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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-09-04 · 36 (4.9.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
36 (4.9.1931)
Date
1931-09-04
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIQ Nummer 3(1 Seine Ueberreste nllten aaoh den Gebriuehen seiner Religion beerdig! werden. Als Univertalerbin setzte er seine Mutter Zerline verw. Simon geb. Wallach ein. Von der getarnten Erbschaft aber gingen (olgende Legate ab: 1.5000 Taler an Herta Simon, seines verstorbenen Bruders Tochter, •j. :>(hh) Taler an Gustav Simon, seines verstorbenen Bruders Sohn, 8, KHK) Taler an Ernst Simon, seinen Bruder. I. KKMI Taler an Ferdinand Simon, seinen Bruder, ."). KKMI Taler an Max Lilie, einen Angestellten .seines Hauses aus Dankbarkeit tür seine Tätigkeit und ti. «IHK) Taler zur Unterstützung jüdischer Handwerker. Die letztere Stiftung sollte dazu beitragen, seine Glaubensgenossen ..von dem entehrenden Schacher zu entfernen", auch sollten aus den Mitteln dieser Stiftung jüdische Handwerksmeister unterstützt werden, wenn sie sich selbständig machten. Zum Exekutor bestimmte der Ventorbene seinen Bruder sowie den Bankier Alexander Mendelssohn, den Mitinhaber der Berliner Handlung Mendelssohn & Co. Sowie nämlich letzterer „in Erfahrung gebracht, daß ein Jude Meister werden konnte, sollte er ihm von dem Kapital 2—IKK) Taler auszahlen. Die Verteilung lag ganz in der Hand Mendelssohns. Zerline Simon, die Mutter des Entschlafenen, verzichtete am 10. Februar IN-.'!) auf die Erbschaft ihres Sohnes zugunsten ihrer jüngsten Kinder, Ernst Simon, Friedericke verehelichte Meyer (5) geb. Simon und Ferdinand Simon. l. An der Pleifle Nr. :t, splter Dittrtchring Nr. IS. 2. Leipsiger Ratsarchiv, Titel LI/86«, — :t. Lelpaiger Ratsarchiv, Titel Ll'Wa. - ■I. Leipsiger Ratsarchiv, .Titel LX11 S. 72. .1. Die Krim des Rankien Alexis Meyer, des Almen des noch heute bestehenden Leipsiger Bankhauses Meyer Ä: Oo. Jetzt ist Gelegenheit sich die Ausübung des Wahlrechtes zu sichern. Wählen kann nur derjenige, der in die Wählerliste eingetragen ist. Darum nehmt Einsicht in die Wählerliste! Näheres hierüber besagt die amtl. Bekanntmachung auf der erstenSeite dieser Nummer. Wer nicht in der Wählerliste steht und nicht die Aufnahme seines Namens während der Auslegungsfrist beantragt, geht seines Wahlrechts verlustig. Nach Ablauf der Auslegungsfrist kann niemand mehr in die Wählerliste aufgenommen werden. Rabbinische Anekdoten Berichtet von Ignatz Lauter. (Von meinem Großvater, Rabbiner in Bustyahaza. Ungarn.) Dieser Rabbiner unterstützte heimlich einen arm gewordenen Mann. Schlielilich erfuhren es doch manche Leute. Eines Tages kam ein Neider zum genannten Itahhiner und teilte ihm mit. dafi der Empfänger Zigarren rauche und Wein trinke, was doch auf Kosten der Familie geschehe. — „Ich danke dir schön", sagte der Rabbiner. ..Ich wulSte nämlich gur nichts davon." Von da ab erhielt der Empfänger 2 dulden wöchentlich mehr. -- Später wurde der in Not Geratene wieder sehr reich und tat viel (iutes. „Siehst du", sagte der Itahhiner zum Neider, „mein QeW habe ich gut angelegt: er hat mir bereits viel mehr gegeben, als er von mir empfangen hatte!" Ein Mann kam zum Rabbiner und bat ihn. ihn doch zu segnen. „Gehe zu meiner Frau", erwiderte der Rabbi, „sie kann das viel besser." Auf die Frage, seit wann und warum die F'rau des Rabbi inangebender wäre, antwortete er folgendes: „Wenn ein armer Mann zu mir kommt, so gebe ich ihm nur Geld und er muU sich erst etwas dafür kaufen: meine Frau hingegen reicht den Annen stets gleich (ienieUbares. und weiter: Ich habe einst einen Abtrünnigen verflucht. Meine ''"rau hingegen betete zu Gott, dafi dieser sich bessern sollte. Deshalb ist meine Frau mattgebender als ich." In einem Dorfe lebte einst ein sehr wohlhabender Landwirt und Viehhändler, der wenig gebildet war. Aus Langeweile und zum Zeitvertreiben lietl dieser öfters den im nächsten Dorfe wohnenden armen 1 ehrer zu sich kommen. Kr streckte sich auf den Diwan und liett sich vom Lehrer (ieschichten erzählen, worüber sich alle freuten und lachten. Dafür erhielt der Lehrer jeweils Geschenke von 5—8 Mark. Eines Tilge« tiestellte der Landwirt den Lehrer wiederum zu sich, worüber sich die Lehrersfamilie freute, weil es ja einige Mark einbringen würde. Als der Lehrer zur bestellten Zeit ankam, sprang ihm ein Kind entgegen und sagte: „Mein Vater ist verreiBt. Sie können weitet gehen." Der Lehrer achtete wenig darauf und ging ins Haus. Bei sei nein Erseht inen schnitt die gnädige Frau ihr saures Gesicht und sagte „Guten Tag. Herr Lehrer! Bitte, treten Sie nur näher, nehmen Si' einen Augenblick Platt, ich komme sofort." — „Danke schön, gnädig' Frau," antwortete der Lehrer und liett sich nieder. Nach mehr als einer halben Stunde kam die Frau zurück uie1 sagte: „Sie möchten doch natürlich meinen Mann sprechen? da, e ist heute früh verreist nach Karlsbad. Kein Wunder! Kr ist Iniine und immer in Anspruch genommen, und es tut meinem Manne gut wenn er einmal ausspannt. Also ein andermal, Herr Lehrer! Nirh wahr? Damit Sie sich aber nicht umsonst bemüht haben," fuhr si fort. — — und drückte man hat. hat man! — . schon gut. Der Mensch holung tut Ihrem Manne rer und sagte: „Gnädige dem Lehrer 25 Pfennige in die Hand: wa .Danke schön." erwiderte der Lehrer, „es Ii uiutt freilich mal entspannen, und eine Fj sehr gut." Da plötzlich erhob sich der Lei Frau! Wer weint denn hier so?" Die Frat ganz erschrocken: „Was? Jemand weint?" — Lehrer: „Ja, es weit und jammert jemand hier!" Frau und Lehrer gingen zusammen von dem einen Salon zu zweiten, von einem Zimmer zum andern, fanden aber nichts. ...I jemand weint hier", sagte der Lehrer. — Schliettlich gelangten sie i ein kleines, dunkles Kämmerlein, das ganz hinten lag. Dort hing e Beutel, und darin befand sich ... der Tales. „Warum weinst du, Tales?" fragte der Lehrer.....Ich habe du jeden (irund dazu", antwortete der Tales: „Siehe! Mein Herr ist na Wien, Karlsbad, Budapest usw . gereist, ach w ie gerne hätte ich mir 'I alles angesehen! Kr hat alles mitgenommen: Kleider, Hüte, Wisch Anzüge, Sekt. Dienerschaft und Pferde zum Beilen, aber ausgerei net mich hat ei liier gelassen!" Lehrer: „Beruhige dich. Tales, und weine nicht. V.s kommt whon mal die Zeit, «infi dein Herr eine Reise unternehmen wird, zu d er nur dich allein mitnehmen wird!"

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