Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 50 (11.12.1931)
- Date
- 1931-12-11
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 QEMEINDBBLATT DER ISRAELITISCHEN REL1GI0NSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 50 jüdischen Geschichte klar erweisen kann. Gleich Hegel will auch Krochmal (eigen, dafi „es in der Qesehiehle vernQnJUg lugegangen sei und dafi in Ihrem Dringen, Suchen und Ringen, in den Beweggründen ihres Geschehens eine Zielstrebigkeil wirksam sei". Daraus ergib) sieh, dafi Naehman Krochmala Qeaehiehtsaulfassung nichl lediglich Rückblick in die Vergangenheit, sondern sugleich auch Ausblick in die Zukunft ist. Im gansen gesehen, ist das Werk Naehman Krochinals, schon rein in formaler Hinsicht eine elnsigartlge Leistung; denn es ist durchaus nicht leicht, Hegelsohe Denkformen in hebräischer Sprache umsuprägen. Krochmal schuf sich hierfür einen eigenen philosophischen Stil, einen Stil, der mit der Hegelschen Sprachtomt manche Aehnlichkeit aufweist. So hat durch Naehman Krochmal die Hegelsche Philosophie auch im heliräischen philosophischen Schrifttum ihre Stelle gefunden. Aus aller Welt llaron Hirschs Inn. Geburtstag. Am 9, Dezember 1981 waren es 100 Jahre seit der Geburl von Baron Moritz Hirsch (Freiherr auf Gereuth)! des großen Philanthropen, der ein Vermögen von fast 400 Millionen Goldtranken für jüdische Wohlfahrtseinrichtungen, Kolonisation- und Schulzwecke ausgegeben hat. Kr wurde als Sohn des Bankiers Josef Baron Hirsch in München gehören, trat 1851 in das Bankhaus Bischotisheini \ Goldschmidt in Krüssel ein, wurde wenige Jahre darauf Mitinhaber dieser Bank und nahm Raphael Risrhoffsheiuis Tochter Clara zur Krau. Kr leitete dann die Pariser Filiale der Bank, wohnte darauf mehrere Jahre in Konslantinopel, von wo aus er die grofien Kahnhauten auf dem Balkan leitete. Kr haute mehrere Hahnen in Kußlund und Oesterreich und konnte allmählich sein ohnehin grofies Vermögen noch vervielfachen. Schon in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts machte er grofie Spenden für das Schulwesen der AUianee Israelite Universelle im Orient, für jüdische Gemeinden im Osten u. a. m. Nach dem Tode seines einzigen Sohnes l.ucien widmete er sich mit großem Eifer der Wohltätigkeit. Kr wollte die verarmten und geknechteten .luden des Ostens durch Förderung des Handwerks und der Landwirtschaft zu einer produktiven Tätigkeit heranziehen und dadurch ihren Wohlstand und ihr Ansehen in der Welt heben. Ein Angehet von .">0 Millionen Kranes, das er der russischen Regierung für die /wecke der Bildung der Juden Rußlands im Sinne seiner Produktivierungsbestrebungen machte, wurde abgelehnt, und nun begann er Pläne zur Besserung der Lage der russischen Juden auf dem Wege der Auswanderung und Kolonisierung zu verwirklichen. Von Prof, Guilluume Lewental in Lausanne angeregt, schuf er die jüdischen Kolonien in Argentinien und gründete zur Führung dieses Werkes INill die Jewish Colonisation Association (JCA.) mit einem Anfangskapital von - Millionen Pfund, das er im Laufe der Jahre bis auf ISO Millionen Kranes erhöhte: die JCA. wurde dadurch zu der grollten und bedeutendsten jüdischen Wohltätigkeitsorgaiiisution der Welt Eine weitengrofie Stiftung des Haron Hirsch war der „llirsehsche Schulfonds" in Galllien, der von ihm 1K0I auf Anregung von A. Jellinek mit einem Kapital von 12 Millionen <"»'-'rreichischer Dulden (20 Millionen Kranes) gegründet wurde und den Zweck hatte, die berufliche Kr ziehunu der Juden in Galllien und der Bukowina zu fördern. 1004 wurden aus den Einkünften des Fonds 4s Karh- und Gewerbeschulen und Fortbildungskurse der Handwerker mit 209 Lehrern und 7800 Schülern erhalten. Da die Gelder dieser Stiftung laut Abmachung mit der österreichischen Regierung in der Staatsbank aufbewahrt werden mußten, wurde das Kapital in den Inllationsjahren fast völlig entwertet. Inden Vereinigten Staaten von Amerika stiftete Baron Hirsch ebenfalls einen Fonds, den „Haron Hirsch-Fonds in New York", zur Förderung der landwirtschaftlichen und technischen Ausbildung und materiellen Unterstützung von eingewanderten Ostjuden. Der Fonds wurde von Jakob IL Schiff und I). Seliginauii verwaltet und weiter ausgebaut. Aus seinen Mitteln entstanden die landwirtschaftlichen Kolonien Woodhim- (New Jersey) und Hirsch (Kanada), sowie mehrere große Handwerker schulen. Hirsch starb lK'.Hi auf seinem Oute O-Gyala in der Nähe von Ersekujvar in Ungarn, Seine ihn drei Jahre überlebende Krau Clara führte seine philanthropische Tätigkeit fort und spendete mehr als IÜ) Millionen Kranes für jüdische und nichljüdische Zwecke, hauptsächlich für die von ihrem Manne ins Leben gerufenen Institutionen. Theodor Herzl hatte kurz vor dem Tode des Haron Hirsch versucht, ihn für den jüdischen Aufbau Palästinas zu gewinnen, jedoch ohne Erfolg. 255 Synagogen in Jerusalem. Laut einer von Herrn Spigel im Aul 'rage b-s Vereins jüdischer Hausbesitzer in Jerusalem unternommenen /'..iliii*..^ gibt ea geg l wftstig in u jüdischen Wohnvierteln von Jerusalem :\'.?.h\ Häuser. Außerdem gibt es 256 Synagogen (unter ihnen eine Anzahl kleiner). 50 jüdisch-religiöse Schulen :ti; jüdische Bäder und 0 jüdische Hospitäler. Unsere Gemeinde Aufruf an alle jiidisi-lien Studierenden in Leipzig! Die gegenwärtige Wirtschaflsnot und die kritische politische Luge erfordern gebieterisch den 7. u s a in m B n s c Ii I u U der Studier e n - den aller Leipziger Hochschulen zu einer überparteilichen Organisation. In den verschiedensten Lagern ist dieser Ruf laut geworden, ein I nitiat i vaussehuß. bestehend aus akademisch gebildeten und interessierten Gemeindemitgliedern sowie aus Studierenden der Universität, der Handelshochschule, der Akademie und des Konservatoriums, hat die Gründung der .Midis e Ii - A k a d e in I seh e u G e - m einschalt zu Leipzig vorbereitet. Die Aufgaben dieser Gemeinschaft werden vorwiegend auf wirtschaftlichem Gebiete liegen: Besorgung und Vergebung von Stipendien, Erzielung des Erlasses oder der Ermäßigung von Studiengeldern im Bedürftigkeilsfalle. Verhüllgung oder Schaffung einer neuen jüdischen in e n s a a c a d e m i r n. Auf politischem Gebiete soll die Jüdisch-Akademische Gemeinschaft das Recht des jüdischen Studierenden auf unbehinderte Arbeit an der Hochschule betonen, die Vertretung g e g e n ü b e r d e n a k n I e m 1S C h e n B e h ö r d e u regeln, gegen etwaige Exzesse |K)litischer Gegner der jüdischen Gesamtheit auftrete n und das Solidaritltsgeffl.nl pflegen. Die gesellschaftliche Funktion der Jüdisch-Akademischen Gemeinschaft wird in der Schaffung eines stärkeren Zusammen- Ii a n g s m i t der j ii d I SC h e u A 11 - A k a d e m 1 k e rS c Ii a f I in Leipzig bestehen. Mitglied der Jüdisch-Akademischen Gemeinschaft kann jeder j ü d i s c h e II ö r e r u u d j e d e j ü d I seh e II ö r e r i n an einer Leipziger Hochschule werden, ohne Rücksicht auf die Staatsangehörigkeit oder auf die Zugehörigkeit zu einer Partei oder zu einer anderen studentischen Organisation. Um die Mitgliedschaft nicht gänzlich unentgeltlich zu gewähren, ist ein M o n a t s h e i t r a g von '20 R e i e Ii s - Pfennige n in Aussicht genommen. Kein einsichtiger jüdischer Hörer einer Leipziger Hochschule wird sich der Notwendigkeit verschließen, sofort dieser Supra-Orgauisation beizutreten, die nicht mehr und nicht weniger als die tatkräftige Vertetung seiner vitalsten Interessen bezweckt. Die offizielle Gründung der Jiidisrh-Akademisrheu Gemeinschaft xu Leipzig findet am Sonntag, dem 18. Dezember 1981, pünktlich um 11,80 Uhr vorm. im großen Saal des jüdischen Jugendheims, Eiste rat r. 7. in Anwesenheit führender Gelueindemitglieder, der Vertreter interessierter Organisationen sowie der Presse statt. Referent: Dr. Josef F r e u d e n t Ii a I, Leipzig. An alle jüdische» Studierenden Leipzigs ergeht hiermit die dringende Umladung, der (>ründuugsver>aininlung geschlossen beizuwohnen. Betraehten Sie diese wichtige gemeinsame Sache mit größtem Ernst! Fordern Sie die Ihnen bekannte» jüdischen Kommilitone» auf. mitiuk.....- inen! Lasse» Sie sieh nicht von der Disziplin unserer politischen Gegner beschämen! Krseheinen Sie ohne Ausnahme. Der Initiativ-Ausschufi für d i Gründung de r J11disch-Akademiaehen G emeinschalt zu Leipzig: Dr. med. Abelsohn, Gemeinderabbiner Dr. Carlelmch, Gemcinder.ihhi ner Gustav Cohn, Syndikus Dr. Kreudeuthal, Gemeinderabbiner Dr. Felis Goldmann, Dr. med. Hans Goldmann. Dr. med. Siegfried Ronenbäum, Universitätsprofessor. Leopold Goldhaber, stud. med.. Samuel Reiter, stud. iur.. Hans Rieger. cand. iur., Lotte Rohlin, stud. phil.. Iliidassah Sheridan, stud. iiius.. David Sonnenschein, stud. med. Ausstellung im Hilfsverciu israelitischer Gewerbetreibender. Wie alljährlich lädt der Vorstand des llilfsvereins israelitischer Gewerbetreibender auch in diesem Jahre seine Mitglieder, Freunde und Gönner