Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 43 (21.10.1931)
- Date
- 1931-10-21
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 4 QEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 43 /•Vir Jie anläßlich innerer Vermählung uns crieiesenen Ai fn erksamkeiten .Linken mir ,i / Jiesem Wtft herzlichst Karl Schmerzler und Frau Leipzig, im Oktobtr 1931 Toni geb. Kalb Aus dem Gemeindeamt Persunenstandsnarhrirhten Geburt e n : 22. September 11>:11 Walter Kaufmann und Gertrud geb. Kaufmann, Karl-Rotne-Str. 13, eine Tochter „Eva Gabriele", ii. Oktober WM David Noach Rotsteiii und Pflnkel geb. Prinz, einen Sohn T 0 d e s r ii I I e : is. Oktober li>:si Mathias Pulvermacher, Auenstr. 14. Unsere Jugend (Für diese Rubrik übernimmt die Schriftleitung nur die p reflgesetlliche Verantwortung.) Kurc Kinder in Not! Von beachtlicher Seite gehen uns die nachstehenden Ausführungen zu. die wir veröffentlichen, ohne damit ein«' grundsätzliche Stellungnahme zu der angetchnlttenen Frage bekunden zu Wullen. Die Bcbrtftleitung. Die Bitnation des jfldischen Kindes, in der höheren Schule vor allem. hat sich heute grundlegend verschlechtert. Während vor noch nicht nllzulanger Zeil gegen eine Politisierung der höheren Schiller mit umfassenden Verboten angekämpft wurde, ist hier in letzter Zeit nur noch die einzige Rin« hrlnkung gemacht worden. daD die Agitation nicht direkt in die Räume der Sehuic eindringen durfte. Diese Einschränkung bleibt natürlich auf dem Papier stehen. Hie Lehre vi.n der Verseilwörung der Juden gegen das deutsche Volk, die Lehre, daß alles TJebel Oberhaupt von den Juden stammt, geht dummen Kindern offenbar besonders leicht ein und beherrscht heute unsere höheren Lehranstalten fast völlig. Auch ein gewisser Teil der Lehrerschaft ist dieser kindertOmlichen Welterklärung aufrichtig ergeben, vor allem der jüngere, der sie schon von der Universität mitbringt. In Leipzig ist bereits der größere Teil der höheren Lehranstalten, unter ESlnschluB der privaten, sihulweise nationalsozialistisch durchorganisiert. Dabei war ein ausweichendes Abwandern jüdischer Schiller von bereits eroberten Festungen nach scheinbar noch nasistcheren Schulen zu beobachten, die eher kurz darauf bereits dem Hitlertum neue Eroberungen zu verkOnden erlaubten wahrlich ein keineswegs erhebendes Schauspiel für den jüdischen Betrachter, diese Galutwanderung in Miniatur! I»a< Bndergebnis ist jedenfalls eine weitgehende Isolierung des jfldischen SchOlerS. l ud ist es au den Universitäten bereits zu der Forderung nach Ausweisung der Juden und zu tätlichen Angriffen gekommen, so ist dasselbe für die höheren Schulen durchaus zu erwarten. Haben sich ja bei den Exzessen in Berlin am KurfQrstendsm, nach den Meldungen, Burschen mit Bchfllermfltsen wacker beteiligt. Und was für den KurfUrstendsm recht, ist für die Schule nur billig. An die Stelle gefühlsmäßiger Vorurteile ist die organisierte, blutige Hetse getreten. Schüler, die man gelehrt hat, ...Inda veri,che" zu grOhlen, und daß die Juden ..nicht nach Deutschland hineingeboren" und „aufgehängt" werden müssen, werden natürlich beispielsweise in der Geschichtsstande, wenn von der Einsperrung der Juden ins Ghetto oder ihrer Niedennetselung wegen angeblicher Brunnenvergiftung die Beda ist, mit 'man verzeihe den Ausdruck) viehischem Behagen losiirüllen ■— und ich will den jüdischen Mitschüler sehen, der da nicht kreidebleich wird, dem sich nicht vor Ekel und Abscheu der Magen umdreht, in den dieser Augenblick nicht die bittere Saal der Menschenverachtung legt. El gibt heute diese Augenblicke reichlich, im Unterriehl und in den Pausen, In den AeuBerangen von Lehrern und von Schülern. Das Herz krampft sich einem im Leihe zusammen, wenn man daran denkt, was heute an unseren jfldischen Rindern gesflndigt wird. Wer es mit ihnen such nur ein wenig gut meint, wird heute sehr dringlich die Forderung nach der jüdischen Schule erheben mflsasu. Vielmehr, er würde diese Forderung erheben müssen wenn nicht die jüdische Schule in Leipzig schon bestände. Seit '.'(I Jahren fast. Mit besten Lehrerfolgen, die die wohlwollende Anerkennung der Behörden gefunden haben. Mit einem niedrig bemessenen Schulgeld und Erleichterungen und Freistellen für Minderbemittelte — eine der bedeutsamsten und segensreichsten Schöpfungen jüdischen Idealismus' in unserer Gemeinde! Wir brauchen also glücklicherweise in dieser Zeit großer wirtschaftlicher Not nicht Mittel aufzubringen für eine kostspielige Neugründung, Aber man schämt sich, es zu sagen wir haben es wirklich und wahrhaft nötig, die jüdischen Eltern erst aufzurütteln, sich ihrer Verantwortung gegenüber ihren Kindern bewußt zu werden und diese nicht der Ilaken kreuipesl auszusetzen. Schickt eure Kinder in die Höhere Israelitische Schule — solange sie noch besteht, solange eure Vorurteile und eure Gleichgültigkeit es der Wirtschaftskrise noch nicht ermöglicht haben, dieses Werk reinen Idealismus' hinweg zu spülen — ausgerechnet in einem Augenblick, In dem diese Anstalt doppelte und dreifache Berechtigung hat! Wir würden uns damit selbst verhöhnen und für die Versündigung an unseren Kindern unser gerüttelt .MaßVerantwortung tragen, wenn wir auch weiterhin in träger Indifferenz verharren. Vereinsnachrichten Agudns-Jlsroel, Orts-.lugcndgruppc. Leipzig. Bekanntmachung; Hierdurch laden wir unsere verehrten Mitglieder zu der am kommenden Freitagabend, den 2.1. Oktoher um 20 Uhr stattfindenden Freitagabend fei er im Hause des Herrn J. Flam, Lührstr.S" .">, höflichst ein. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Jüdischer Jugendbund „Franz Rosenxweig" Leipzig im Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Heute Abend 20.:io Uhr F reItagabendfeier. Die Leitung liegt in den Händen des Herrn Oberkantor Lampel. Sonntag, den 2.r>. Oktober, lfi l'hr, gemütliches Beisammensein mit Tanz und Rezitationen. — Mittwoch, den 28. Oktober Heimabend. Es spricht Philipp Bachsenhaus über die Wirtschaftliche Lage". — Voranzeige: Sonnabend, den 7. November veranstalten wir im Saale des Jüdischen Jugcudhauscs den 2. Abend im Kähmen unseres zeitgemäßen Kabaretts ..pro und nnti". Eintrittskarten sind nur in beschränkter Zahl zu haben. Wir bitten daher, dieselben rechtzeitig zu bestellen. Vorverkauf: Elsterstr. 7. Tel.: 2320.". Alles Nähere hierüber an anderer Stelle dieses Blattes. Jüdische Arbeiter-Gemeinschaft, Leipzig, Naundörfchen 12. S 0 11 n - abend, den 24. Oktober. 20 l'hr, Vortrag mit Lichtbildern: „Der F flnfjahrespls n". Wir bitten um zahlreiches Erscheinen. Jüdischer Arbeiter-Turn- und Sportverein. Jugendabend: Am S 0 n 11 abend, dem 24. Oktober im Jugendheim. Töpferstraße X Thema: Was sollen wir lesen V Wir beginnen pünktlich um 20 Uhr. da wir bereit! 21.30 Uhr die Blume verlassen müssen. Die Ordner müssen bereits um 18 Uhr anwesend Min. — Acht u n g T u r n e r u 11 d Turnerinnen. Die üebungsabende müssen vorläufig ausfallen und beginnen erstmalig am Montag. 2. November, Aus diesem Grande muß auch der Frauenabend verschoben werden. Das Schwimmt rai ning erleidet keine Unterbrechung und nimmt einen erfreulichen Aufschwung, Besonders die Wasserballer befinden sich in ausgezeichneter Verfassung und tragen Freundschaftsspiele mit anderen Vereinen aus. - Demnächst findet ein öffentlicher V 0 r t r a g statt mit dem Thema: Warum Arbeitersport? Hier werden auch unsere (Jegner Gelegenheit haben, zu unserem Verein Stellung zu nehmen. Jüdischer Sportverein Bar Koehba e. V. Leipzig. A null e Ii a r K 0 c h - ha Her! Am kommenden Bonnabend, dem 24. Oktober, -II.Ml l'hr. wird der Präsident des Makkabi-Wcltvcrhandcs. Herr Dr. Lolower, im Saal des Jugendheims, ElsterstraQe 7, ip einer öffentlichen Vorslandssitzung sprechen. Wir bitten alle Mitglieder des Lcipzgor Ilar Koch ha zu dieser Sitzung zu kommen. Der Präsident und Führer unserer Bewegung spricht zum erstenmal in unserem Leipziger Kreise. Kein Bar Kochhancr darf am Sonnabend im Jugendheim fehlen! S c h w i in m sbteilung: Unser Uebungsabcnd findet weiterhin jeden Dienstag von um 10.30 - 21 l'hr im Stadtbad. Kutritzsohcr Str., statt. Die Mitglieder werden hiermit aufmerksam gemacht, daß am Dienstag, den 27. Oktober l'Xll. 21.1.1 Uhr, also nach dem Schwimmen, im Heim, Elsterstraße 7, eine außerordentlich«- M i t(Hader versa m in 1 u n g unserer Abteilung stattfindet. Jedes Mitglied (aktiv, als auch passivi der Schwimtnnhtcihing Montag, den M. Oktober 1931, 30,30 Uhr spricht im Kaufmännischen Vereinshaus, Schulstraße 5 Herr Dr. Max Kreutzberger, Berlin ober das Thema: Di Wirtschaftslage der deutschen Juden und die Aussichten der jüdischen Jugend Diese Veranstaltung ist die erste in dem Zyklus der Vertraue, die im Laufe dieses Winters über die soziale und politische Lage der Judcnheit Behalten werden. Öffentliche Aussprach*I — Eintrittspreis für all« Vortrags KM 0.75 im Vorverkauf durch Mitglieder der Bünde und im Büro, Keilst ralte 4, KM O.K. Zionistisch« Vereinigung Leipzig National jüdische Arbeitsgemeinschaft