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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-12-04 · 49 (4.12.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
49 (4.12.1931)
Date
1931-12-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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fi-12 31 [VN 1 VERS LI P.S. DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICH« NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! Da» Gcmelndeblatt rradieinl |eden Freitag und wird den Mitgliedern der KrllRlonaReraelitdc uner.tfteltUdl durdi dir Post nioeatrllt - Schrlftleieung: Gemelndrrabblner Guntav Cohn, Leipzig, Lohrstraüe 10 KUMMER 4© / JAHRGANG7 FREITAG 4« DEZEMBER 1011 Anzelgrnvi rwaltung und Drink: Burtidrucki'n'l AuguM Pries, Leipzig, Bradrnrir. 59 - Kernrul 70018 - I'ohI- Mh. i» Leipzig 53820 - Nadtdriitk nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung dra VrrlaM>en grutattrl Judentum und Hellenismus Der um das zweite Jahrhundert vor unserer Zeltrechnung erfolgte Zusammenstofi zwischen .luden und (i riechen, dessen wir »in Chanukka gedenken, erscheint ganz eigenartig. Was soll das bedeuten, daß sich ein kleiner Stamm im schwelen Kampfe um Beine Freiheit für einige Zeit eines übermächtigen Feindes erwehrt? Lange hat doch die nationale Unabhängigkeit des jüdischen Volkes nicht gewährt, und wenige Jahrzehnte später wurde sein Haupt unter das schwere .loch der harten und unerbittlichen Römer gebeugt. Hei oberflächlicher Betrachtung dieser geschichtlichen Ereignine hat man beinahe den Kindnick, als ob es sich gar nicht gelohnt hätte, daß die jüdischen Helden im todesmutigen Kampfe gegen das lyro-griechlache Heer ihr Wut verspritzt haben. Die Volksfreiheit, welche gegen den Feind von auUen und einen vollkommenen Priesteradel zu Hause verteidigt wurde, ging bald verloren, und auch die nationale Unabhängigkeit überlebte die Volksfreiheit nicht lange. Indessen lauen die Dinge nicht so. Der Kampf galt nicht nur der politischen und staatlichen Unabhängigkeit, sondern in erster Reihe der (iewissensfreiheit und der Krhaltung des Judentums. Wären die llellenisierungsvorsurlie in Palästina gelungen, so würde nicht etwa, wie angenommen werden könnte, das ganze jüdische Volk assimiliert worden sein. Kine solche Assimilation, welche alle Schichten eines Volkes umfallt, ist nie möglich, und in der (leschichte ist keine Analogie dafür EU finden. Nur eine kleine obere Schicht hätte sich in Palästina dem Griechentum angeschlossen, alle Bräuche und .Mi 1.1 brluche des Hellenismus angenommen, sie hätte sich dadurch dem Volke allmählich völlig entfremdet und wäre im Ijiufe der Zeit höchstwahrscheinlich feindlich geworden. Das Volk aber, seiner Aristokratie, seiner wohlhabenden und gebildeten Schichten beraubt, wäre in wenigen Jahrhunderten in Armut und Unbildung verkommen. Das jüdische Volk würde vom geschichtlichen Hoden verschwunden sein. Seine reichen Söhne hätten sich in lächerlicher und schmachvoller Nachäfferei der griechischen Lebensgewohnheiten erschöpft; sie wären in Wahrheit Harbaren mit griechischen Sitten ohne jeden kulturellen (iehalt geworden. Die Volksmassen hingegen blieben stumpf und roh auf ihrer heimatlichen Scholle, ohne Verständnis für die geschichtliche Vergangenheit und ohne die Fähigkeit, auf dem geschichtlichen Hoden sich kulturell weiter zu entwickeln. Dieser Versuch, die jüdische Aristokratie von den Volksmassen zu trennen, ist in unserer Geschichte nur einmal gemacht worden. Kr ist damals glücklicherweise gänzlich mißlungen, und das hat verhindert, dal.t die .luden das wurden, was beispielsweise die Syrer und die Acgypter geworden sind: Die oberen Schichten dieser Völker haben sich assimiliert, und von den Völkern selbst sind nur arme, halb vertierte Fellachen lUrQckgeblieben. In späteren /.eilen ist über das jüdische Volk viel Schlimmeres hereingebrochen; es hat seitdem die blutigsten Verfolgungen über sich ergehen lassen müssen. Abel immer trafen die schrecklichsten Ereignisse «las ganze jüdische Volk. Ks mochten sich einzelne in der Stunde der Gefahr aus unseren l.aui-rn fortgeschlichon haben: wir wollen mit diesen armen, schwachen Menschen nicht allzu streng ins Gericht gehen. Aber ganze Volksklassen haben niemals auch nur den Versuch gemacht, sich von der Gesamtheit zu trennen und deren Sache vbilig aufzugeben. Durch den einen Sieg, den das jüdische Volk in der makkabäischeil Zeit über seine Feinde von nullen und von innen errungen hat, rettete es seine geschichtliche Forldauer. Ks liegt daher ein gesunder Volksinstinkt in dem Krauch, der sich seitdem, teils aus religiösen und teils aus nationalen Motiven, bei uns eingebürgert hat, die Erinnerung an jene Siegestage alljährlich zu feiern, um sie so für immer im VolksbewuUtsein festzuhalten. Nach mehr als zweitausend Jahren wird es sogar wahrscheinlich, dalt auch das Judentum einen gMnsenden Sieg über den Hellenismus davontragen wird. Ks wird doch dahin kommen. daU der Gesichtskreis der gebildeten Menschen sich immer mehr erweitern wird, indem die wissenschaftliche Forschung die alten Legenden und Anekdoten, alle Ruhmredigkeit und lieber treihung der griechischen Schriftsteller auf ihren wahren Wert zurückfuhren wird. Hingegen erleben wir jetzt die Genugtuung, daU die Wertschätzung des biblischen Schrifttums und der anderen geistigen Schöpfungen des jüdischen Volkes bei den Urteilsfähigen im Steigen begriffen ist. Der schöpferische (ieist Israels auf dem ihm eigenen (iebiet wird die ihm gebührende Anerkennung linden. Allerdings setzt dies voraus, dal.t die .luden selbst damit nicht warten, bis ihnen die anderen darin vorangehen. Wir müssen unsere Verteidigung der (leschichte selbst übernehmen und tapfer durchführen. Das können wir nur dann, wenn wir vor allem uns dessen bewußt sind. Das geschichtliche Bewußtsein in unserer Mitte zu pflegen und KU stärken, das ist die Aufgabe, die wir uns zu stellen haben. Landesrabbiner Dr. W alter Dessau. Die Not der Klein- und Mittelgemeinden Im Novemberheft des (iemeindeblatts der Jüdischen Gemeinde zu Berlin ist ein „Die Not der jüdischen Klein- und Mittelgenieinden" nbersehriebener Aufsalz von Max Birnbaum enthalten, dem die Hedaktion des „Gemelndeblattea" die folgende Bemerkung vorangehen laut: „Groll ist die jüdische Not. So groll, dalt Herzen und Hände einst »ausender hilfsbereiter müde zu werden drohen, gleichgültig im Sturm einer gewaltig« n Zeitwandlung. So ist, von allzuwenigen erkannt und bekämpft, dem deutschen Judentum eine Gelahr erwachsen, die es in naher Zukunft in seinem Bestände erschüttern muß, wenn nicht zur rechten Zeit ihr Halt geboten wird: die jüdischen Klein und Mittel gemeinden sind in ihrer Existenz bedroht. Sie sind dezimiert au Mit gliederzahl, gebrochen in ihrer wirtschaftlichen Krall. Sie haben nicht mehr die Mittel, ihre Religionsschulen zu erhalten, ihre Kinder als Juden zu erziehen, viele ihrer Gotteshaus"!' liegen verödet. Sie stehen auf engem Raum viel näher einer feindw hg. n Umg buug gegenüber, sind* viel unmittelbarer "peraöntfl nein :ill und Boykott ausge HC

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