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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-07-24 · 30 (24.7.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
30 (24.7.1931)
Date
1931-07-24
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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(Bemeinö cblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGION SGEMEIN DE ZI/ LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! Das Gemelndeblatt erscheint |eden Freitag und wird den Mitgliedern der Rellgionsgenieinde unentgeltlich Ge^taderabbtnc^'Jfuftav'cohn!' Leu/zlg! Lohratrafie'lÖ I F R E I T A 24» JULI 19 11 NUMMER iO / JAHR«AN« 7 Anzeigen Verwaltung und Druck: Buchdruckerei August Pries, Leipzig, Bruderstr. 59 - Fernruf 70006 - Postscheck Leipzig 53920 — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung dea Verfassers gestattet Aufruf zur Teilnahme an einer Jadassohn-Gedenkfeier der Israelit. Religionsgemeinde Historische Gedenktage aus der eigenen Geschickte zu ieiem hat unsere verhältnismäßig junge Gemeinde nicht oft Gelegenheit. Um so stärker dürfte der Widerhall des Tages sein, nn dem die Erinnerung an einen der bedeutendsten Juden wachgerufen wird, der in der hiesigen Gemeinde gelebt und gewirkt hat. Am 13. August d. J. jährt sich zum 100. Male der Geburt st ag von Prof. Dr. Salomon Jadassohn, weiland Professor für Musiktheorie, Kontrapunkt und Kanon am Leipziger Konservatorium und Dirigent des Synagogenchors an unserer Genieindesynagoge. .ladassohns Ruf als Lehrer war international, was inebesonders darin zum Ausdruck kommt, daß er Dr. h. c der Leipziger Universität, korespondierendes Mitglied der Florentiner und Petersburger Akademie und anderer berühmter wissenschaftlicher Institute war. Als Schöpfer zahlreicher kirc he n musikalischer Kompositionen ist er für dauernd in die Musikliteratur eingegangen. Dabei blieb er allezeit stolz und selbstbewußt seinem Judentum Ireu. — Neben den besonderen Ehrungen, die seitens des Konservatoriums, der Thoniaskirche und des Rundfunks für Jadassohn an seinem 100. Geburtstage geplant sind, hält es die Israelit. Religionsgemeinde zu Leipzig für ihre selbstverständliche Pflicht, dem gefeierten Musiklehrer, der dreißig Jahre als Leiter des Synagogenchors und des Gesangvereins „Psalter ion" für die Würde und Schönheit unserer Gottesdienste mit aufopfernder Hingabe und glänzendem Erfolg tätig gewesen ist, an seinem Grabe auf dem Alten Friedhof durch eine Gedächtnisfeier Dank und Huldigung darzubringen. Wir erwarten hierzu die lebhafteste Anteilnahme der Leipziger jüdischen O e f f e n t- 1 i c h k e i t, der jüdischen Organisationen, besonders auch der Organisationen der jüdischen Jugend. Die Feier findet am Donnerstag, de in 13. August 1031, in ittags 13V» Uhr auf dem alten i s r a e 1 i t. Friedhof an der Berliner Straße statt. Näheres wird noch bekanntg e g e I) e n. Endlich einmal Optimismus Von S. Taubes (Wien). Unlängst fragte mich ein Neugieriger, warum ich so selten im TemiKd zu sehen sei. Da erst wurde es mir bewußt, daß ich wahrhaftig ein seltener Gast in den Stätten des Gebetes wäre. Ich gehe nicht allzuoft beten. Kaum, daß ich einige Male im Jahre •inen Tempel oder eine Schul betrete. Und ich weiß auch, warum ick es nicht tue, oder vielmehr ich wußte es — bis zum letzten Jom- \ippur ... Ich gehe nicht in den Tempel, weil mir das, was dort geschieht, u trocken, zu nüchtern, zu abgeleiert vorkommt. Der selbstzufriedene Gesang des Vorbeters ödet mich an. Die papierenen Phrasen ies braven Rabbiners, diese gebackeuen Zitate, lassen mich vollslänüg kalt oder em|>öreii gar mein religiöses Empfinden. Kurz, es hält nich in einem Tempel nicht lange und so gehe ich eben nicht hin. In die Schul, ich meine die gute, alte polnische Schul, komme h auch fast gar nicht mehr. Denn die alte, gute polnische Schul ist ielleicht gar nicht mehr so gut... Sie ist mir zu isoliert von G a n z - Israel, zu eigensinnig in ihrer Art. Sie ist wie eine weltfremde usel auch für mich, der ich sie ja gut kenne. Etwas Verstocktes, nfruchtbares, Zeit- und Menschenfcrnes liegt in ihr. Es herrscht da ine Selbstgenügsamkeit innerhalb der Retenden, die mich stört, ein Egoismus der Frommen, der mich abstößt. Es ist — um ein jüdihes Sprachbild zu gebrauchen — jeder allzu sehr für sich darauf I i'dacht, den Herrgott bei den Rockschößen zu erwischen. Und dann, ieses unmögliche Tempo! Dieses Abhas|>eln, Herabwürgen, ller- "nterschlucken und Ausspucken von Wortenl Das geht mir über die Hutschnur! Das ist Hypertrophie, ungesundes Ueberwuchern, das mir stets als eine Art komischen Wetllaufs im Meten erschien. All «lies deutet auf Krisen hin, wirkt zerbröckelnd, hält ab und macht schließlich abtrünnig. So gehe ich also sehr selten beten... Am letzten Jom-Kippur beschloß ich, einen Teni|>el aufzusuchen. Denn, da mußte ich ja beten gehen ... Ich ging, schon im Voraus mit jenem, mir nur zu gut bekannten Gefühl des Widerstrebens gegen die mir bevorstehende Unerquicklichkeit. [ob betrat zögernd und mißtrauisch die, in meinem Geiste, profanierte Statte. Ich wußte, es würde mir kaum möglich werden, das Gebetbuch aufzuschlagen, geschweige denn das Wortgemurmel mitzumachen. Aber, ich wollte an diesem Tage wenigstens den Roden eines Relhauses betreten haben ... So stand ich also, fremd und beengt, in der weilen geräumigen Tempelballe inmitten einer großen Menge von Glaubensgenossen, wovon es einem Teile wohl ebenso ging, wie mir selbst. Vom anderen Teile zu schweigen, der diese Mängel und Krankheitserscheinungen im religiösen Leben unseres Volkes gar nicht einmal empfand, und der, wie mich dünkte, noch übler daran war, als ich selbst ... Ich, der ich die Krankheit meines Volkes empfinde, der vielleicht selber krank ist, ich schöpfe ans meinen Empfindungen wenigstens die Gewißheit, daß ich lebe. Die anderen aber, dieser ganze Troß der stumpf Murmelnden ist vielleicht nur mehr unfruchtbares Gewächs, das zwecklos lebt und keine Frucht mehr tragen wird... So dachte ich und in dieser verzweifelt langweiligen Stimmung

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