Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 35 (28.8.1931)
- Date
- 1931-08-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/4876568-5968779-5969266--4101-4878447- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
\\ «V Z / (Bemcitiöcblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! Das Gemeindeblatt erscheint |eden Freitag und wird den Mitgliedern der Krllgionsgemeindr unentgeltlich durdi die Pott zugestellt - Schrlitleltung: Gemeinden! bhlner Gustav Cohn, Leipzig, LohrstraBc 10 NUMMER IS / JAHR6AN6 7 FREITAG 28» AUCUST 1©*1 Anzeigenverwaltung und Druck: Iludulruckerel August Pries, Leipzig, Bruderstr. 59 - Kernruf 70006 - Postscheck Leipzig S3920 - Nadidruox nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Die Regelung des Meß- und Marktwesens durch die Juden Von K. Hrilling in Breslau. Ein Hauptnahrungssweig der aschkenasischen, in Polen und Litauen, Böhmen und Mähren konaentrierten Judenheit war der Markthandel, «las Kaufen und Verkaufen von Waren an bestimmten, meist kirchlichen, Feiertagen. Iii vielen Ländern, in denen den Juden der Aufenthalt und der Handel sonst völlig verboten war (wie B. in Schlesien und Sachsen vom 16. bis 17. Jahrhundert), war den .luden nur der Handel an einigen bestimmten Jahrmärkten und sonstigen Märkten erlaubt. Auf den Märkten erschienen die Juden aber nicht — wie es dem einfachen Beobachter von heule erscheinen man — als einzelne Individuen. di<> jetles korporativen Zusammenhanges und jeder rechtlichen Ordnung untereinander entbehrten. Ebenso wie die deutschen Kaufleute des frühen Mittelalters in ..Mausen", d. b. in durch eine gewisse Verfassung susammengehaltenen Kaufmaninkorporationen auf den Märkten erschienen, die unter ihrem „Hanseführer" standen und ein eigenes Qenossenschaftsgerichl besaßen, die die Waffen der Handelssperre und der VerrufserkUrung gegen Fremde und Mitglieder der eigenen Hause anwandten, so erschienen die Jüdischen K a u f in a n Ii s k o r |i o r a t i o Ii e Ii auf den Messen und Jahrmärkten von Polen, Litauen. Böhmen, Mähren und Deutschland. Die Judenschaften der polnisch-litauischen und der böhmischllläbrischen Länder waren in den Waadim dieser Länder (für Litauen hu: Waad mediiiath Lila, für l'olen im Waad arba arasoth, für Höhinen im Waad mediiiath Böhmen und für Mähren im Waad medinatli Mähren) gleichsam wie in Staaten mit eigener Verfassung organisiert. Kür ihre Mitglieder, die zwangsweise alle jüdischen Bewohner ihres Landes sein muLiten. waren sie die höchste politische und juristische Instanz. Sie sprachen für sie Kerbt, sie intervenierten für sie. und sie unterstützten ihre Mitglieder auch im Lrwerbswesen. das sio durchgängig zu regeln versuchten. Das Markt wesen und das Markt recht wurde gleichfalls von ihnen geregelt. Die zu einer Judenscbaft gehörenden .luden, die eine Messe besuchten, unterstanden den Marktvorstehern ..rarnasse ha-jerid". die von ihrer Körperschaft delegiert und gewählt waren. Diese Vorsteher hatten (ähnlich den „Hanseführern" des Mittelalters) für den Schutz der auf den Märkten anwesenden Juden zu sorgen, die gesamten Einnahmen und Ausgaben der Messe zu veranschlagen, und die Ausgaben auf die einzelnen jüdischen Marktbesucher Umsulegen. Sie hatten ferner für die richtige Abwicklung des Meßwesens zu sorgen, wie s. B. für die richtige Aufstellung der Verkaufsbuden. Den Marktvorstehern unterstand ein Marktdiener (genannt Schamasch. d. h. Diener, der aber mit dem sonst „Schamasch" benannten Funktionär der .ludenschaften nichts als den Namen gemein hat). Dieser Marktdiener hatte ihnen Rechenschaft abtulegen; sie bezahlten auch die von ihm im Interesse der jüdischen Marktbesucher gemachten Ausgaben. Die jüdischen Marktvorsteher waren berechtigt, die sich vereinzelt _ Ue rjrööle S und älteste deulschlands Neuheiten: Kleider- und Mantelstoffe sowie moderne Herrenstoffe sind eingetroffen