Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 3 (21.1.1927)
- Date
- 1927-01-21
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. J GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN REMGI0N8GEMEINDE, LEIPZIG Seite 5 Namen, Gcburts- (evtl. auch Sterbe-) Ort und Tage verzeichnet sind (Aszendenztaleln). Ergänzt werden sollen sie durch Tafeln, die möglichst vollzählig die Nachkommen der einzelnen Vorfahren enthalten (Deszendenztafeln). Der Wert solcher Tafeln für die Erhaltung des Zusammengehörigkeitsgefühls ist ohne weiteres einleuchtend. Sie können aber auch biologisch große Bedeutung gewinnen, wenn die einzelnen Eintragungen durch Angaben biologischer Art ergänzt werden, Todesursache, Krankheiten u. dgl. Bei den schon Verstorbenen wird es um so seltener gelingen, solche Peststellungen zu treffen, je größer der zeilliche Abstand von den Betreffenden ist. Aber iür die Lebenden könnten die Angaben nicht eingehend genug sein, um für die Zukunft möglichst umfassende Unterlagen für die Beobachtung von Vererbungen zu sichern. An einzelnen Beispielen von Stammtafeln und Büchern erläuterte der Redner seine fesselnden Darlegungen und wies auf die Wege hin, die zur Aufstellung von Stammtafeln führen, in der sehr re.;en Aussprache bekundete sich das starke Interesse, das die Frage gefunden hatte. Herr R. A. Dr. Breit nannte als wertvolle Quelle alle Familienbriefe; er berichtete, weiche große Bereicherung der Familienforschung eine durch Zufall erhalten gebliebene Sammlung von Präger Privatbriefen aus dem Jahre 1619 darstellt. Herr J u s t i zr a t Dr. Löwen stein empfahl als ein ausgezeichnetes Mittel zur Pflege der Familiengesinnung die Familientage, die auch sehr geeignet sind, dem Abfall vorzubeugen, oder selbst Abgefallene wieder in die Familien zurückzuführen. Frau Anna Neu mann erhob die Forderung, bei der Forschung nach der Abstammung Wahrhaftigkeil wallen zu lassen, auch dann, wenn man auf Vorfahren stoße, die einem unbequem sind. Herr R.-A. Dr. Goldschmidt regte an, zur Erleichterung für diejenigen, die Nachforschungen nach ihren Vorfahren noch nicht betrieben haben, eingehende Anweisungen zu geben. Herr Rabbiner Cohn zeigt an dem Beispiele der portugiesischen Marannen, welche starke Macht die Familienerinnerung bedeutet: obwohl diese Marannen seit mehr als 400 |ahren als Scheinchristen gelebt haben, ist ihnen das Bewußtsein ihrer jüdischen Abstammung geblieben, so daß sie heute das Verlangen haben, sich wieder offen zum Judentum zu bekennen. Er wies auf die von Dr.Czellitzer begründete „Gesellschaft iür jüdische Familienforschung" hin, die mit ihrer Zeitschrift sehr werlvolle Anregungen für die eigene Arbeit gibt und durch ihre Organisation berufen ist, die Familiengeschichte im allgemeinen sehr zu fördern. Die Leiterin der Veranstaltung, Frau E1 s e C o h n, die bei der Begrüßung auf den engen Zusammenhang der kulturellen Bestrebungen der beiden Frauenorganisationen und der Pflege der Familienerinnerung hingewiesen hatte, gab zum Schlüsse ihrer freudigen Genugtuung über die starke innere Teilnahme Ausdruck, die die Veranstaltung ausgelöst habe. Generalversammlung der Ortsgruppe Leipzig des Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (i O.Jan.) Anstelle des durch eine Reise verhinderten Vorsitzenden der Ortsgruppe, Herrn Julius Krause, leitet Herr Rabbiner Dr. Goldmann die Sitzung und erstattet den Jahresbericht. Die Ortsgruppe hatte im Jahre 1926 8 Versammlungen, darunter 2 öffentliche Aufklärungsversammlungen und 3 üftentliche jüdische Versammlungen. Außerdem fanden 8 Vorstandssitzungen und mehrere Sitzungen des engeren Vorstandes statt. <le»r. IK02 Möbel in größter Auswahl nur solid und preiswert Riedel & Böhme KatharlMMtrala 19* i. Et Anutcllang I« 1 Bfagen Im Oktober 1926 wurde eine Jugendgruppe gegründet, die sich als „Deutsch-jüdische Jugendgemeinschaft" gut entwickelt und bereits ca. 80 Mitglieder zählt. Es finden jeden Donnerstag Heimabende statt, an denen Referate über religiöse, wissensch iftlidie und politische Dinge gehalten werden, und die sich eines regen Besuches erfreuen. Die Ortsgruppe hat 1926 60 Abgänge und 71 Zugänge zu verzeichnen. Weiterhin sind eine ganze Reihe antisemitischer Fälle bearbeitet worden, die durch das Gemeindeblatt und die C.-V.- Zeitung zur Kenntnis der Mitglieder gelangten. — Kassenbericht. Die Einnahmen im Jahre 1926 bleiben um ca. M 3000 gegen die Einnahmen von 1925 zurück, so daß die Ortsgruppe dem Landesverband noch einen Betrag von M 1200 sdiuidet. Der Rückgang der Mitgliedsbeiträge erklärt sich dutdi die schlechte wirtschaftliche Lage Nachdem auf den Bericht des Kasse-Revisors, Herrn Bergmann, Entlastung erteilt worden ist, weiden in den Vorstand wiedergewählt: die Herren: Julius Krause, 1. Vorsitzender, Moritz Urz, 2. Vorsitzender, Rabbiner Dr. Goldmann, Rabbiner Cohn, David Bergmann, Dr. med. Hans Goldmann, R.-A. Dr. Conrad Goidschmidt, Alb. Held, Kantor Max jaffe, R.-A. Dr. Hans Jacoby, R.-A. Dr. Heinz Joske, Julius Lustig, M. Rotsehild. Neu gewählt werden die Herren: Dir. Waher Rieß, Willi Seemann und Frau Erna Gotnperlz. Zur Vertretung der „Deutsch-jüdisdien Jugendgemeinschaft'' werden in den Vorstand gewählt: die Herren: Referendar Rudolf Neumann, stud jitr. Paul Ebstein, Frl. cand. phil. Käthe Danzig. Der engere Vorsland setzt sich wie bisher zusammen aus den Herren: Krause, Ury, Dr. Goldmann, Held, Jaffe, Lustig, Rothschild. Wie im vergangenen Jahre wird Herr David Bergmann als Kassenrevisor gewählt. Zu dem Punkt Verschiedenes gibt Herr Dr. Goldmann seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß so wenig Mittel zur Verteilung von Aufklärungsliteratur zur Verfügung gestanden haben, da dies der beste Weg zur Bekämpfung des Antisemitismus sei. Er fordert die anwesenden Mitglieder auf, die Werbetätigkeit durch Mitarbeit zu unterstützen, da die Mitgliederzahl in Leipdg pr >zentual sehr klein und eine energische Werbung notwendig ist, um die Ortsgruppe in jeder Hinsicht zu stärhen. Mit Befriedigung betont er ferner, daß die Ortsgruppe Leipzig ihre ganze Kraft für den Kampf gegen den Antisemitismus und für die Gleichberechtigung des deutschen Staatsbürgeriums verwenden könne, da hier in Leipzig ein innerjüdischer Kampf nicht geführt wird. Mit dem herrlichsten im Namen des Vorstandes und der Mitglieder gerichr£lTiUanten.e2>erlen •vbn^soÜdem l&eft in allen J>teislaqen &nst3fe. vorm. Jj. Tfolfbuefi Nachf. --~ Gegründet t&79 - 'Petei'sstfQsse 7 auf qeaenübef Stecknef-PassaqQ