Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 30 (24.7.1931)
- Date
- 1931-07-24
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGFMEINDE ZU LEIPZIG Nummer HO Religionsunterricht und Lebenskunde in Privatschulen. In Ergänzung meines Artikels in der vorteilten Nummer Uber „Lebenskunde" weise leb auf folgendes hin: Die Leimiger Privatscbulen sind :iH«> technisch als konfessionelle (evangelische) Schuh« zu betrachten. An ihnen wird „Lebenskunde" nicht unterrichtet, l>a aber jeder Schüler entweder Unterricht In der Religion oder der Lebenskunde nachzuweisen hat. müssen Besucher der Privatschulen unbedingt am Religionsunterricht teilnehmen. Wenn sie das nicht wollen, müssen sie die Schule verhissen und auf eine andere Anstalt gehen, die ..Lehenskunde" in ihrem Lehrplan hat. Aul eine an den Rai der Stadt in dieser Angelegenheil gerichtete Antrage erfolgte am 0. Juli der nachstehende Hescheld: „Da als Ersatz des Religionsunterrichts kein anderer Unterricht als ein sonstiger gesinnungsbildender aufgezwungen werden kann, andererseits die Erfüllung der l'nterrichtsstundenzahl gefordert werden mufi, so läl.tt sich der von Ihnen vorgetragenen Schwierigkeit nur so begegnen, dafi das Kind doch einen jüdischen Religionsunterricht nachweist. Andernfalls mfifite es eine Schule aufsuchen, die .Lelienskundelehrt." Das liezirksschulanil Leipzig I B. Der Hat der Stadt Leipzig. Der Bezirksschulrat. Unterschrift. Unterschrift. Auf vielfache Anfragen aus den Kreisen der Eltern von Privatschülern bringe ich diese Entscheidung zur Kenntnis. Ks liegt hier ein Kall vor. in welchem nur die Wahl zwischen der Teilnahme am Religionsunterricht oder dein Verlassen der Schule gegeben ist. Dr. P. G. Amtliche Bekanntmachungen Ausgabe der Synarzofcenkarten. Die Erneuerung der Synagogenkarten findet vom 20. Juli bis 7. August d. J. im Gemeindeamt. LöhrstralJe 10 1. statt Karten, die nicht rechtzeitig abgeholt sind, werden anderweil vergeben. Wegen Zuteilung verfügbarer Plätze erfolgt später persönliche Benachrichtigung. Leipzig, den 8. Juli 1981. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. MefltgelseMehten. Es befiehl begründeter Verdacht, dafi zum Schichten bestimmtes Geflügel nicht rituell geschlachtet wird. Die Hausfrauen müssen deshalb darauf achten, dafi das Geflügel das Schlchtsiegel der Gemeinde trägt. Nur in diesem Fall trägt das Rabbinal die Verantwortung für das Kaschrus. Leipzig, den Ib. Juli 1981. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Sprechstunde des Geineiiideraltliiner Dr. (»oldmann. Während des Monats Juli ist Gemeinderabbiner Dr. Goldmaun nur in der Lage, einmal in der Woche allgemeine Sprechstunde abzuhalten, und zwar am Freitag von 0-11'/, Uli r. In besonderen und dringenden Angelegenheiten kann eine andere Zeit telephonisch verabredet werden. Das israelitische Gemeindeamt Aus dem Gemeindeamt Personenstandsnaehrithten Gebu rte n 30. Juni 1931 Chaim Salomo Silberberg und Bruchs Klima geb. Ziehmka. Dieskaustr. N. eine Tochter ..Klfriede Klara". 6. Juli 1981 Abraham David Frysser und Krim geb. Schlanger, Karl- Rothe-Str. 15, eine Tochter ..Hutll". T.Juli 1981 Leo Gehr und Zyrla geb. Ssnieer, Mariannenstr. 13, einen Sohn ..Heinz Gustav". T 0 d e s f ä 11 e Wt. Juli 1981 Markus Chi] Meyer Srodek, Pfaftendorfer Str. 62. 11. Juli 1981 Primel Sefiler, Yorkatr. 9. 18. Juli 1981 Lina Cohn. Löhrstr. 20. Vereinsnachrichten Fragen und Mittel zur Erziehung in den religiösen Jugendbünden. Von Sohelomo Stockha m m e r. Während andere Bünde in ihrer Propaganda sich keine Hemmungen aufzuerlegen brauchen, befinden sich die religiösen Jugendbünde in einer schwierigen Zwangslage: Einerseits wollen auch sie durch Ausschöpfung aller Propagandamöglichkelten soviel junge Menschen wie möglich zu sich ziehen. Anderseils sind sie alter als religiöser Bund gezwungen, auf die Einstellung und Anschauung der Eltern Rücksicht zu nehmen. In den meisten Fällen wird jedoch eine Rücksprache des Führers mit den Eltern helfen, diese zu überzeugen, dal! der Bund nicht gegen sie, sondern mit ihnen und für sie erziehen will. Auch wird die Wichtigkeit des Anteils des Bundes in der Enlehungsarbelt immer mehr erkannt. Ks kommt zur Geltung, dal.t der Bund wirksamste Stütze von Elternhaus und Schule sein kann. Mit Recht wird dies erkannt. Das Elternhaus kann immer nur die Möglichkeit für den Besuch von Schule und Talmud Thora, die Möglichkeil zum Erwerb allgemeiner und jüdischer Bildung geben. Schon hier müssen Schule und Elternhaus engstens zusammenarbeiten, wenn Erfolge erzielt werden sollen Die auf der Strafte verbrauchte freie Zeit, die Wahl von Freunden, auf die man manchmal wenig KinfluU ausüben kann, sind schwere Hindernisse. Ein anderes ist. dafi es den Eltern schwer fällt, tagtäglich religiöses Vorbild zu sein, ihren Kindern Judentum zu jeder Stunde vorzuleben. Hier kann und mufi der Bund einsetzen. Nur der Bund vermag dem jungen Menschen das Gefühl zu geben, kein isolierter Einzelner zu sein, sondern Teil einer Masse Gleichgesinnter, und aus dein Anerzogenen wird ein Innerliches, aus dein befohlenen Mufi ein persönliches. Der Bund bringt in den jungen Menschen das Gefühl der Freiwilligkeit Verschiedene Mittel sind es, die für die Erziehungsarbeit zur Verfügung stehen. Zunächst die allgemeinen aller Bünde, wie z. B. Heimabend und Arbeitsgemeinschaft. In den traditionell eingestellten Jugendbunden wird die Auswahl der Themata und der Schiur eine besondere Rolle spielen. Jedoch, das Wissen muU fundiert werden durch Erleben. Geist und Seele zusammen bilden erst den Menschen. Das schwierigste aber ist die Erziehung zur Religion, die doch nicht in dem Sinn:- lehrbar ist wie irgendein Wissensgebiet. Zwei Wege gibt es besonders zum jüdischen Glauben, der Weg über die Natur uml über die Gemeinschaft. Ohne grölte Theorien, intuitiv, mit der groUen Kraft des gllubigen Herzens fühlte dei Chnssidismus dies. Im Bestreben, diese au sich für den iudividualisti sehen Groflstadtmenschen verschütteten Wege wieder gangbar zu machen, kam man auf die Idee des Sommerlagers. Seine Bedeutung liegt zunächst st hon im rein Menschlichen; dem Unterordnung unter die Führung und Kameradschaft sind die Voraus Setzungen. Für die Dauer dea Lagers mub man in seinem ganzei Tun sich auf den Nächsten einstellen, bedacht sein, die Gemeinachal nicht zu zerstören. Zum anderen ist kein Lager möglich ohne Füll rang, ohne Unterordnung: und Gehorsam ist noch schwieriger zi erbringen als Kameradschaft. Hinzu kommt die pädagogische Beden tung. Was man in der Natur, in Gemeinschaft mit Gleichgesinnte aus den anderen Orten im Schiur oder in der Arbeitsgemeinscbal lernt oder an Problemen behandelt, bleibt haften (ist doch diese Kl Lernen eine wesentliche Forderung der Pädagogik). Am wichtigsten aber ist der ungeheure jüdische Werl ein« solchen Lagers. Es ist nicht eine Woche, sondern viele hundert StUl den sind es. die man dort in Gemeinschaft von Juden, in echt jüd scher Umgebung zubringt, oder besser, erlebt. Das Gefühl des juiiL" Juden, geduldet und Fremdling zu sein, macht Platz einer Aluiosphnr in der das Wort Dolus fast wie ein Fremdwort anmutet oder zi mindest nur schmerzvolle Erinnerung auslöst, während es son schmerzvolles Leben des Alltags bedeutet. Der jüdische Weg zu Gott führt über die Gemeinschaft. So kein das Judentum nicht in dem Maße die Einielandacht wie andei Religionen, sondern nur die Andacht des einzelnen als Glied dl Ganzen. Das Minjan in. Sommerlager ist, als Selbstverständlicher