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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-11-06 · 45 (6.11.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
45 (6.11.1931)
Date
1931-11-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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9.1181 q«wr (Bemeiuö ebtott DER ISRAELITISCH BN RELIGIONSGEM&IND& ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! Das Grmrlndeblatt erscheint |eden Freitag und wird den Mitgliedern der Keliglnniigrmr-Inde unentgeltlich durdi die Polt zugestellt - Schrlftleltung: Gemetnderabblner Gustav Cohn, Leipzig, löhrstraße 10 NUMMER 45 / JAHRGANG 7 FREITAG 6. NOVEMBER 1011 Anzrlgenverwaltung und Drink: Budidrudterei AiigiiHl Pries, Leipzig, BrOdrrstr. N - IVrnrul 700% - Pnsixhedt LelpilR 53920 - Nachdruck nur mit yurllenaiiRabe und mit Genehmigung des Vertanen gestattet Unsere Gemeinde betrauert das Ableben des Herrn Meier Strauss in Frankfurt a. M. /^BIBL. [VNIVERSJ V LIPS Der Entschlafene hat von 1921 — 1929 der Körperschaft unserer Gemeindeverordneten angehört und auch andere Ehrenämter in unserer Gemeinde bekleidet. Die Gemeindevertretung schätzte seinen klugen Rat, seine Sachlichkeit und Gewissenhaftigkeit, die sich mit persönlicher Bescheidenheit verbanden. Auch nach seiner Übersiedlung nach Frankfurt a. M. bewahrte er unserer Gemeinde seine Anhänglichkeit. Wir werden dem Verewigten ein treues Andenken bewahren. Leipzig, am 4. November 1931. Der Vorstand und die Verordneten der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig Zug des Todes Lesser Ury Am Sonntag, dem ts. Oktober, mittags, verstarb plötzlich in seinem Berliner Atelier der große jüdische Maler Lesser U r y .kurz vor Vollendung seines 70. Lebensjahres. Die Kunstwell war gerade damit beschäftigt, seinen auf den 7. November fallenden 70. Geburlstag würdig zu begehen. Die Nationalgalerie bereitete eine Sonderausstellung seiner Gemälde vor, die Berliner Sezession und andere Künsllervereinigungen, sowie der preußische Staat und die Stadt Berlin rüsteten sich zu Huldigungen für den Siebzigjährigen: die geplanten Teste mußten nun zu Trauerfeiern werden. Lesser Ury wurde am 7. November 1801 in Birnbaum, in der früheren preußischen Provinz Posen, geboren. Seil 1887 lebte er in Berlin. Iii Paris malte er seine ersten Straßenbilder, Interieurs und Nacht- Stimmungen. In dem Hämischen Orte V'ollouvet schuf er (1882:84) seine ersten naturalistisch-impressionistischen Bilder, die mit zu den frühesten Werken des modernen Impressionismus in Deutschland zählen. Als er nach Berlin übersiedelte, malte er, in den dürftigsten Verhältnissen lebend, das moderne Berlin. Noch bis zuletzt galt er als einer der berlinischsten Maler. Der Michael Beer-Preis der Preußischen Akademie ermöglichte ihm eine Heise nach Italien. Hier wurde der Großstadtmaler zum Schilderer der Landschaft: er erreichte darin eine Größe und Tiefe, wie kein deutscher Landschafter bisher. Die Epoche seiner großen Gemälde beginnt 189H mit „Jerusalem". Ks folgen: Das Triptychon „Der Mensch", „Adam und Kva". „Jeremias" (liK)l). „Sintflut" (1906), „Moses beschwürt die Finsternis", „David im Gebet", „Rahel am Brunnen", „Ruth und Boas" und „Der scheidende Moses" (1928). Line Ausstellung seiner Werke i. J, 1916 brachte ihm hohe Anerkennung. 1828 erwarb die Nationalgalerie in Berlin drei Gemälde von ihm. Bis in die letzten Tage, ja Stunden seines Lebens stand er vor der Leinwand. Als am 18. Oktober der Kunsthändler Arthur Dahlheim ihn im Atelier aufsuchte, um mit ihm die umfassende Ausstellung seiner Werke, die die Nationalgalerie vorbereitete, zu besprechen, fand er den Künstler in sehr gebrechlichem Zustande vor. Man rief einen Arzt herbei, der aber keine Hilfe mehr leisten konnte. Lesser Ury erlag bald einem Herzschlag. Die Kritiker der Berliner Zeitungen nennen Lesser Ury den wahren Begründer und ersten Meister des Impressionismus in Deutschland, neben Max Liebermann den bedeutendsten Vorkämpfer des Naturalismus in der deutschen Malerei und den größten deutschen Landschafter der Neuzeit; ein Farbengenie, einen der bedeutendsten Pastellmaler des 20. Jahrhunderts, der auch als Blumeumaler und als Graphiker von wenigen erreicht wurde. Sie nennen sein Leben ein tragisches. Durch manche Knttäuschungen scheu geworden, hauste der alle, herz kranke Mann in einem ungesunden Kiesenatelier am Nollendorfplatz, das er mit eigenen Händen heizen mußte, wochenlang ohne richtig 7(| essen, ohne Pflege Seinen Freunden war e< Unmöglich, gegMt seinen Kopf und Willen etwas an diesem Zustande zu ändern. L

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