Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 47 (20.11.1931)
- Date
- 1931-11-20
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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20. November 11)31 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIQIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 ihr nur noch ein Mitglied angehört Infolge der Entwertung battu die Kusse neue Mitglieder nlchl aufnehmen können - und daß schon seil Jahren die Baronin v. Cohn-Oppenhelm-Stlttung die von früher her besiehenden Verpflichtungen der Kasse freiwillig übernommen hat; damit war die Kasse bedeutungslos geworden. Die beschlossene Auflösung hat also im wesentlichen nur den Charakter formaler Anerkennung eines Zustande«, der tatsächlich schon seit Jahren besteht. Ks darf immerhin mit Genugtuung festgestellt werden, dafl die Kasse in den früheren Jahren ihres Bestehens außerordentlich segensreich wirken konnte, da sie den Anhaltischen Gemeindebeamten eine Sicher- Stellung für ihr Alter bot, die ihnen die Gemeinden zum Teil nicht su geben vermochten. Unsere Gemeinde Prediger F.maiiiiel lleiiiiaiin. Plauen, gestorben. Der ungemein rührige, kenntnisreiche und um seine Gemeinde, ja weit über sie hinaus hochverdiente Prediger unserer Plauener Nachbargemeinde, Herr Emanuel Helmann, ist in der Nacht vom Iii. /.um 14, November plötzlich und unerwartet einem Herzschlage erlegen. Neben der schwer betroffenen Familie — der so jäh Dahingeschiedene hinterläßt sein«' Witwe mit vier noch unversorgten Kindern — erleidet seine Gemeinde einen ganz ungewöhnlichen Verlust. In langjähriger erfolgreicher Arbeit als Prediger und Religionslehrer hat sich der Verstorbene ein hohes Malt an Achtung und Liebe unter seinen Gemeindemitgliedern und besonders der .lugend erworben; durch seine tiefgründigen Kenntnisse, seine vorbildliche Pflichttreue, seinen religiösen Ernst, seine mit gütiger Freundlichkeit gepaarte zielsichere Geradlinjgkeil war er ihnen verehrungswürdig geworden. In emsigem, rastlosem Fleiße hatte er das Wissen, das ihm auf dein Würzhurger Lehrerseminar zur Ausübung des Lehrerberufes vermittelt worden war, nach allen Richtungen ausgeweitet, war er besonders in das Gebiet der rahhiniseheii Quellsehrifteu tief eingedrungen. Eine durch und durch religiöse Natur, verband er mit seinen grölten Fähigkeiten eine schöne Bescheidenheit und erfüllte so alle Voraussetzungen für das hehre Amt. das er verwaltete». Daneben aber bewährte er sieb auch in hervorragender Weise in der Verwaltung seiner Gemeinde, bei der er das Amt des Sekretärs bekleidete. In den Sitzungen des Verbandes der israelitischen Religionsgemeinden im Freistaat Sachsen - er gehörte als Vertreter des Lehrerstandes dem Ausschuß des Verbandes au - hatte man häutig Gelegenheit zu sehen, wie sehr der Verstorbene alle Zweige der Gemeindeverwaltung beherrschte, und mit welcher Liebe und Treue und Gewissenhaftigkeit er für die Gemeinde arbeitete. Die gleichen persönlichen Vorzüge betätigte er auch in den |fldischen Verbänden, denen allen er ein wertvoller Mitarbeiter war. Neben der (JOBB-Loge und dem Centrai-Verein gehörte seine organisatorische Arbeit besonders dem Standesvereine: der Vereinigung israelitischer Lehrer im Freistaat Sachsen stand er seit ihrer Gründung vor: in der Vereinigung der Jüdischen Lehrer Mitteldeutsehlands zählte er gleichfalls zu den verdientesten Mitgliedern. Seiner energischen Vertretung der Stnndosinteressen verdanken die Kollegen manche wertvolle Förderung ihrer Stellung. — Emanuel Heimann stand in Plauen auf einem schwierigen Posten. Die judenfeindliche Bewegung hat dort bekanntlich heftige Kämpfe herauf beschworen. Nie hat er versagt in der Verteidigung von .luden und Judentum, innner mutig mit in vorderster Reihe des Kampfes gestanden. Als Streiter für seine Ideale hat er seine Kräfte autgerieben. Nun ist er als treuer Diener seines Amtes dahingegangen. Sein Wirken und seine Persönlichkeil sichern ihm ein dauerndes Andenken. iiijährlich, liudet am 15. Kislew, das November 1981, ein Chewra- Che« ra-Kadiseha-Fastes), Wie ist am MlttWOc h . d e m 21 F aste n statt. In diesem Jahr wird der Gottesdienst in der Talmud-Thora-Synagoge. Reilstraße, abgehalten. Die Mitglieder versammeln sich morgens um 7 Uhr in der obengenannten Synagoge zum Gebet, bei welchem der Bedeutung des Tages entsprechende SelichOS eingeschaltet werden und wie am Fastp e p i W e i t Z Wilhc Im Gold b e r o e r Verlobte LSipiiQl KMOKttMlfM*« ' November 1931 Biala t . Bielitz tage Thora-Vorlesung stattfindet. Im Anschluß daran begeben sich die Teilnehmer nach dem Friedhof, Berliner Straße, um auch dort die entsprechenden Gebete zu verrichten. Am Nachmittag findet um 4 Uhr der Minchagottesdienst statt, bei welchem wie am Fasttage wiederum Thora-Vorlesung gehalten wird. Im Anschluß an die Thora-Vorlesung wird allen verstorbenen Mit gliedern ein Kl mole rachamim gemacht. Angesichts der schwierigen Wirtschaftslage sehen wir in diesem Jahre von dein Stattfinden einer Chewra-S'uda ab. Von der Leitung der Höheren israelitischen Schule wird uns geschrieben: Wer die heutigen wirtschaftlichen Verhältnisse näher kennt und auch etwas über den bilanziellen Stand der Höheren israelitischen Schule informiert ist, muß sich einmal die Frage vorgelegt haben, wie ist es möglich, daß diese Anstalt noch existiert? Alle anderen jüdischen Schulen haben ihren Rückhalt am Staat, der sie subventioniert, oder an den Gemeinden, die für die Fehlbeträge aufkommen. Die hiesige jüdische Schule ist ganz allein auf die kleine Schar von Interessenten angewiesen. Ihre Schülerschaft setzt sich zum weitaus größten Teil aus den Kreisen des Mittelstandes zusammen, der doch mehr oder weniger wirtschaftlich ruiniert ist. Die Schule hat auch keine großzügigen Gönner Oder Mäzene — und doch hat sie sich bis zur Stunde über Wasser gehalten und ihren Etat, der die Hunderttausend im Jahre übersteigt, aufgebracht. Alter das furchtbare Gefühl der Unsicherheit, die Unregelmäßigkeit, mit der sie ihre Zahlungen leistet, und das Ratensystem, auf das sie bei der Besoldung ihrer Lehrkräfte und der Regelung ihrer sonstigen Verpflichtungen angewiesen ist. liegt doch, ihre Arbeit hemmend und lähmend, auf der gesamten Schulgemeinde. Die Schule ist sich dessen bewußt, «laß sie in dieser Zeit nicht mit der Milte um Bewilligung größerer Beiträge an die so überaus stark in Anspruch genommenen Gemeindemitglieder herantreten kann. Al>er in der Ueberseugung, daß die überwiegende Mehrheit unserer jüdischen Mitbürgersrhaft auf dein Standpunkt steht, daß die Schule, die seit mehr als 'J0 Jahren besteht und doch auf so manche Erfolge hinweisen kann, daß die Schule, die für viele Glaubensgenossen eine Lebensnotwendigkeil bedeutet, unter keinen Umständen eingehen und ihre Pforten schließen darf, stellt die Leitung und der Vorstand der Schule die folgende gewiß bescheidene Bitte an alle Leser dieses Blattes: In allen früheren Jahren hat der beim Chanukka-Schulfesl erzielte Ueberschufl ein Wesentliches zur Erhaltung der Schule beigetragen. Auch in diesem Jahre ist wiederum ein Fest in Aussicht genommen. Postscheckkonto Leipzig 682 74 zum FEST DES KADIMAH (Jüdischer Pfadfinderbund in Deutschland) s» Sonntag, den 22. November, 1 .5 Uhr im Centrai-Theater sfl