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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-06-12 · 24 (12.6.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
24 (12.6.1931)
Date
1931-06-12
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 (iEMELNDEBLATT DEB 1SHAELITISCHEN ItELIG IONSGEMEIN DE ZU LEIPZIG Nummer 24 im Laufe der Jahrhunderte fast typisch jüdische Name Kati gar nichts mit dem Haustier gleichen Namens tu tun hat. Der Name komm! einfach daher, daß die Angehörigen der Priestergeschlechter die Bezeichnung Kohen Zedek führten. Die Zeichen K und Z wurden nun von der UmweH mit dem ersten Selbstlaut verbunden und ..... solcherart ward der Trabant ein völlig deutscher Gegenstand..." Also mit der Hauakatie oder anderen Tieren hatte der Name gar nichts tu tun. Eines der Interessantesten Stöcke der Sammlung ist eine Meghilla Esther, die Geschichte der Königin Esther und des büsen Königs Hainau, der die Juden vernichten wollte. Die Geschichte ist mit Stichen des berühmten Kupferstechers Frank versehen. Da aber nach ritueller Vorschrift die Geschichte nicht gedruckt werden konnte, druckte man zuerst Franks Stiche und Schrieb dann mit unendlicher Geduld Buchstaben für Buchstaben der schönen Geschichte in die ausgesparten Räume. Nicht zuletzt ist dieses Stück, wie übrigens auch eine handkolorierte Ha gada Ii, die (ieschichte vom Auszug der .luden aus Aegypten, deshalb Interessant, weil sie einen Beitrag liefert zu dein allen Streit, ob die .luden sich Bilder machen durften von dem, was auf. in oder über der Erde lebt. Konziliante Interpreten begnügen sich zu behaupten, dafl ea verboten sei. körperliche, d. h. plastische Darstellungen herzustellen und dafl das Malen eines Hildes nicht verboten sei. Kulturhistorisch interessant i>t sicherlich ein aus dein Jahre 1613 stammendes, bei den schon erwähnten Gersoniden gedrucktes Machsor, d. h. Gebetbuch, auf dem Titelblatt »las alte Prager Stadtwappen, «las bekanntlich 10'JO einige Veränderungen erlitten hat. Damals kam nämlich als /.eichen der l'nterwerfuug, die aus dem Tor des Wappenbilde« ragende Hand mit dein Schwert dazu. Das liebelbuch zeigt noch das alte l'rager Wappen vor der capitis deminutio, die Prag erdulden muflte. Und unweit davon, gleichsam als Trost, als /eic hen, dafl es anderen noch schlechter gehen kann, liegen zwei Judenmauthiette] aus Brünn, aus dem i". Jahrhundert. Die .luden Sehimmerle und Trebitsch fuhren am 4, uml 0. uetobris nach Brünn und zahlten beim Eintritt in die Stadt ilie Judenmauth im Betrage von 17 Kreuzern. Bin Brief: Der Magistrat habe in Erfahrung gebracht, der Jude X. Y. wohne in dem Christen ha use num. com. 278, Br möge zum Termin gekündigt und zum Ziefatermin um SO sicherer aus dem Christonhause entfernt werden, als bei Nichlbefolgnng er 15 und der ungehorsame, seiner Christenpflicht nicht eingedenkte Hausherr 10 fluiden strafe bezahlen müflte. Zur üeberwachung der Befolgung des Auftrages werde der Stadtvierteler beauftragt. Amlere Dokumente: 1848. Die .luden haben die Stirne, um die Erteilung der Bürgerechte zu ersuchen. In seltener Eintracht werden ihnen diese von den Mitbürgern ohne Unterschied der Nation verweigert. Ks erscheinen Schriften und Widerschriften. Dr. Wesel y. Professor an der Prager Juristischen Fakultät, tritt für den jüdischen Mitbürger ein und zieht sich den lluli der Masse und die Ungunst der Aemter zu. Shmähschrifteii nehmen aus Wien ihren Ausgang, werden in Prag ins Tschechische übertragen und gehen unter dem Titel: „Zide v Oechach a gegkh gednanj ku skate rolnjkü. sladkü. ginych rcineslnjkii. Na gegyeh ttdoat o mestskä präva" ins Volk. Mancher verzweifelte Kampf wurde gefochten. Interessant ist dabei ein Dokument, gezeichnet P. ('. Kr/., gedruckt in der Jesuitengas>e bei dem Buchdrucker S p u r n y. Der Autor bittet seine lieben Mitbürger, wie schon oft. auch diesmal seinen Worten 'iehör zu geben und nicht in den unchrietlichen Judenhafl zu verfallen. Leider bestehen Vermutungen, dafl es sich hier um eine Mystifikation gehandelt haben könnt«', deren Urheber vielleicht nicht weit von den Juden zu suchen war. Die Bemühungen, die .luden von ihren Handelsgeschäften wiederum zum Handwerk uml zum Ackerbau zurückzubringen, sind auch im Prager Judentum stark gewesen. Nach der Auflösung des Judeufouds bemühte sich Leopold Edler von Port hei in (die Familiengräber der Porthelma sind auf dem alten Friedhof in Prag Nil und repräsentieren sieh, nach Generationen geordnet, etwa so: Porges, Porges von Portheim, Edler von Portheim) um die Schaffung eines „Vereines zur Förderung des Hand Werkes und des Ackerbaues unter den Israeliten Böhmens". Es kam aber nur zu wenigen Aktionen, die recht er folglos blieben. Die Juden handelten weiter. Nun darf mau aber daraus nicht schliel.ieu, dal.l die Prager Juden nicht Handwerker ge weseu seien. Die durch Jüdische Tapferkeit eroberte Schwedenfahle soll von jüdischen Fleischern erkämpft worden sein. Jüdische Schneider, Schuster waren in besonderen Zünften organisiert. Nun aber kam dazu noch: Im alten Ghetto wohnten immer etwa 10(MM) .luden, für dama lige Verhältnisse eine recht ansehnliche Stadt. Bei der groLlen Hin neigung der Juden zur Spezialisierung und endlich deshalb, weil jeder sein notwendiges Stückchen Brot möglichst konkurrentfrei er werben wollte, kam es zu einer Spezialisierung in den Handwerken die eigentlich grotesk anmutete. Es gab besondere Zeltemacher und spezielle Schnürdreher, und innerhalb der Schlosser gab es welche die nur das, andere, die nur jenes fabrizierten. Was überrascht ist die Tatsache, datt es in der Judenstadt Büchsenmacher gab. Vor den Künsten der Goldschmiede und Metallarbeiter ist nur wenig ei halten. Hie und da einmal ein Stück aus Messing mit dem David stein und dem Schwedenhut, dem sichersten l'rager Zeichen, de würsbUchsen uml Chanukaleuchter, d. h. achtarmige Leuchter mil fleischiffchen, die man zum Fest der Erinnerung an den Makkabäei aufstand anzündete. Das Ghetto war arm. Ein Messingleuchter wai ein überragender Wertgegenstand. Also gibt es auch aus Ton ge fertigte Oelschiflehen, naiv, ungeschickt, etwa so, wie ein kleines Kind den Ton bearbeitet. Die Finget konnten Schreiben, die Stirn beim Denken, reibend unterstützen; aber Ton kneten? Zu den lustigen Dingen gehört ein Chanukaleuchter, gefertig aus dem Mützenschild eines preußischen Grenadiers. Das grolie lies slngdreieck mit der Sonne und dem fliegenden Adler war zu gan anderen Dingen bestimmt, als Staffage zu bilden für acht Flammen die ad majorem gloriam Dei bräunten. Noch ein paar Thoramäntel sind in dem kleinen Museum. Di Juden hängen über ihre Thora buutgeslickle Kleider, geben ihm Silberschildchen uml Kronen mit tilockenspielen. Die bunten Stick ri teu sind verblichen und zerfallen. Ein rechtes Sinnbild der jüd sehen Tradition. Zum Schlufl noch eine kleine interessante etymologische A: gelegenheit. In der Sammlung befindet sich auch ein Teller mit di Devise der (hevra K a d i s B h a h , der jüdischen Beerdigung brüderschaft, der anzugehören für di*' Juden eine Führe bedeuh Diese Brüderschaft, in Prag seit 15141 nachgewiesen, besteht übera wo Juden wohnen, uml hat den Zweck, die rituellen Waschungen <l Leichnams zu beaufsichtigen und die letzten F'reundesdienste ehn halber zu tun. Anläßlich «ler Besichtigung des Tellers erfährt UM Mau fand vor Jahren, dali überall die jüngeren Mitglieder der Bi derschaft. gleichgültig, ob im Burgenland oder in Belgien, die tra tloneUe Bezeichnung „Moladsche" führten, und zerbrach sich lai den Kopf, was dieses Wort bedeuten sollte. Bis man nachwies, d die Iustutition, deren europäischer Ursprung In Prag liegt, dar nichts anderes gemeint hatte als „in I a d s i", was übersetzt „(1 Jüngere" heilil. Womit Prags Primat wieder befestigt war. Was wird mit dem Museum geschehen? Wird mau es mit d übrigen Andenken an das Ghetto vereinen und den Versuch machzu Bammeln, was von der jüdischen Tradition des Diaspora übi blieb oder werden auf dein alten Friedhof, in der Nähe der V« moderten Knochen ihrer ehemaligen Träger uml Besitzer, auch i jetzt noch vorhandenen Dinge zu Staub uml Moder werden?

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