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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-09-25 · 39 (25.9.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
39 (25.9.1931)
Date
1931-09-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Ml (Bemcinö eblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSOfrMtlN DE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! Das Gemelndeblatt erscheint leden Freitag und wird den Mitgliedern der Kellglnnsgrmclnde uncntgcltlith durch die Poat lugesteüt - Schriftleitung: Gemeinderabbiner Gustav Cohn, Lelpilg, Löhrst ratio 10 NUMMER*9 / JAHR6AN6 7 FREITAC 25» SEPTEMBER 1011 Anzeigenverwaltung und Druck: Buchdruckerei Augu»t Pries, Lelpilg, BrOdentr. St - Fernruf 70006 - Postscheck Lelpilg 53820 - Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Zum Sukkoth-Feste Die biblische Vorschrift (8JM&28,42) aVT n»a» latMl rooa. In Hütten sollt Ihr wohnen sieben Tage, wird im Talmud wie im Midrnsrh in verschiedenartigster Weise gedeutet; einen breiten Raum in diesen Deutungen nehmen jene ein, die das Wohnen in den Hütten mit der Lebensreise des Menschen vergleichen. Das Hflttenfesl mit seiner Uebersiedlung von der Wohnung in die ungastliche Hütte gilt als eine Erinnerung an die 40jährige Wanderung unserer Väter in der Wüste, soll aher auch jedem einzelnen der späteren Geschlechter ein Bild des eigenen Lehens und seiner Mühen vergegenwärtigen. Wenn unsere Ahnen die warme Wohnung verlassen und ihren Wohnsitz, für sieben Tage in die zugige Laubhütte verlegen mufiteii. so drängte sich ihnen der Vergleich auf. daU das Leben des Menschen eine Reise, der Mensch selbst Kremdling auf Erden sei. Die abgeschlossen hinter dem Menschen liegenden Lebensjahre erschienen wie eine zurückgelegte Teilstrecke der von (Sott dem Menschen vorgeschriebenen irdischen Wanderung: Sabbate und Festtage betrachteten sie als ltuhe|iunkte auf dieser Lebensreise. Kaum hatten sie Neujahrsfest und Versöhnungstag. an denen sie von der Heise ausruhen und über den zurückgelegten Weg sich Rechenschaft ablegen konnten, hinter sich gelassen, so muliten sie schon wieder zum Wanderstahe greifen, um dann mit dein Verweilen in der kalten, nassen Laubhütte zu dokumentieren, da Ii sie den weiteren Lebensweg mit Vertrauen auf Qotl fortsetzen wollten, bis sie das ihnen vom Allmächtigen vorgesteckte Ziel erreicht und die ewige Ruhe Verdient haben würden. Doch nicht nur ein Bild des zeitlich beschränkten und flüchtigen Krdeudaseins, sondern auch ein solches des ewigen und unvergänglichen Lebens fand man in der Laubhütte veranschaulicht. Schon die Kürze, die Nichtigkeit und Hinfälligkeit des Krdenlebens gibt die Hoffnung und das Recht auf ein wertvolleres Leben. So erblickte man in der LaubhOtte auch ein Symbol der Unsterblichkeit und des ewigen Friedens unter den Völkern, w ie dies ja auch im täglichen Abendgebet angedeutet wlrd:'wiVW rO0 vV» BTtDI und breite über uns die Hütte deines Friedens! Durch diese Bilder für das kurze, dornenvolle Diesseits wie für das ewige, sorglose Jenseits wurde bewirkt, datl unsere Minen lernten, die Licht- und Schattenseiten des irdischen Lebens gegeneinander abzuwägen, und dadurch stets rechtes Mali im Qenufi und in den Freuden des irdischen Lebens suchten und fanden. Das feiertägliche und festliche Gepräge der Sukkoth-Tage wird als ein Hinweis auf die Stimmung empfunden, mit der der Mensch die Reise lurch das Leben erfüllen soll: Freudigen Hertens soll er diesen Weg .lehen, da das irdische Leben ja doch den Vorhof für das göttliche Leben darstellt. Darum müssen besonder! freudig die Ruhepunkte die Sabbate und Pasttage - begangen werden. Darum die vorgeschriebene Devise: "|ina nnoftn Freue Dich an Deinem F'este. Aber — wird man einwenden — kann mein Freude gebieten? Ist sie nicht ein Produkt der durch äuliere oder innere Umstände hervorgerufenen Seelenstimmung'? Kann sich jemand freuen, der in unglücklichen Lebensverhältnissen steht, und dessen Stirne von Sorgen umwölkt ist? Kann sich ganz Israel in einer und derselben Zeit freuen? Kann es sich freuen, da unserer Gegner immer mehr werden und ihr Ruf V? DQSnni Man nur darauf ausgeht, uns tu vernichten und auszurotten? — Trotzdem hat die Religion ein Recht, uns Freude zu gebieten und zu verlangen, daß wir uns, und sei es auch nur für kurze Zeit, freimachen von den kleinlichen, aufreibenden Sorgen des Alltags und gemeinsam mit dem ganzen jüdischen Volke Treue zu (iott und seiner Lehre geloben, die uns die Möglichkeit gegeben hat, uns bis jetzt unserer Feinde zu erwehren. Ein Recht hat unsere Lehre, uns Freude zu gebieten, weil sie ja eine Lehre der Lehenshejahungeu (D'Via'mnai) und nicht der Askese ist. Wie wollte ein Volk, das so schwer leidet, den ständigen Kampf mit seinen inneren und äulieren Feinden führen, wenn es selber den Mut und die Lebenslust verliert! Ein Leben ohne wahre Freude ist kein Leben und kann keine Frücht'' bringen. Die Lebensfreude ist wie die Sonne, die die Lebenskräfte weckt und die Steine aus dem Lebenswege hinwegräumt. Unsere Freude darf aber nicht sein wie die der anderen, eine F'reude. in der der eine schwelgt, ohne daran zu denken, dali andere in Kummer und Sorge sich verzehren. Deshalb lehrt die Thora: „Freue Dich an Deinem F'este. Du und Dein Sohn und Deine Tochter. Dein Knecht und Deine Magd, der Levite und der Fremdling, die Waise und die Witwe, die in Deinen Toren sind", (übt es eine erhabenere F'reude als die, andere zu erfreuen und zu beglücken! So arm ist keiner, und auch der ärmste Bettler nicht, dali er nicht andere erfreuen und beglücken könnte. Fehlt es ihm an der (iahe für den, der noch unglücklicher ist als er. ein Wort des Trostes, ein Zeichen der Liebe und des Wohlwollens kam; auch er finden, um seinen Nächsten in seinem bitteren Lose aufzurichten. Darum fordert das F"esl:^T fUnOS BPH Jeder nach dem Matte dessen. \v:;s der Allmächtige ihm gewährt hat. soll Freude spenden und selber daran teilhaben. Vergrab dich am Laubhüttenfest nicht in deinem Schmerze, traure nicht deinem verschwundenen Glücke nach. Gib dich nicht der Bitterkeit deiner F>- Innerungen hin, sondern freue dich, und freue dich mit dem anderen. Und kannst du dir selber kein (ilück verschaffen und keine Freude finden, nimm teil au dem Glucke deines Nächsten und versuche, auch seine Sorgen zu erleichtern, seine Tränen zu trocknen, seine Schmerzen zu lindern: dann wird auch bei dir Freude und Frohsinn einziehen und die Wunden deines Herzens werde«, wenn auch langsam, ihre Heilung finden. Alex a n d e r H a b a d . Leipzig. •HahIiI am iiiA Anmnnl Vergeßt nicht für die Krisenhilfe einen monat- — linnin Sin lO QPmHl liehen Beitraa zu zeichnen. Einzahluna auf das Ä UUlllH Uli Ulli Hl Hilf II £ Konto Krisenhilfe beim Bankhaus Kroch erb.

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