Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-02-04 · 5 (4.2.1927) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
5 (4.2.1927)
Date
1927-02-04
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/4876568-5968785-5968948--0952-4878657
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

3. 3al>rflanfl, m. 5 h. Tebrtiar 1927 wtt dzr Jzr&elltischen Am4-lichz$ Ndichnckietiloildt tyer Q^mzmir/zrwtXi Hz UghnicfcmclAciß w & w'g 5^ Dm Gerr.eindcbiatt r.scheint wöchentlich am Freitag. Dtn Mitgliedern de Re!igiT«g«meinde wird es unautgtUlich durch die Pöü ummMH. D«i ugspreis für Nichlmitcliecer monatlich 60 Pfennige. Anzeigenannahme: W. Teicher, Glcc,.;hr,trate 11, Telephon :4449. Schriftleitunq: Geineinderabb. Gustav Cohlli Lliptifl« Löhrstr, 10. Telephon 29641. :: Für den [nMrattnttil: Sieginund Cohn. Leipzig. OttcslraBe 24, Tel. 4i945. Liruck u, Verlag; W. Teichcr, Leiprig, Cbckenstr. II, Teleph. 14449. Anveigtnpreise: Die 4 oespal'.ene inm- Zeilc 20 Pfg. Fa:r.ili«n> und kleine Annig«!) 10 Pia Umrcr.lagseiten und Texlinserate nach besor.d. Tarif. Die Schriftltltung' übernimmt für die untfi d«m Namen drs Vcrfi::sc.i ci.'.rrteinenrter. Bei'iäg* und die Verlinsntchrichttn nur die pnflpjoaatllicha Verantwortung. Nachdruck nur mit Quellenangabe i nd Genehmigung de? VrrfAssers gtftttM. Aus Alt- Mitgeteilt von L. Gar zu all sind die nachstehenden Mitteilungen aus vergangenen Tagen der Leipziger jüdischen Gemeinde noch nicht, denn sie stammen erst aus den Jahren 1819 und 1820; dürften aber für die Gegenwart einiges Interesse beanspruchen. Damals wohnten in Leipzig zehn jüdische Familien mit Aufcnthaltsrecht. Daß es täglich dort mehr; ab, läßt sich bei der Bedeutung der Handelsstadt leicht erraten. Ein Friedhof war nicht vorhanden. Die Toten wurden in Delitzsch, Jeßnitz und Dessau zur ewigen Ruhe gebettet, und weder der preußische noch der anhaltische Beden wurde entweiht. Selbstredend hatten die wenigen Familien auch ihre Gebetstätte, und solche waren vielfach während der Messe vorhanden. Von einem besonders feierlichen Gottesdienst am 20. September 1818 wird uns in einer damaligen jüdischen Zeitung berichtet — Sulamith. König Friedrich August beging die Feier der fünfi tigjlbrigen Regierung, und die kleine jüdische Gemein; chaft „zeichnete sich sehr rühmlich" bei dieser Gelegenheit aus. In der Synagoge fanden „angemessene Gebete" statt. Aus Dessau hatte man den Prediger Josef Wolf als Festredner berufen (der ehemalige Lehrer J. W. predigte stets in Dessau und Umgegend). Wolf hielt „eine sehr zweckmäßige Predigt selbstredend in rein deutscher Sprache und erwähnte insbesondere die Wohltaten, die Se. Majestät seit Kurzem den jüdischen Glaubensgenossen zu erteilen geruhte". Mehrere- Mitglieder des Magistrats, der Universität, des Konsistoriums usw. wchntsn dem Gottesdienst bei. Die damaligen Leipziger Juden hatten auch ein jüdisches Herz. Daß arme Juden mit Geschenken bedacht wurden, brauchte eigentlich nicht erwähnt zu werden; ebenso selbstverständlich war es, d;ß 100 Hinwolmer christlicher Religion auf Kosten der Juden am 20. September auf der Funkeriburg »sehr angemess*. n" gespeist wurden, von mehreren Gemeindemitgliedern „dabei sorgsam bewirtet" und jedem Sta Hannen beiderlei Geschlechts noch besonders acht Groschen als Ge schenk ausgehändigt wurden. Worin bestanden die Wohltaten? 1. Die Israeliten in Dresden durften ihre Kinder ein Handwerk bei einem dortigen Meister erlernen lassen, aber in beschränkter Zahl. 2. Die jüdischen Meßlremdcn können überall Gewölbe mieten, waren also nicht mehr auf gewisse Bezirke beschränkt. ' Horwitz-Cassel 3. Die Meßlremden können in der Handels- und ßöttcherwooV in den Straßen Buden ur;d Tische zum Feilhalten ihrer Waren mieten. 4. Diejenigen ausländischen Israeliten, weiche wahrend des Kaiserl. Russischen Gouvernements das VVohnrecht in Leipzig ertlichen, durlten doit 'erntr wohnen. Nach dem Jubiläum war Majestät in Leipzig und empfing die Herren Herz Mathias und Alexi Meyer. Kamens der israelitischen Gemeinde wurde von ihnen ein Gedicht „ehrfurchtsvoll überreicht, welches der erhabene Monaldi höchst huldvoll anzunehmen geruhte". Das Gedicht enthält nur 9 Strophen zu je 8 Verser.. Nach unserem Geschmack und unserer Weltanschauung ist es kann zu lesen, z. B. „Den Pilgern ward der Freiheit Lust und Frieden Durch lim, und Wohnung stillem F'eiß beschieden." Im Königreich S'ichseu vergingen mehrere Jahre in stetem Kampf um .Freiheit, Lust und Frieden", was vielleicht spä'er in diesem Blatt geschildert weiden soll. In ähnlicher Weise wurde das Regierangs-Jubiläum in Dresden gefeiert. Der König geruhte, eir.e Deputation aus den Vorstehern d<.r Gemeinde und Oberrabbiner David Landau in Pillnitz zu empfangen und eine auf „geschmackvollen, sammetenen Kissen liegende Ode entgegenzunehmen". Allerhöchstdieselben hörte ch n Vor'rag in angestammter Huld und Milde an": Auch Freude tönen unsre Saiten, Denn, König, Dei er Huld allein Verdanken wir ein bess'res Sein, Der Hoffnung Bi.ek in ho^re Zeiten." Das „hessre Sein"-und die besserer Zeiten lie?ei; lange aul sidi warten. Die Leipziger Messe haltt; vor |00 Jahren eine größere Bedeutung für den europäischen Handel als in der Gegenwart. Die Fortsdirit'e im Verkehrswesen, in Jer Herstellung von Waren, in Nachtrage und Angebot mußten in gewaltigem Maße auf den Besudi und den Aufenthalt in der Metostad! wirken. Was der Kaufmann heute in ewigen Tagen, ja ofl in einigen Stunden erledigen kann, dazu gehörten mehrere Wochen. Die auf der Mes^e früher anwesei.den Israeliten aus vielen Teilen Deutsdiland:« erledigten neben ihren vielseitigen Geschalten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.