Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 27 (3.7.1931)
- Date
- 1931-07-03
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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;i. Juli 1931 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite ß Große Herzlfeier Sonntag, den 5. Juli 1931 177, Uhr (nachm. 5l/i Uhr) sämtlicher nationaljüdischer Jugendbünde auf dem Bar Kocbba-Sportplatz (Oelitzscher Landstraße, Straßenbahnlinien 14 und 16, eine Haltestelle vor dem Krankenhaus St. Georg) Naiionaljüdische Arbeitsgemeinschaft Zionistische Vereinigung Leipzig öffne! werden, da die erforderlichen Mittel zum Ankauf eines größeren landwirtschaftlichen Gutes 7.ur Verfügung stehen; zum größten Teil seien sie vom Reich und preußischen Staat gewährt, der Sächsische israelitische Gemeindeverband hat!>(KX) Mark beigesteuert. Zwischen '.\ geeigneten Gütern habe man die Wahl, die Entscheidung wird nächstens fallen. Die Arbeilerkolonie soll in erster Linie dazu dienen. Heimatlosen vorläufige Unterkunft und Arbeit zu gewähren. Wenn auch nur eine beschränkte Zahl von Menschen aufgenommen werden kann, so soll doch die Einrichtung vielen zugute kommen, da die Insassen von Zeit zu Zeit wechseln sollen. Von dieser Hinrichtung verspricht man sich ganz besonderen Nutzen für die Wanderfürsorge. lieber den Anschluß der mitteleuropäischen Länder berichtet Frl. Weinreich, daß nach der Tschechoslowakei auch der Beitritt von Oesterreich und Luxemburg zu erwarten ist. Die llauptstelle wird sich bemühen, die noch bestehenden Mängel hinsichtlich der Verrechnung IU beheben. Beförderung ohne Meldekarten dürften unter keinen Umständen vorgenommen werden, da nur die Reichsbahn bereichert und sonst keinerlei Nutzen gestiftet wird. Herr Kahn. Chemnitz, begrüßt die heutige Aussprache und wünscht, daß sie mindestens jedes Jahr regelmäßig stattfindet, da sie liesser als schriftlicher Verkehr geeignet sei, die zu erörternden Prägen zu klären. Dringend notwendig sei, daß über die wirtschaftlichen Unterlagen für den Betrieb der Arbeiterkolonie genauere Zahlen mitgeteilt werden. Die jüdischen Körperschaften müßten hierüber unterrichtet werden, da zu befürchten sei, daß die Arbeilerkolonie ein neues erhebliches Zusrhußgehiet wird. Auch müsse die Frage geprüft aerden, ob die Beschäftigung von Ausländern ohne Schwierigkeiten möglich ist. Frl. Wein reich verspricht, für die gewünschten Auskünfte zu sorgen. Es folgt dann eine Aussprache über technische Einzelfrngen der Beförderung. Danach gibt Herr Verwaltungsdirektor Katzen stein den Kassenbericht für das Jahr 1980. Nach längerer Aussprache wird die Umlage für das Jahr i960 auf "l"/»,, des Keichseinkommensteuer- :esanitbe träges 1!)'2!), welcher als Grundlage der Gemeindesteuern für 1080 gedient hat, festgesetzt. Um in Zukunft mit gegebenen Zahlen rechnen zu können, soll beim Sächsischen israelitischen (iemeindeverhnnd eine Aenderung der Satzung beantragt werden, nach welcher ils Verteilungsmafistab nicht mehr der Koirhsoinkommenstouergoamtbotrag. der dem zuletzt festgestellten Gemeindehaushaltplan IU- .'runde gelegen hat. gelten soll, sondern der Reichseinkoiumensteuerosamtbetrag des Vorjahres. In Erwartung dieser Satzungsänderung ,\ird beschlössen, als Umlage für HKH 2.5"/,>„ des Heichseiukommenteuergesamtbetraget für 1929 zu erheben. Im Zusammenhang mit dem Kassenbericht von 10:i() werden die Vusgaben bis zum 81. Mai des laufenden Jahres mitgeteilt und nachrücklichst darauf hingewiesen, daß die allgemeine Lage eine unbe-!lügte Einschränkung aller Ausgaben gebietet. Danach wird beschlossen, das aus der Aufwertung herrührende leine Vermögen der ehemaligen Uindeskasse Sachsen für jüdische Vanderarmenfürsorge zu übernehmen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Es werden noch einige ragen der Praxis besprochen und die Sitzung nach dreistündiger erhandlungsdauer geschlossen. bs< hiedsicier im Kinderheim der Lcipzig-Lugc In der Leitung des Kinderheims der Leipzig-Loge ist am t. Juli ■ in Wandel eingetreten. Auf seinen Wunsch trat das Ehepaar Wo i 11 i den Ruhestand; die Leitung des Heims ging auf die .fugendloitoriu räulein Real M e y e r aus Hamburg über. Wie schon gelegentlich der 25-Jahrfeier des Kinderheims auch im dieser Stelle ausgeführt werden durfte, verdankt diese Einrichtung der mehr als 11jährigen Leitung des Herrn Weill die bedeutimsten Portsehritte in ihrer Entwicklung. Als Nachfolger des Herrn i hrer Fried hat Herr Weill aus dem ursprünglichen Kinder-Pflegehelm eine geschlossene Einrichtung geschaffen; hielten sich bis dahin nur wenige Kinder dauernd im Heime auf, während die anderen meist mehrere Tage in der Woche ins Elternhaus zurückkehrten, so fanden nun die Kinder dauernde Aufnahme in dem Heim zur Durchführung einer zielbewußten Ersiehung. Diese ist von dem Leiter. Herrn Weill, der darin talkräftig «buch seine Frau unterstützt wurde — dieser oblag außerdem die Wirtschaftsführung — in ausgezeichneter und im besonderen von den Behörden anerkannter Weise durchgeführt worden. Um die wertvollen Verdienste des scheidenden Ehepaares zu würdigen, versammelten sich am Sonntag, den 28. Juni, in den Räumen des Rinderheims eine stattliche Zahl von Brüdern und Schwestern der Leipzig-Loge zu einer schlichten internen Feier. Nach einleitendem Gesang des Herrn Kantor .1 a f f e (Verse aus Seiner FSchabbat von Bialik, vertont von Lampel) und einem kurzen Prolog, in dem ein Heimzögling die Anwesenden begrüßte, richtete als stellvertretender Vorsitzender des Kinderheim-Ausschusses Herr Gemeinderabbiner Cohn Worte des Abschieds an das Ehepaar Weill. Er hol» die bedeutsamen Verdienste um die Entwicklung dos Heims nach innen und nach außen hervor, wies auf den guten Gesundheitszustand, wie auf den vortrefflichen Geist hin. der im Kinderheim herrscht, auf die frohe und heitere Haltung, die in dem liebevollen und Verständnisreichen Eingehen der Heimeltern auf die Kinder ihren Quell hat Besonders zu betonen sei der religiöse Geist, in dein die Kinder aufwachsen, und der in der würdigen religiösen Gestaltung der Sabbate und Feste, nicht suletst den eindruckstiefen Heim-Gottesdiensten au den hohen Feiertagen wurzelt. Wenn weiterhin das Heim heute in vorzüglichen Beziehungen zum Leipziger und zu auswärtigen Jugendämtern steht, und wenn diese behördlichen stellen wiederholt ihre Anerkennung über das Kinderheim ausgesprochen haben, so gebührt auch dieses Verdienst dem scheidenden Ehepaare. Empfindungen der Wehmut, die immer dann sich einzustellen pflegen, wenn jemand eine Berufstätigkeit abschließt, um in den Ruhestand zu treten, würden alier bei dem Ehepaar Weill verscheucht, angesichts der Tatsache, daß diesem der ..Buhe"stand keineswegs eine Zeit des Nichtstuns bedeuten würde. Die ungemein rührigen Menschen würden ja diesen neuen Abschnitt ihres Lobens d e m widmen dürfen, was ihnen persönlich ster Betätigungs wünsch schon seil langem gewesen sei und würden darin sicherlich gleiche Befriedigung finden, wie in der bisher von ihnen mit so schönem, beglückendem Erfolge geleisteten Berufsarbeil. — Namens der Leipzig-Loge schloß deren derzeitiger Präsident, Herr RA. Dr. Löwen ho im, noch besondere Worte herzlichen Dankos an. Der vorangegangenen Würdigung der Verdienste, die siel: die scheidenden Heimeltern um das Kinderheim erworben haben, fügte er als bedeutsam den Hinweis hinzu, daß diese in schwierigsten Zeiten geleistet wurden, in denen so viele Einrichtungen arg gefährdet waren. Nicht genug anzuerkennen sei es. daß das Ehepaar Weill das Heim durch die Fahrnisse der Inflation sicher bindurchgefühli und es gerade in dieser Zeit ausgebaut hat. so daß es heute in so gutem Zustande der Leitung der neuen Oberin übergeben worden kann. Er überreichte dem scheidenden Heimleiter als äußeres Zeichen der Anerkennung das von der Großloge verliehene Menorah- Ahzoichen. das zugleich mit einem Abschiedsgeschenke Zeugnis von der Dankbarkeit der Loge ablegen sollte. Im Anschluß daran begrüßte er die neue Oberin des Heims, gab ihr die Versicherung, daß ihr von seilen des das Kinderheim botreuenden Ausschusses und der Loge selber jedes Vertrauen entgegengebracht würde und lichtete an das Personal und an die Zöglinge des Heims die Hille, mit gleichem Vertrauen der Oberin zu begegnen. — Ein ehemaliger Zögling versicherte die Scheidenden der unverbrüchlichen Dankbarkeit .lerer, die in dem Kinderheim ihre Vorbereitung für das Lehen gefunden haben, und überreichte eine Dankadresse, in der diesen Empfindungen lebendiger Ausdruck verliehen ist. — Die neue Leiterin des Heims sprach dann für die ihr gegebenen Zusicherungen des Vertrauens ihren Pank nUt und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Mitarbeiter wie auch die Kinder sie in ihrem Bemühen um das Gedeihen des Heinis unterstützen würden. Aus Liebe zur Jugend und zu den Kindern habe sie diesen ihren Beruf ergriffen; mit Liebe und