Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 33 (14.8.1931)
- Date
- 1931-08-14
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ßemeitiöcMatt DER ISRAELITISCHEN REUGIONSGEM&INDE ZV LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! Du GcmeindebUtt rrsdiclnt jeden Freitag und wird den Mitgliedern der Religioniseiaeuide unentgeltlich durch die Port ragest eilt - Schrlltlcltung: Gemelnderabblner Gustav Cohn, Leipzig, Lohrstraße 10 NUMMER tl / JAHRGANG 7 FREITA« 14* AUGUST 1011 Anzeigen Verwaltung und Drude: Buchdrudtcrel August Pries. Leipzig, BrOderatr. 50 - lernruf 70006 - Post- Kherk Leipzig 53020 — Nadidrudc nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassen gestaltet An unsere Gemeindemitgliederl Die allgemein« Net greift erbarmungslos immer weiter um sich. Mehr als alle anderen werden von ihr die Juden betroffen. Sie stehen in ihrer großen Mehrheit im Wirtschaftsleben und sind deshalb den Folgen einer so furchtbaren Wirtschaftskrise stärker ausgesetzt. Tausende schreien nach Hüffe, um vor der äußersten Not geschützt zu werden. Auch viele unserer Gemeindemitglieder leben in schwerer Bedrängnis und die Sorge des nächsten Tages zermürbt sie. Und größer als in allen anderen Gemeinden ist — der Zusammensetzung der Bevölkerung entsprechend — in Leipzig das Elend. Ein paar Fälle eigener Beobachtung hiesiger Verhältnisse sprechen eine erschütternde Sprache: 1. Eine Familie (4 Personen) bekommt von der öffentlichen Fürsorge M. 15.— Unterstützung. Miete, Licht und Heizung zum Kochen sind davon zu bestreiten. Was bleibt für Essen und Trinken? 2. Eine Frau mit Kind erhält M. 9.— Unterstützung. Sie zahlt M. 5.— Miete, bleibt M. 4. — für 2 Personen zum Leben die Woche. 3. Eine Familie (5 Personen) bekommt M. 25.25 Fürsorge-Unterstützung. Nach Abzug von Miete, Licht, Heizung verbleiben der Familie M. 15.— für 5 Personen. Die Kinder stehen im Alter von 3 bis 8 Jahren; schwere Erkrankung ist zu befürchten. 4. Ein Mann mit Kind erhält M. 10.— pro Woche von der Unterstützungskasse, ca. M. 40.— pro Monat. Für Miete zahlt er M. 20.—, also bleiben ihm für sich und sein Kind für Essen und Trinken, Licht, Wäsche usw. M. 5.— pro Woche. Xhnlich geht es Hunderten. Noch schlimmer sind aber die vielen daran, welche als Ausländer Uberhaupt keine Unterstützung erhalten, da die Gemeinde keine Mittel hat und die Stadt Ausländern auf die Dauer nicht hilft. Wieviel verschämte Notleidende aber gibt es außerdem noch, die bisher öffentliche Hilfe in Anspruch zu nehmen sich scheuten, es aber unter dem Drucke der Zeit jetzt tun müssen? Wer könnte dem natürlichen Drange seines Herzens sich verschließen und möchte nicht spontan helfen? Deshalb richten wir an alle Gemeindemitglieder den dringenden Appell: Helten Sie uns! Geben Sie uns einen monatlichen Beitrag! Doppelt gibt* wer schnell gibt! Wir brauchen, nur um die dringendste Not abzustellen, mindestens \\. 3000.— monatlich. Die Gemeinde ist nicht in der Lage, mit ihren knappen Mitteln einzuspringen. Deshalb muß jeder, dem es noch einigermaßen gut geht, beitragen, damit die Ärmsten der Armen vor dem drohenden Untergang bewahrt bleiben. [. Denken Sie vor allem an die Kinder, die an Körper und Geist schweren Schaden nehmen! Der Ausschuß für Krisenhilfe S. Gottlieb S. Hodes Julius Lustig Rudolf Schick Moritz Ury Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde bittet gleichfalls um Ihre Hilfe. [ Geldspenden erbitten wir an das Bankhaus Kroch jr., Leipzig, Augustiisplatz, auf das Konto Krisen hi I f e.