Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-10-02 · 40 (2.10.1931) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
40 (2.10.1931)
Date
1931-10-02
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4876568-5968779-5969271--4149-4878490
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 40 lleferang von Gerechtigkeit und Freiheit, jener Ueberlieterung, die er Frankreich« ein/ige Größe nennt, eine gleichlautende viel altere Ueberliefrrung lugrunde lag. „Wohl ist der .lüde berechtigt" — so ichreibt Leroy-Beaulleu in seinein erwähnten Werke —, „uns daran zu erinnern, wenn wir im Begriffe si-heinen. es zu vergessen: Mauersteine aus Palästina sind in lein Unterbau unserer neuen (iesellsehaft eingefügt . . . Her Gedanke der sozialen Gerechtigkeit ist ein israelitischer Gedanke . . . Das Reich der Gerechtigkeit auf Erden war Judai Traum . . . .Man muß, um dem Urquell von 1780 nachzuspüren, unter der Reformation, unter der Renaissance fortgraben; man muß Uber das klassische Altertum und das Evangeliuni hinaus bis auf die Bibel, die Thora und die Propheten zurückgehen. In diesem Sinne, dies ist richtig, .stammt das neue Zehngebot der Menschenrechte von den vom Sinai hergebrachten Gesetzestafeln ab und ist die Nacht des I. August ein fernes, unwillkürliches Echo vom Iloreb gewesen." Ein wahrheitsliebender Mann, der er war, hat Anatole Leroy-Beaulieu nie — wie viele andere christliche Gelehrte — in belüg auf das Judentun) aus allzu deutlich erkennbaren Gründen manche geschieht liehe Tatsache geleugnet oder gar das Gegenteil davon als historische Tatsuche ausgegeben. Den Edelmut seines Charakters bezeigt auch der Wahlspruch, der ihm zeitlebens als Leitstern vorangeleuchtet hat. Dieser Wahlspruch lautet: Caritas et Paxl Anatole Leroy-Ueaulieu. der Christ und Franzose, nennt diesen Wahlspruch christlich und französisch; aber wenn Priorität Eigentumsrecht verleiht, wird man ihn mit gutem Fug als jüdisch bezeichnen dürfen. Und so ist auch hierin eine Art 'geistiger Bindung zwischen diesem Judenfreund und dem jüdischen Geiste in der edelsten Form hergestellt. Unsere Gemeinde Bücher für jüdische Gefangene. Der vor einigen Wochen an dieser Stelle veröffentlichte Ruf an unsere Gemeindemitglieder, für die /.wecke der Gefängnisbücherei in den Gefangenenanstalten in Waldheim Bücher zu spenden, hat erfreulicherweise einen schönen Erfolg gehabt. Leider jedoch nicht ausreichend in dem Sinne, in dem er vorwiegend gemeint war: Es ist nur wenig an ausgesprochen jüdischer Literatur zur Verfügung gestellt worden. Ks wird deshalb nochmals darauf hingewiesen, daß besonders erwünscht sind literarisch gute B ü c h e r (auch ungebundene) mit a u s g e - s p r o c Ii e n j ü d i S C h e m Inhalt, vorzugsweise a u c Ii B (Ich e r in jiddischer Sprue Ii e, da ein Teil der Gefangenen des Deutschen in der Schrift nicht so mächtig ist, um deutsch gedruckte Bücher mit Qenofl lesen zu können. Es wird gebeten, freundliche spenden an Herrn Gemeinderabbiner Cohn, Löhrstraße 10 III. der die Seelsorge in den Anstalten in Waldheim ausübt, zu überweisen: auf telefonische Benachrichtigung (Tel. 29<>41) werden solche auch gern abgeholt Jüdi-elie llau>pflcireriiiiieii. Gerade in einer Zeit, in der viele Hausfrauen mit vermindertem liauspersonal oder ohne Angestellte arbeiten, ceigt sich bei einer Erkrankung, Reise oder sonstigen Behinderung der Hausfrau das dringende Bedürfnis nach einer zuverlässigen Vertretung. Der Jüdische Frauenbund Ortsgruppe Leipzig empfiehlt eine Anzahl durchaus bewährter, zuverlässiger Frauen, die solche Aushiltssteileu gegen freie Verpflegung und eine Tagesentschädigung von M. 3.50 ubernehmen. Sie sind auch als Krankenpflegerinnen in allen den Fällen zu empfehlen, in denen eine geprüfte Kraft nicht unbedingt erforderlich ist. Die Pflegerinnen können angefordert werden durch: 213 82 Israelitisches Gemeindeamt; 50468 Frau Schied; 12289 Frau Emmerich, flniSltTsritsndllltinit des JüdUrhen Frauenbundes am 11. und 12. Oktober in Leipzig. Mit Rücksicht auf die schwierige wirtschaftliche Lage ist die für den Herbst d. .1. geplante Delegiertentagung des Jüdischen Frauenbundes, die in Müiichen stattfinden sollte, abgesagt worden. Da sieh aber gerade unter den veränderten schwierigen Verhältnissen eine Aussprache wenigstens der führenden F'rauen als notwendig erweist, findet am 11. und 12. Oktober eine Gesamtvorstandssitzung in Leipzig statt. Der Zeit entsprechend wird dieser Tagung ein gam einfacher Rahmen gegeben. Ks wird von allen offiziellen Begrüßungsfeiern und geselligen Zusammenkünften abgesehen. Die zur Verfügung stehende, sehr knapp bemessene Zeit wird ausschließlich auf sachliche Erörterungen verwendet. — Tagesordnung: Sonntag nachmittags, in den Räumen des Hausfrauen Verbandes, Felixstr. Ii: Wort.' des Gedenkens an Frau Ernestine Bichelbacher S. A.. ferner: Aussprache über Bekämpfung des Antisemitismus, eingeleitet durch Frau Clara ('uro. Köln (geschlossene SitXUng). — Abends: Interne Aussprache über „Bekämpfung des Antisemitismus" unter Hinzuziehung von Vertreterinnen christlicher und interkonfessioneller Verbände. Leitung: Frau Brenner. (Geschlossene Sitzung.I - Montag, den 12. Oktober, vormittags: Ausspraehe Uber Bundesarbeit. (Geschlossene Sitzung.) — Nachmittags i m K a m m e r m ii s i k s a a 1 des C e n t r a 11 Ii e a t e r s: 3—5 Uhr Fragen der Gefihrdeten- und Erziehungsfürsorge. Einleitung: Fräulein Hau.iah Karminakl. Aussprache. Gaste herzlich willkommen. — 5 Uhr: Oeffentliche Veranstaltung. Aussprache über: „Wirtschaftskrise und Beruf." Einleitung Frau Gertrud Proehownik, Leiterin des Jüdischen Arbeitsnachweises, Berlin. Zu dieser Diskussion, an der alle führenden Frauen der jüdischen Frauenbewegunng teilnehmen, sind alle Mitglieder der Leipziger jüdischen Gemeinde herzlichst geladen. Amtliche Bekanntmachungen Genieindesitzung a m M o n t a g. 5. Oktober 1981, <> Uhr abends, im israelitischen G e in e i Ii d e a m t. Löhrstraße 10 I. Das israelitische Gemeindeamt. Tagesordnung: 1. Antrag auf Aenderung des Gemeindestatuts, betreffend Verschiebung der Wahl und Verlängerung der Amtsdauer der Gemeinde Vertreter um 1 Jahr. Bei Ablehnung des vorstellenden Antrages: a) Wahl des Wahlausschusses, b) Antrag der Vereinigten demokratisch - orthodoxen Partei aul Aenderung des Wahlrechtes. 2. Verschiedenes. Anschließend: Nichtöffentliche Sitzung. Wegen des zu erwartenden Andranges und des beschränkten Raumeist der Kiiitritt für Zuhörer nur gegen Einlaßkarten gestattet Diese werden am Montag. ">. Oktober, in der Zeit von 9—1 Uhr nacl MaUgahe des verfügbaren Platzes nur an jeden einzelne: Besucher persönlich ausgegeben. Da die Haustür des Ge meindehauses um S Uhr abends geschlossen wird, werden später kon inende Besucher gebeten, stark zu klingeln, worauf ihnen geöffnet wir« Barm izwa-Vorbereitung. Zur Barmizwa-Vorbereitung werden seitens der Gemeinde unen geltlich besondere Lehrgänge abgehalten. Für die in der Zeit vo> 1. April 1919 bis 30. Juni 1919 geborenen Knaben tieginnt der Leli gang am 1. Oktober 1931. Nur wer daran teilgenommen hat, wird a Itarmizwa in der Gemeindesynagoge zugelassen. Anmeldungen Iiis 30. September 1931 im Geineindear. i, Löh Straße 101. Von der Teilnahme können auf Antrag der Eltern solche Knab. i befreit werden, welche bereits ihren Religionsunterricht privat dur i einen von der Gemeinde angestellten Lehrer erhalten. Auch die i Kinder sind zur angegebenen Zeit zu melden. Leipzig, den 24. August 1931. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Im Anschluß an den Unterricht in unserer Religionsschule II ' ein Barinizwa-Vorbereitungsunterricht eingerichtet worden. In dies, i Unterricht sollen vor allem das Erlernen der Tonzeichen (Neginoth) I r die Thora- und Prophetenvorlesung geübt und die praktisch-religiös i Vorschriften (T'fillin. Zizzith usw.) behandelt werden. Der nächste Lehrgang beginnt im Oktober d. .1. im Gebäude d r Höheren israelitischen Schule, Gustav-Adolf-Straße 7, und ist für K; i ben bestimmt, die in der Zeit von Anfang April n. J. bis Ende 8« tember n. J. Barmizwa werden; die Teilnahme daran ist kosten' -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.