Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 29 (17.7.1931)
- Date
- 1931-07-17
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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emeinö eblatt DER ISRAELITISCHEN RBLIOIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG« Das Grmclndcblatt erscheint |ruYn IrclUig und wir' den Ml'^iicdern der KeURtonwcmcInde iinentucltlie. durch die Pott lusestelh - S S: , 1 i i 1 e 11 u n g : Gcraetnderahblner Gustav Cohn, Leipzig, Löhrstraße 10 NUMMER 29 / JAHR6AN« 7 FREIT A6 17» JULI IOM Anzelgenvcrwaltung und Druck: Budidruckerel August Pries. Leipzig, Brüderstr. 59 - Fernrur 70006 - Postscheck Leipzig 53920 — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Im Alter von 43 Jahren verstarb unerwartet Herr Chil Meier Srodek. Der Entschlafene bekleidete in unserer Gemeinde seit 1918 das Amt eines Schächters und hat diesen heiligen Dienst gewissenhaft verrichtet. Wir rufen dem Entschlafenen unserem Dank in die Ewigkeit nach und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Leipzig, den 13. Juli 1931. Der Vorstand und die Verordneten der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Mehr Körperkultur! Die ästhetische Seite der Jugendfrage Von Dr. Hugo Spiegler. D ic Freude unserer Jugend an der modernen ridrpersportbowegUUg findet in den jüdischen Kreisen geteilte Aufnahme, Der Trieb, mit den nnder>;;läjbigen Altersgenossen auch p Ii y sch gleichen Schiilt zu halten und, wie längst schon die geistigen, innehr auch die körperlichen Kräfte mit ihnen zu messen, wird Ifach immer noch als eine Abkehr von dein hauptsächlich auf-'.;rituelle eingestellten Lehen, das für das Judentum seit Undankhen Zeiten traditionell ist, und daher als eine „Gefahr" für jüdische Zukunft empfunden. Diesen Warnern ist zu erwidern, die jüdische Kürpers|>ortbewogung nichts Geringeres bedeutet, die Aufroilung der .1 u d e n ( r a g e von der ä s t h e t i - bea Seite, d. i. von einem Standpunkt, der von uns Jahrnderte lang vernachlässigt worden ist und auch heute noch in der skuaalOfl über die tieferen Ursachen des Antisemi- - m u s erstaunlich wenig von jüdischer Seite berücksichtigt wird. Walter liatheiiau hat irgendwo in seinen Schriften bei der Beüftigung mit der Krage, warum die Juden schon im Alter in angefeindet wurden, die These aufgestellt, di'U sie dem t hell sehen Kuipfinden ihrer Umwelt nicht entsprachen, ihr fach n i h t gefielen. Und doch apostrophiert der Talmud jüdischen Zeitgenossen seiner Verfasser: ..Alle seid Ihr schön. alle Riesengestalten." Auch der keineswegs judeiifreuudliche Tacitufl stellte fest: „Der Körperbau der .luden ist ein durchaus gesunder und den Strapazen gewachsener." Wenn liatheiiau trotzdem in beziig aul das Altertum recht haben sollte, wie verständlich inüUte uns dann erst die Abneigung der mittelalterlichen und neuzeitlichen Nichtjuden gegen die infolge der einseitig geistigen Ausbildung dt ge lerierte jüdische Körperlichkeit erscheinen! Ks ist durch aus charakteristisch, da Li die PseudowiSSenSChaft, mit der das Ilaken- Kreuz den Mali gegen das Judentum zu vertiefen sucht, mit einem r> i I d e r m a t e r i a I arbeitet, las unsere angebliche Minderwertigkeit rein physisch den Massen vor Augen führt. Die kleinen Apostel moderner Rassen Verhetzung folgen dabei nur dem Beispiel großer Vorbilder. Schopenhauer hat ebenso wie für seinen Frauenhaft auch für seine Je Jenfciudschnft ästhetische Momente geltend gemacht. Hein ästhetischen Ursprungs ist auch der Antisemitismus Riehard Wagners, bei dem der jü«'i.sche Mangel an (irazie weniger aufs AugO, als nute Ohr, das bei einem Musiker empfindlichste Organ, aufteilend wirkte. Wagner hat bekanntlich aus dem „GemauseheP, aus der Entstellung des deutschen Sprachklangi durch das {fidische Sprachorgan, den Schlufl auf den Mangel jeglichen musikalischen QefQhll bei den .luden gezogen.