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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-10-09 · 41 (9.10.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
41 (9.10.1931)
Date
1931-10-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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' W 91 ßemetaö ebktt DER ISRAELITISCHEN REUGIONSGEM&INDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACHRICHTEHBLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! | Das Getnrlndeblatt ersdieint |eden Freitaft und wird den Mitgliedern der KellRlonsifenirlndc unentgeltlich durch die Pott zugestellt - Schrlflleltung: Gcmclnderabblner Gustav Cohn, Leipzig, LohratraBe 10 HUMMER41 / JAHR6AN6 7 FREITAG Q. OKTOBER 1011 Anzeigenverwaltung und Druck: Buohdruckerel August Pries, Leipzig, Bruderatr. 59 - Fernruf 70006 - Postscheck Leipzig 53920 - NadMrudk nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verlassera gestattet Dem (m samt vorstand* des Jüdischen FrauenDundes zum Gruß! Führende jüdische Frauen versammeln sich in diesen Tagen in Leipzig, um in Gedankenaustausch üher die Arheit der jüdischen Frauen in Deutschland zu treten. Ihre Beratung fällt in eine Zeit, die hei der Fülle der Schwierigkeiten ein hesonderes Maß an Zukunftsglauhen erfordert. Nur auf dem Vertrauen, daß es gelingen wird, die hohen Bestrebungen der jüdischen Frauen in eine bessere Zukunft hineinzuretten, beruht die innere Kraft zur weiteren Arbeit. Dieses Vertrauen hat den Jüdischen Frauenbund seit seiner Begründung (im Jahre 1904) zu so erfolgreichem Aufstieg und zu so mannigfachen segensreichen Einwirkungen auf das jüdische Leben befähigt: hat dazu geführt, daß die jüdische Frau für das jüdische Leben aktiviert, daß in ihr das soziale Verantwortungsbewußtsein gesteigert und das Interesse an jüdischem Geistes- und Kulturgut geweckt wurde. Noch zahlreiche Gemeindemitglieder haben die große Delegiertentagung in lebhafter Erinnerung, die der Jüdische Frauenbund 1913 in Leipzig veranstaltet hat. Der Zwang der Zeitumstände gebietet in diesem Jahre Beschränkung: an Stelle der ursprünglich geplanten Delegicrtentagung findet sich nur eine kleinere Zahl der in der großen Organisation führend tätigen Frauen zu einer Gesamtvorstandssitzung zusammen. Ernst« Probleme werden die Aussprache beherrschen: die für das innere jüdische Leben bedrohlichen Fragen der Berufsnot, die von außen her das jüdische Dasein immer stärker gefährdende Welle des Antisemitismus fordern auch von der jüdischen Frau stärkste Anteilnahme. Dem Ernst der Zeit entsprechend, trägt die Tagung rein sachlichen Charakter: anstatt einer offiziellen persönlichen Begrüßung sei daher an dieser Stelle dem Gesamt Vorst and des Jüdischen Frauenbundes unser herzlichstcrWillkornmensgruß dargebracht! Begeisterungsfälligkeit und Hingabe an hohe judische Ideale kennzeichnen den Weg der jüdischen Frauenbewegung; mögen sie auch von dieser Versammlung aus der Gesamtheit der jüdischen Frauen neuen Antrieb vermitteln. Vorstand der Rabbinat Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig Erinnerungen an Krzählun»cn eines Jugendfreundes. Von C h n j i in B I o e h. Karl Emil Franzos Besuch bei der Witwe des Dichters \nliitt zu diesen Erinnerungen gab mir das lliuseheiden des leisten gleichalterigen Spielgefährten des Dichters, dem ich einige reisende Erinnerungen aus seiner ersten Jugendselt rdanke. tri Kiml Frnii/.os halte vor einem halben Jahrhundert viel zum ihm der deutsehen Literatur beigetragen. Seine Studien absolvierte zuerst in Graz. Mehr als ein Jahrzehnt lebte er in Wien und holte Ii von hier auch seine Krau. Kr war mit allen zeitgenössischen 1 istern Oesterreichs durch innine Freundschaft verbunden. Aber er, r Jude aus dem Osten, hing am Deutschtum; so sog er nach Berlin, v er die Halbmonatsschrift „Deutsche Dichtung" begründete. Fransos < r et beschieden, die dunkle Welt des Ostens zu erschließen. Er I' I die slawisch-romanischen Länder gründlich gekannt und versl nd es. die dortigen Menschen meisterhaft zu schildern. Alle seine s Milderungen sind von einem tiefen Naturgefühl durchzogen. Er war ein geborener Epiker und in der Erfindung unerschöpflich. Ein Menschenalter, bevor das Wort aufkam, war Fransos, wie Eduard Engel einmal treffend bemerkte, einer der bodenwQchsigsten Vertreter der viel gerühmten llc imatkunst. Alle seine Krzähluugcu sind von einer tiefen, liebevollen Weisheit erfüllt und wurzeln in seiner Heimat. Nun verschied vor kurzem in Wien, hochbetagt, ein Spielgonosse des Dichters, der vormalige Gutsbesitzer Mose Sonnenschein. Sonnenschein, ein orthodoxer Jude, wurde gleich Fransos in C/.ortkow geboren und hatte kurze Zeit zusammen mit ihm den „('heder", die Ghettokinderschule, besucht. Eines Tages nahm Franzos' Vater, der „deutsche" Hezirksarzt, den Jungen inmitten des Halbjahres aus dem Cheder. Es ist interessant, dafi der Dichter in seiner Autobiographie den Besuch des Cheders in Abrede stellt. „Meine Mitschüler, nieine Spielgefährten, waren Christen. Ich betrat selten ein jüdisches Haus, nie eine Synagoge." Indessen dürfte Sonnenschein recht behalten; Franzos hatte den Cheder besucht. Denn woher hätte er spater, als

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