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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-01-14 · 2 (14.1.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
2 (14.1.1927)
Date
1927-01-14
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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3. Jahrgang, Dr. 2 14. Januar 1927 feÄÖÄ n a/. 1 Amtliches Htchrickten tycr GetHeindeverwöltHH kz l iqiongqz mzindz $u &tjtytg Du Gemeindeblatt erscheint wöchentlich am Freitag. Dan Mitgliedern der Religionsgemeinde wird ea unentgeltlich durch die Post zugestellt. Bezugspreis für Nichtmitglleder monatlich 60 Pfennige. Anzeigenannahme: W. Teicher, GlockenstraOe 11, Telephon 14449. Schriftleitung: Cemeinderabb. Gustav Cohn, Leipzig, Lohrstr, 10, Telephon 29641. Für den Inseratenteil: Siegmund Cohn, Leipzig, Ottostraoe 24, Tel. 42945. Druck u, Verlag; W. Teicher, Leipzig, Glockenstr. II, Teleph. 14449. Anzeigenpreise; Die 4 gespaltene mm- Zeile 20 Pfg. Familien- und kleine Anzeigen 10 Pfg. Umschlagselten und Teitinserate nach besond. Tarif. Die Schriftleitung übernimmt für die unter dem Namen des Verfassers erscheinenden Beiträge und die Vereinsnachrichten nur die preßgesetzliche Verantwortung. Nachdruck nur mit Quellenangabe end Genehmigung des Verfassers gestattet. Gemeindeanlagen Die Gemeindemitglieder, die mit ihren Gemeindeanlagen im Rückstände sind, werden um deren umgehende Entrichtung ersucht. Die Gemeindekasse, Löhrslraße 10 >, ist werktäglich geöffnet v^n 9—1 Uhr: Postscheckkonto Nr. 50533. Es liegt im eigenen Interesse der Zahlungspflichtigen, diese öffentliche Erinnerung zu beachten, da ihnen sonst unnötige Kosten durch Mahngebühren und Verzugszinsen erwachsen. Leipzig, am 7. Januar 1927 Der Vorstand der Isr. Religionsgemeinde zu Leipzig Vom jüdischen Idealismus Von Rabbiner Dr. Bergmann, Berlin Griechische und römische Schriftsteller haben im Altertum die Juden als Verehrer der Wolken und Sterne verspottet und die Fabel verbreitet, die Juden beteten im Allerheiligsten ihres Tempels das Bild eines Esels an. Im Mittelalter entstand die Sage vom ewigen Juden, der den Heiland zurückgewiesen und dafür ruhelos durch die Welt wandern muß; das Judentum wurde als ein müder Greis geschildert, der nicht leben und nicht sterben und wie Kain, von Gott gezeichnet, keine Ruhestatt in der Welt finden kann. Als die Juden in der Neuzeit in das Kulturleben der Völker eintraten, wurde das Zerrbild vom jüdischen Dämon gezeichnet, der nicht am Aulbauen, sondern am Zerstören Freude findet, vom zersetzenden Element, das auf Kultur, Religion und Moral auflösend wirkt. In jedem Zeitalter hat Vorurteil und Unwissenheit ein anderes Zerrbild vom Judentum gezeichnet. Ein neues Zerrbild taucht in der Gegenwart auf. Das Judentum wird als die Verkörperung des Materialismus hingestellt. Dem Juden wird jeder Idealismus abgesprochen: sein Gold ist sein Gott und das Streben nach Gewinn und Vorteil seine Religion. Im Altertum wurde den Juden der Eselskult, in der Gegenwart wird ihnen die Anbetung des goldenen Kalbes zugeschrieben. Ein nationalökonomischer Schriftsteller der Gegenwart hat die Gleichung aufgestellt: Judentum-Rationalismus- Kapitalismus. Von der jüdischen Religion behauptet er, sie sei ein „Kontobuch", eine „ausgeklügelte Abwicklung" und eine „geschäftsmäßige Regelung aller Beziehungen zwischen Gott und Israel"; die Juden seien in der Kulturwelt die Schöpfer des Kapitalismus geworden und die jüdische Religion habe sie dazu erzogen. Auf den ersten Blick gewinnt dieses Urteil einen Scheil von Berechtigung. Die jüdische Religion hat den Blick und den Sinn ihrer Bekenner vor allem auf die Versittlichung dieses Lebens und die Vervollkommnung dieser Welt hingelenkt. Die jüdischen Propheten, diese glänzendste Verkörperung jüdischen Geistes, waren keine Mystiker und keine Philosophen, sondern Ethiker: sie forderten die sittliche Tat. Das Wort vom „Tachlis", vom praktischen Wert und Zweck aller Dinge, spielte im Wortschatz der Juden eine wichtige Rolle. Wer wie der Jude Jahrhunderte lang um Recht und Licht, um Leben und Sicherheit kämpfen mußte, der mußte tausend Waffen schmieden, um im Kampfe siegreich bestehen zu können. Zu diesen Waffen aber gehörte ein offener Blick für das Leben, eine zielbewußte Energie und ein praktischer Verstand. Dennoch bleibt das Urteil, die jüdische Religion sei die Erzieherin zum Rationalismus gewesen, ein Vorurteil und das Bild vom Judentum als einer Gemeinschaft von Materialisten, deren Schicksal das Geld geworden, ein Zerrbild. Eine Art des Idealismus, die höchste vielleicht, bekundet, wer für seine Überzeugung trägt und duldet; wir spreche! mit Ehrfurcht von Männern, die für ihre Wahrheit litten und starben. Diese Art des Idealismus haben die Juden in reichem Maße in der Welt bekundet, und der Jude der Gegenwart,

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