dem Maße, daß darin in deutscher Sprache gebetet und gepredigt werde, auch Choralgesang mit Begleitung einer Orgel oder eines Positivdiors stattfinde, bis zu anderer Anordnung zu gestatten huldreichst geruht haben. Urkundlich haben Wir hier gegenwärtigen Schein mit Unserem größeren Stadtsiegel und glaubwürdiger Unterschrift ausgestellt. Leipzig, am 4. Oktober 1820. Der Magistrat der Stadt Leipzig. Aus urtEerer Gemeinde Gedenkfeier für Salomon Jadassohn Anläßlidi der 25. Wiederkehr des Todestages Salomon Jadassohns wurde in der Gemeindesynagoge beim letzten Sabbathgottesdiensi, dem schlichten Wesen des geleierten Musikers entsprechend, eine schlichte Gedenkfeier eingeschaltet. Im Anschluß an das Gebet für die Obrigkeit widmete Herr Gemeinderabb.ner Di. Gildmann dem Andenken Jadassohns warne Worte. Sie galten vornehmlich dem Manne, der Jahrzehnte hir.dirdi in diesem G' 'teshause für die Erhöhung der Weihe und der andachtsvollen Stimmung gewirkt hat. Unvergessen ist, was Jadassohn mit seinem Chor den Betern gegeben hat: bleibend sind die gotlesditnstlichen Tondichtungen, die noch heu'e die H.rzen erheben. Der Ansprache folgte als Abschluß der Feier ein gemischter Chor: Der Herr segne uns . .. in der Komposition von Jadassohn, unter Leitung des verdienstvollen Chordirigenten, Herrn Barnet Licht. Personalnachricht 96. Geburtstag. Das älteste Mitglied unserer Gemeinde. Fräulein Kosalie Wildau, begeht am 12. Februar ihren 96. Geburtstag. Ihre körperliche Frische ist seit einigen Wochen getrUM, so daß sie zur Kräftigung dns Isr. Krankenheim aufgesucht hat. Wir wünsdien der Greisin, daß sie, neu gestärkt, noch recht viel Freude erleben möge. Aus anderen Gemeinden und Verbanden Einberufung des Gemeindetages durch den D.I.G.B. A« 27. Januar trat der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes zu einer Sitzung zusammen. Gegenstand der Beratung war, zu der Frage des „Reichsverkandes der deutsdien Juden", insbesondere zu der durch die Ablehnung der Dachverbar.dsvorlage seitens des Preußischen Landesverbandes geschaffenen neuen Situation Stellung zu nehmen. Der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes hat sidi während der letzten Monate zurückgehalten, um nicht j den Versuch der Schaffung eines Dach Verbandes, wie er von anderer Seite über die Landesverbände zu gründen beabsich- , tigt war, zu stören und dadurch Verwirrung in das deutsche 1 Judentum zu tragen. Nachdem dieser Weg durch die einstimmige Ablehnung sich als ungangbar erwiesen hat, hat der Ausschuß es für notwendig gehalten, nunmehr endlich die Beschlüsse des 15. Gemeindetages vom 23. januar 1921 zur Durchführung zu bringen. Die mehrstündige Aussprache in , der Sitzung des Ausschusses hatte das Ergdbnis, daß der folgende Antrag Freund angenommen wurde: „Die Überleitungs- Kommission des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes wird beauftragt: 1. Mit den Landesverbänden in Verbindung zu treten wegen dt r in § 2 Absatz 2 letzter Satz der Verfassung vom 23. Januar 1921 vorbehaltenen Vereinbarung, wonach audi eine Vereinigung von Gemeinden Mitglied des Bundes sein kann, wenn sie die Rechtsstellung einer öffentlichen Körperschaft besitzt. (In diesem Falle werden sowohl die Rechte als auch die Pflichten der der Vereinigung angeschlossenen Gemeinden ausschließlich von der Vereinigung ausgeübt. Insoweit eine derartige Vereinigung von Gemeinden die Gesamtvertretung der Gemeinden eines Landes bezweckt nnd die Uber wiegende Zahl der Gemeinden des Landes umfaßt (Landesverband), bleibt die Regelung des Verhältnisses zwischen Bund und Landesverband der Vereinigung vorbehalten); und 2. Die Überleitungs-Kommission wird ermächtigt, den Gemeindetag einzuberufen. Zu betonen ist, daß die Beschlüsse einstimmig gefaßt wurden. Für die in der Zwischenzeit durch Todesfälle frei gewordenen Plätze im Ausschuß wurden hinzugewählt die Herren: Justizrat Dr. Brodnitz, Eugen Caspary und Rechtsanwalt Dr. Isi Kahn-Jaffa.