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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-06-26 · 26 (26.6.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
26 (26.6.1931)
Date
1931-06-26
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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emeitiö cblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! Das Grmelndeblatt rnuhelnt |eden Freitag und wird dm Mitgliedern der Kellglonggcmelnde unentgeltlidi durdi die Post lugcttcllt — S chrlitleltung: Cemclndcrabbtner Gustav Cohn, Leipzig, LohratraSe 10 NUMMER 26 / JAHR«AN« 7 FREITAG 26» JUNI IOM AnzelgenverwaltunK und Dunk: Budidruckerei August Prien, Leipzig, Brüderstr. 59 - Fernruf 70006 - Postscheck Leipzig 53020 - Nadidrudt nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Chajim Bloch, der Dichter der Kabbala Zu seinem fünfzigsten Geburtstat; Von Dr. Sämliir v. Virhely l: Zehn volle Jahre sind um, seit mein Aufsatz „Aus dem Leben eint's Chassidisten" im ..Neuen Wiener Journal" erschienen ist. Ein bescheidenes Fesi für mich. Ich schilderte damals, wie ich in den Tagen, die wir alle in gemeinsamer Todesnot durchlebten, in einem ungarischen Gefangenenlager Chajim Bloch, den Menschen voll Herzlichkeil und Gottergebenheit „entdeckt" habe, und schlofl meine Darstellung mit den Worten: „Ich. der Zeuge seines Hungerns und seines Leidens, seines Tuns und seines Schaffens, wünsche ihm aus ganzem Herten, dafl er die Geburt der neuen von ihm ersehnten Menschheit erleben soll". Heute ist Chajim Bloch als bedeutender Schriftsteller und tiefg\ ndiger Kenner der Knhhala wohlbekannt, doch lasse ich mir mein Vorrecht auf ihn nicht abstreiten! In jenen öden Tagen, au die wir heute will Wehmut zurückdenken, war ich heinahe der einsige, dem h den Schleier seines Innersten lüftete, dem er sich offenbarte; noch heute sin« mir die tiefernsten Gespräche, die wir miteinander führten, in Erinnerung. Wenn nun Chajim Bloch fttnftig Jahre alt Wi d. fühle ich mich berufen, ihn aus diesem Anlasse in den Spalten 'Ii -es Blattes den Graf) zu entbieten. Wir verehren in Bloch den M ischen, <ler. fern von der Parteien Gunst und Hai.!, seinen eigenen W j geht und gani seinem forschen und Schaffen lebt Der Lebenslauf dieses Schriftstellers ist eigenartig und interessant gi ug, um hier kurz geschildert zu werden. Am '21. Juni 1881 in Nagy-Bocsko (Ungarn) geboren, kam Bloch in rüher Jugend nach Delatyn. einem galitischen Qebirgsnest Seine I rn, wohlhabende Leute, führten ihre Abstammung auf eine Reihe n berühmten Rabbinern und Kabbaüsten zurück, was gewiß, Ahnen- Mul verleugnet sich nicht, für Chajim Blochs späteren Lebensgang »i Entscheidung war. Bloch erhielt jene Erziehung, die hei den fi amen Ostjuden vor einem halben Jahrhundert üblich war: an der Wiege wurde ihm gesungen, daß er Rabbiner werden wird. Kr hes|i te stufenweise Tain ml- und Rabbinerschulen. Seine starke Be- - mg sog ihn auch zu - weltlichen Bildung, die er sich durch Fleiß in «deutendem Malle zu eigen machte. Immer wieder erzählt Bloch den malerischen Naturschöulieiten seiner Heimatgegend, von dem len Füßen der stolzen schneegekrönten Höhen der Karpathen. ebettet von zwei mlehtig rauschenden Flüssen, Prath und iezna, umgebenen Delatyn. Manchmal flüchtete sich dieser Jünger d»'~ i'.aal-Schem in die Abgeschiedenheit dieser reizenden Umgebung. Wl Zweifel haben diese gottvollen Landschaften sein Gemüt mächtig See nfiußt und für das spätere Schalten empfänglich gemacht. Mit von tu ein ■ Lul dreiundzwanzig Jahren führte er eine Frau heim: ein Sproß des Rabbi Jomtow Lipmann Heller, der im 1". Jahrhundert <las geistige Oberhaupt der Wiener Juden war. Bloch wurde Kaufmann. In stillen stunden gab er sich dem Studium der Religionsphilosophie und der Kulturgeschichte seines Volkes hin. hatte aber für die Kabbala, die jüdische Mystik, besondere Vorliebe. Schön und zufrieden gestaltete sich sein Leben in der kleinen Stadt. Da kam der Krieg. Seine Qlücktgüter Zerflossen in nichts; die russischen Horden halten seineu Besitz vernichtet Bloch war dreiunddreißig Jahre alt. als ihn der Weltkrieg in die grolle Welt hinaustrieh. Kr kam zunächst als „Flüchtling" nach Wien und rückte bald zum Militär ein. Infolge einer schweren Verwundung kam er später in ein (iefangenenlager in Ungarn zur Dienstleistung. Hier lernte er lausende Menschen aus den entlegensten (lauen Rußlands kennen; er umgab sie mit Liehe und machte sich mit Ihrem Lehen und ihren Anschauungen vertraut. Diese Unglücklichen, besonders die Juden unter ihnen, waren Blochs großes Erlebnis; sie erweckten in ihm sein schöpferisches Gemüt liei einem jüdischen Soldaten entdeckte er eine alte hebräische Handschrift, die unbekannte Sagen über den Golem enthielt. (Kiu ähnliches Manuskript von einem ungarischen Bergjuden erworben, beschreibt Egon Erwin Kisch im ersten Band seines „Rasenden Reporters".) Diesen packenden stoiT hat Bloch mit dem ihm eigenen Einfühlungsvermögen in den (ieist der jüdischen Sage, in einein Buch „Der I'rager (i o I e in", das der bekannte katholische Mystiker Dans Ludwig Meld einleitete, bearbeitet. Bloch behandelte diese von „Wahrheit" und Dichtung umkränzte Gestalt auch von wissenschaftlicher Seite. Ks ist ein Stück Zeitgeschichte Alt-Prags und wir verfolgen mit der innigsten Teilnahme das Schicksal der dortigen Juden, die unter der Blutbeschuldigung viel zu leiden hallen. Schon dieses Buch, das für Bloch einen Auftakt bedeutete, zeigt den befruchtenden Anhauch der Kabbala. Nun erst hat er seinen Schriftstellerberuf mit ganzem Herzen erfaßt. Seine unausgesetzten Forschungen über das Qolemmotiv führten ihn zur Entdeckung einer Goleinflgur in Chelm (Bolen), über die in der deutschen Literatur nur spärliche Hinweise zu linden sind. Er hat ilie Sagen über diese geheimnisvolle Ghettogestall zu einem reizvollen Buch „Israel der Ii o t I e s k ä in p f e r" vereinigt. Iii jeder SaL'e sind tiefe Gedanken aus der hebräischen \4\>lik verwoben. In seinem Werke „Die Gemeinde der Chassid i m" lüftet Bloch in einer wundervoll einfachen Sprache den Schleier über „Werden und Lehre. Leben und Treiben" der Chassidim. jener leidenschaftlich frommen kabbalistischen < ieineinschaft im Osten

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