Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 44 (10.10.1931)
- Date
- 1931-10-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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au 8i taeinö eblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEr! N DE ZU LEIPZIG AMTLICHES MACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUN&B Das Gcmrlndrblatt erscheint Irrten Freitag und wird NUMMER 44 / JAHRCANC 7 den Mitgliedern der Kellglontgcmelnile uncntgrltlidi durch die Po«t tugestellt - Schriftleitung: I mmstmmjf a wtnprt + Gemetnderabbtner Gustav Cohn, Leipzig, UhrotraBe 10 FKcITAQ SO» OKTOBER 1911 Anzelgenvcrwaltung und Druck: Budidruckerel August Prien, Leipzig, Brüderslr. 59 - Kernrul 70006 - Postacheck Leipzig 539 20 - Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verlauten gestattet Zweite Abschlagszahlung aal die Gemeindeanlage 1931. Da wir von den Finanzämtern die Unterlagen zur Errechnung des Steuersatzes noch nicht erhalten haben, wird eine zweite Abschlagszahlung auf die Gemeindeanlage 1931 erhoben. Dieselbe beträgt wieder ein Drittel des Gesamtbetrages der Gemeindeanlage 1930 und ist am 2. November d. J. fällig. Über die zu leistende Abschlagszahlung gehen den Steuerpflichtigen Bescheide zu. Die Steuerpflichtigen werden gebeten, die Abschlagszahlung zu dem obengenannten Fälligkeitstag, spätestens aber 14 Tage nach Zustellung des Bescheides, zu entrichten. Die Gemeindekasse, Löhrstraße 10ist werktäglich geöffnet von 9 1 Uhr. Die Gemeinde hat Postscheckkonto Leipzig Nr. 50533, Bankkonto bei der Stadt- und Girobank und B.Breslaucr, Leipzig. Uber die Höhe des Steuersatzes, die endgültige Veranlagung und die Fälligkeit der Restzahlung folgt später noch besondere Bekanntmachung. Leipzig, den 19. Oktober 1931. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Ein jüdischer Dichter-Maler Von Samuel Taubes-Wien. Ein Jahrzehnt ist es her, seitdem in Wien das Standard-Werk Uriel Birnbaums, der mit dein österreichischen Itauernfeldprois ausgezeichnete Sonettenband „In Gottes Krieg" erschienen ist. Eine Betrachtung über das Wesen und den Inhalt Hirnbaumscher Kunst mag daher gegenwärtig am Platte sein. Der Name Birnbaum hat einen guten Klang innerhalb des Judentums. Schon vom Vater Uriels. von Dr. Nathan Birnbaum (Mathias Acher) her, der vielumstrittenen Persönlichkeit, in der ein Teil seiner Beurteiler einen unsteten, inkonsequenten Menschen sah. der von einer Ueberseugung zur andern tau.....Ite, bis er sehliefilieh beim Glauben landete, der andere hingegen einen Mann, dessen (ieist vom (leiste der Propheten war. Wie immer aber auch die Beurteiler urleilten, in einem Punkte sind sich alle einig gewesen, in der Anerkennung seiner persönlichen Lauterkeit, der Ehrlichkeit in seinem harten Kampfe um die jüdische Wahrheit und des Ernstes, mit dem er die jedesmalige Phase seiner Entwicklung auf dem Wege, der ihn letztlich zur Religion führte, verfocht. Bei Uriel Birnbaum, dem Sohne, sind diese Schwankungen nicht in Erscheinung getreten. Kr übernahm die Religion schon fast als väterliches Erbe, und seit ungefähr 15 Jahren sind die Arbeiten und AeuBerungen dieses, zu einem grollen Dichter und bedeutenden Maler herangereiften Mannes, der sich der begeisterten Anerkennung hervorragender und repräsentativer Persönlichkeiten der verschie denst.m Richtungen erfreut, nichts Mildere« als ein einziges, ununterbrochenes Wirken im Dienste Gottes. Ks wäre aber unrichtig, aus der Talsache der ausschließlich religiösen Pundlerung des künstlerischen Schaffens Birnbaums, vielleicht auf eine Monotonie in diesem Schaffen zu schließen. Denn die Religion ist für Mirnbaum nicht etwa nur der bevorzugte Gegenstand seiner künstlerischen Behandlung, sie ist vielmehr die Grundlage seines ganzen Lehens und jeder Aoulierung desselben. Wurzelnd in der Religion und erfüllt von religiöser Triebkraft, ist es ihm geradezu unmöglich, ein Werk hervorzubringen, das nicht in Beziehung zur religiösen Wahrheit, zu (iolt stünde. Dies ist übrigens leicht verständlich, wenn man sich über Wesen und Wirkung der Religion klar ist und über die Macht, die sie auf von ihr in Wahrheit und zutiefst Ergriffene ausüheu muH Der Glaube an Gott, als den Schöpfer des Weltalls, das er nach seinem Willen und zu seinem /.weck erschaffen hat. der eingewurzelte (Haube, dat.! der Lebensablaul sich nach Gottes Bestimmung vollzieht, und daß jede Handlung Im Sinne Gottes oder gegen ihn geschieht, hat zur Folge, daß jede Lebensiußerang eben nur in Hinsicht auf dies höchste, einzige und Qberweltliche Kriterium erfolgt, das unser Dasein einschliel.it und in das jedes Atom dieses Daseins zuletzt einmünden muß. So führt es schließlich zum gleichen Ende, ob Birnbaum beispielsweise den Krieg ganz bewußl erlebt und dieses Erlebnis auch bewußt in Bildern und Dichtwerken gestaltet, wie in seinem grandiosen Werk „In Gottes Krieg-, oder ob er. wie in seinem bewunderungswürdigen Bildwerk „Der Kaiser und der Architekt" etwa, tuend aus purer künstlerischer Lust am Phantasieren, sich mit der malerisch-architek