Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 34 (21.8.1931)
- Date
- 1931-08-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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8. 31. tarttiö eblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! Da« Gcmrlnrieblalt erscheint Icdrn Krrltag und wird den Mitgliedern der KrlliilmiaKi'mt-lntlr unentgeltlich durdi die Pott lugcstcllt - Schrlltleltung: Gemelndcrabblner Gustav Cohn, Leipzig, LohrstraSc 10 NUMMER 14 / JAHRGANG 7 FREITAG 21» AUGUST 1011 Anzelgenverwaltuna und Druck: Budidrudterel August Pries, Leipzig, BrOderstr. 58 - Fernruf 70008 - Postscheck Leipzig 53880 - Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Notstandsmaßnahme! Gleich vielen anderen Gemeindeblättern sehen auch wir uns genötigt, den bestehenden Verhältnissen durch eine Kürzung im Umfange unseres Gemeindeblattes Rechnung zu tragen, indem wir für kurze Zeit den farbigen Umschlag fortfallen lassen. Wir hoffen, daß diese Maßnahme nur ganz vorübergehend erforderlich ist, und daß unsere Leser das Gemeindeblatt recht bald wieder in der ihnen vertraut gewordenen Form erhalten werden. Leipzig, den 19. August 1931. Die Schriftleitung. Der Ursprung der freiherrlichen Familie Königswarter Von C h u Ji in Bloc h. Dom Europäer ist das im nordwestlichen Teile der heutigen Tschecboalowakei, um Südhange des Tepler Mittelgebirges liegende Königs wart wegen seiner Heilquellen bekannt, noch mehr aber des berühmten Museums und der riesigen Bibliothek wegen, angelegt von dem grotten österreichischen Kanzler. Fürsten Metternich. Das Judentum hingegen ist mit diesem herrlichen Orte durch starke geschichtliche Fäden verbunden, denn dort blühte einst unter dem Schulze der Kiirsten Metternich eine der glücklichsten jüdischen Gemeinden. Als ich vor einigen Wochen die Anzeige von dein Tode des B a r o 11 8 Heinrich K ö 11 i g s w aller in den Blättern las, erinnerte ich mich meines Besuchet in Köuigswart im Jahre 102K und der Besichtigung der dort erhalten gebliebenen, lür die Kulturgeschichte der .luden ungemein wichtigen Sehenswürdigkeiten. Dieser Judengemeinde verdankt die österreichische freiberrliche Familie Königswarter ihren Namen, und sie ist auch der Ursprung ihres Ahnherrn, des von Köuigswart nach Fürth gezogenen K. Joel. Später kam •ines seiner Enkelkinder, Jonas Königswarter, nach Wien. Kr stand lahrsehnte hindurch an der Spitze der Gemeinde und ist auch Begründer des BlindeninsUtutef auf der Hohen Warte. Sein Sohn Moritz var durch eine Reibe von Jahren Präsident der Israelitischen Allianz md spielte bis zu seinen Abiehen eine bedeutende Bolle innerhalb les Wiener Judentums. Köuigswart war einst, als ein Verbindungspunkl Bayerns mit ''rag und Wien, eine blühende Handelsstadt, und den .luden, die zum Aufschwung des Handels bedeutend beigetragen halten, ging es dort mtei dem Schutze des Fürsten Metternich gut. Ks ist mit Sicherheit nid urkundlich erwiesen, dal! schon Anfang des 14. Jahrhunderts in (inigswart eine ansehnliche Judengemeinde bestanden bat. Um das ahf 14*M) zählte die Gemeinde 180 jüdische Familien. Von den verschiedenen Austreibungen und sonstigen Verfolgungen ihrer Stammesbrüder aus dein nahen Eger wurden die Königswarter Juden, da die christliche Bevölkerung mit ihnen in bester Kintracht lebte, verschont. Die aus Eger geflüchteten Juden wurden, wie aus den im Archiv der Sladt Eger befindlichen zeitgenössischen Dokumenten zu ersehen ist, von den Juden in Königswart brüderlich aufgenommen. Langsam aller sicher frati die Zeit auch diese blühende jüdische Siedlung beinahe völlig auf. Durch verschiedene Umstände ging in Köuigswart der Handel nieder, und die Juden, die vornehmlich auf Handel und Industrie eingestellt waren, verloren ihre Lebeiismöglichkeit, so datt einer nach dem andern das Weite suchen muUte. Gegenwärtig zählt die jüdische Gemeinde in Köuigswart nur noch vier Familien, und es ist geradem rührend, mit welcher Liebe und Anhänglichkeit. Zähigkeit und Ausdauer diese paar zurückgebliebenen Juden die alten Denkmäler ihrer Gemeinde behüten und betreuen; die Vernachlässigungen haben wohl ihre Väter verschuldet. Mein erster Besuch galt der Synagoge. Der Weg zu ihr führt durch alte Häuser, an denen man Spuren der alten .ludeiistadt. ein eigentliches Ghetto hatte Kölligs wart nie, zu erkennen glaubt. Das (lotteshaus selbst ist ein mächtiges Bauwerk und hat etwas Festungsartiges an sich. Vor dem Tor warteten etwa fünfzehn Personen, die zur Besichtigung erschienen sind. Der Habbiner. ein Zögling des Budapester Landeslehrerseminars, geleitete uns in das Innere des Heiligtums, um uns die alten Sehenswürdigkeiten zu zeigen. Eigentlich ist das heute die Hauptaufgabe des dortigen Rabbiners! (Jeher die Geschichte dieses Gotteshauses lättt sich Positives nicht erfahren. Von dem alten, bei Gründung der Gemeinde angelegten „Pinkas" (Erinnerongsbuch), aus welchem das genaue Alter der Synagoge ersehen werden könnte, ist keine Spur mehr. Aber der