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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-05-29 · 22 (29.5.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
22 (29.5.1931)
Date
1931-05-29
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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teeind cbktt OER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! Das Gemclndeblatt erscheint |eden Freitag und wird Im Mitgliedern drr Kcllglonsgemelnde unrntgrltlidi ilurdi die Post zugestellt - Schrlftleltung: ienielnderabblner Gustav Cohn, Leipzig, Lohrttrafie 10 Anzeigen Verwaltung und Drink: Buchdruckcrel August Pries, Leipzig, RrOderstr. 59 - Kernruf 70008 - Postscheck Leipzig 539 20 - Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Mendelssohn-Forschung tut not Von Gemeinderabbiner Gustav Cohn. Moses Mendelssohns zweihundertster Geburtstag, der in allen Teilen Deutschlands wie auch im Auslände so begeistert gefeiert worden ist, hat gezeigt, daß über diesen jüdischen Ili nker keineswegs alles gesagt war, was sein Werk, sein Leben, ■eine Persönlichkeit in vollem Umfange verstehen lieli, was seine Bedeutung, die Gewalt seiner Wirkung auf die Mit- und Nachwelt \< rdeutlichte. Wie Immer bei solchen Jubelfeiern suchten Berufene Und — weniger Beratene «las Andenken des Grofien durch Reden Und Aufsätze zu ehren. Nicht wenig davon hielt sich in dem Kähnen der üblichen Festansprachen. Gedenkschriften und Einzelahhandlungen förderten alier auch vielfach neue Kenntnisse und Erkenntnlaae über ihn zutage und bewiesen, duU die Beschäftigung mit dem Sein und Wesen des Mannes, der um Beginn einer neuen jüdischen Epoche steht, auch heute noch nicht nur lohnend, sondern wichtig, ja notwendig ist. Ihre Krönung erfahren alle diese Arbeiten in der vom Akademie-Verlag veranstalteten Jubiläumsausgabe von Mendelssohns Gesammelten Schriften '), die viele, und gerade die wertvollsten dieler kleineren Untersuchungen unmittelbar oder mittelbar hervorgerufen hat. Diese grandiose Ausgabe dürfte, wie alle die Fülle dl ser einzelnen Schriften, die wichtige Aufgabe erfüllen, die Aufmi rksamkeit darauf zu lenken, wieviel Mendelssohn-Forschung noch Di trieben werden kann und mufi, und »lieser neuen Geistesarbeit Anregung, Ausgang und Arbeitsmittel zu werden. Mine den Anforderungen moderner wissenschaftlicher Arbeits- « ise entsprechende Ausgabe der Werke Mendelssohns ist ein drin- | ides Bedürfnis. Das Jahrhundert nach Kant lieü die uneriueUli ie Bedeutung der Wissenschaft für das Kulturleben erkennen tu I führte damit einen ungeahnten Aufschwung der Methoden her- I" mit denen die Geistesschütze der groben Denker ausgewertet W( rden. Den Schriften Moses Mendelssohns war eine solche systemale Bearbeitung noch nicht zuteil geworden. Schon die wenigen er erschienenen Teile der Jubiläumsausgabe zeigen, wie fruchtdiese Methoden sich auch hier erwiesen haben. Die ziclhewulite le nach verschollenen oder gänzlich unbekannten Schriften, heiers Handschriften, hat bemerkenswerte Ergebnisse gezeitigt. Es In öffentlichen und privaten Bibliotheken und Archiven reiches •rial gefunden worden, vieles Wichtige an Abhandlungen und Ui blsl M Su SO) ist Mi i) Moses M e ii il f I s h (i Ii u . Qeasmn>etts Bchriften. JublUamaj ah,', in (icini'inscliaft mit F. Bamberger, II. Borodisnski, B. Rawisowlcs B. Strauß, lt. StriiuU. hTSUSflSbSU von 1. Blbogen, J. Qutt- SUInn, K. Mittwoch. Berlin I Akademie-YerliiK). Werken, wodurch die bekannten Texte vielfach in ganz neues Licht gerückt werden: u. a. Konzepte zu den „Briefen über die Emplindungen", Bemerkungen zu den „Philosophischen Schriften", eine Abhandlung über die „Vermischung der Schönheiten", der ursprüngliche, von dem gedruckten Text vielfach abweichende Entwurf der ..Ititualgeselze". Besonders schätzenswert ist die Bereicherung, die die Ausgabe der Briefe erfährt. Die Briefe, die Mendelssohn an seine Braul Fromet Gugenheim in Hamburg geschrieben hat, waren bisher nur in knappen Bruchstücken bekannt. Die Familie v. Mendelssohn, in deren Besitz sie sich befinden, hatte bis dahin ihre Veröffentlichung nicht zugelassen; nur ein Privatdruek war von Ludwig Geiger 1892 für den engen Kreis der Familie und einige nahestehende Freunde gedruckt, ihre Bekanntgabe an ein weiteres Publikum aber nicht gestatte! worden. Sie werden hier, und in ihrer ursprünglichen Fassung in hebräischer Sprache überhaupt zum ersten Male, gedruckt. Auch sonst w ird eine ganze Reihe bisher unveröffentlichter, oder nur fehlerhaft bekannter Briefe zugänglich gemacht. Auch eine größere Anzahl unbekannter Gedichte, Ueberset/.ungen und Stammbucheintragungen ist aufgefunden worden und wird in der Ausgabe veröffentlicht werden. Angestrebt wird weitestgehende Vollständigkeit alles dessen, was sich von Mendelssohn in hebräischer oder deutscher Sprache gedruckt oder ungedruckt erhalten hat. Neben dieser bedeutenden Vervollständigung der Schriften hat die Jubiläumsausgabe aber einen unvergleichlichen Vorzug gegenüber den früheren in dem ausgezeichneten wissenschaftlichen Apparat, der die Möglichkeit zu jeder vertieften Betrachtung und Durchforschung schafft. Berufene Faclikenner schicken zudem den einzelnen Werken Einleitungen voran, in denen die „Entstehung des Werkes dargestellt, sein Inhalt charakterisiert und seine Bedeutung für die Entwicklung Mendelssohns und die Entwicklung des behandelten Problems" aufgeseigl wird. Der volle Wert der Ausgabe (das ganze Werk soll in sechzehn Bänden die hebräisch und die deutsch geschriebenen Werke enthalten) wird sich erst ermessen lassen, wenn sie abgeschlossen vorliegen wird. Aber schon jetzt darf gesagt werden, dal.l die Herausgabe eine wissenschaftliche und kulturelle Tat darstellt, die ungemein befruchtend wirken wird. Uelier die wissenschaftliche Bedeutung Mendelssohns dürfen die Untersuchungen noch nicht als abgeschlossen erachtet werden: mag auch das Urteil über seine Stellung im ganzen der Philosophie kaum wesentliche Aenderung erfahren, so wird über das Verhältnis zu den Vorgängern, besonders aber zu den Zeitgenosen noch manches zu sagen sein. Lebhafter noch als für die wissenschaftliche Stellung ist naturgemifl das Interesse, das wir als Juden au Mendelssohn, seiner Ent-

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