Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 21 (22.5.1931)
- Date
- 1931-05-22
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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$tm\ü Matt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! Das Gemelndcblatt erscheint |edcn Freitag und wird den Mitgliedern der Kellglonsgcmelnde unentgeltlich durch die Port zugestellt - Schriftleitung: Gemeinderabbiner Gustav Cohn, Leipzig, Lohrstraße 10 NUMMER 21 / JAHR6ANC 7 PREITA« 22» MAI 1 O 11 Anzelgenverwaltung und Druck: Buchdruckercl August Pries, Leipzig, BrOderstr. SS - Fernruf 70006 - Postscheck Leipzig 53920 — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet AUFRUF! HILFSWERK FÜR DIE POLNISCHEN JUDEN Wir erhielten erschütternde Nachrichten aus Polen. — Wilna und eine Anzahl von Orten in weitem Umkreise sind von einer furchtbaren Hochtvasserkatastrophe betroffen worden. Wohnungen und Werkstätten sind unter Wasser gesetzt, Häuser zerstört worden, Synagogen, Schulen, Spitäler haben gelitten. Tausende Jüdischer Familien mußten ihr Heim verlassen, unier Verluft Ihrer Habe. Viele konnten nur ihr nacktes Leben retten und müssen, von allem Notwendigen entblößt, im Freien oder in Dachstuben zusammengedrängt kampieren. Zelte und Baracken fehlen. Es herrscht fürchterliche Not und Arbeitslosigkeit. Eine Typhusepidemie ist ausgebrochen. Man organisiert in Polen selbst, so trostlos auch die wirtschaftliche Lage dort ist, eine Unterstütsungsaktion. Gleichzeitig sind dringende Hilferufe an den Hilfsverein der Deutschen Juden ergangen. Wir hielten es für unsere Pflicht, diesem Appell sofort zu entsprechen. Trotz der schweren Zeiten wenden wir uns an die deutschen Juden mit der herzlichen Bitte: Versaget nicht Eure Teilnahme den vom Unglück Heimgesuchten! Helfet, damit zur Linderung der großen Not beigetragen werden kann. Berlin, Mai 1931 Spenden sind zu senden an: Bankhaus H. C.Plaut, Leipzig (Postscheckkonto Leipzig 1816) mit dem Vermerk: Hilfswerk für die polnischen Juden. HILFS VEREIN DER DEUTSCHEN JUDEN Vorsitzendtr; Dr. James Simon Moses — der Dichter seines Volkes Zum Schabut ithfeste Von s. Meiselt. Die Vlelgeataltigkeil in der Erscheinung des biblischen Moses drückt sich schon in den vielen Kuhinesnamen aus, die ihm beigelegt werden. Die Bibel nennt ihn den Mann Gottes, die Traditi< 1 den Vater der Propheten, das .ludenvolk heißt ihn Moscheh Rabbi iu, Moses unser Lehrer, und die (leschichte preist ihn als den!!i Ilten Qetetsgeber aller Zeiten. Damit ist freilich die leuchtende <i' talt des Moses noch lange nicht erschöpfend gekennzeichnet; die D .erlieferung kennt auch noch Moses den Helden, den Staatsmann, dl Qot(gesandten, den Führer seines Volkes und den Künder des leitlichen Gollesgedankeiis. Von jeher hat Moses als Held der teil die Denker und Dichter in seinen Bann gesogen; viele hahen mit ihm beschäftigt und seine erhabene Gestalt bald in ihrer /.heil, hald in ihren Teilorscheinungen 7.11 erfassen und dar/u- •'ii versucht. So wurde Moses als Prophet, Lehrer. Gesetzgeber, cabildner usw. gewartet Jobann Gottfried Herder aber war der B, der den biblischen Moses auch als den Dichter seines Volkes n rdigt hat. Moses — ein Dichter? Auf den ersten Blick könnte dies etwas am erscheinen. Bei näherer Prüfung jedoch ergibt sich wohl die rhtiguug. Moses den Propheten auch als großen Poeten EU feiern. ..Gesang am Koten Meere", das „Moses-Lied", der „Segen Moses". IT V. Sil , Qs st. Ve er^ D ll> De und der!H). Psalm, der ebenfalls Moses zugeschrieben wird, zählen zu den herrlichsten Licddichtungou der Bibel. Dann sind ja auch alle Propheten im eigentlichen Sinne Poeten gewesen, begnadete Männer, denen es Gott gegeben, ihre Gesichte in eine wundervolle poetische Form zu kleiden. War nun Moses Muster und Vorbild der Propheten, so muUte er auch ein grober Dichter seines Volkes gewesen sein. Das „Moses" überschriebene Kapitel in Herders Hauptwerk „Vom Geiste der hebräischen Poesie" ist im Grunde nichts anderes als ein in dichterisch schwungvoller Prosa vorgetragener Lobgesaug auf Moses ben Amram. F)s spricht daraus eine demutsvolle Verehrung finden biblischen Helden. Nahezu dithyrambisch klingt der Auftakt zu diesem Kapitel. Ks beginnt mit den anredenden Worten: „Ich nahe mich dir. ernster, heiliger Schalle! Killer der ältesten Gesetzgeber und Wohltäter des menschlichen Geschlechts! Dein Antlitz glänze nicht zu sehr, dafi ich deine Züge erkenne und sie mit Licht und Wahrheit, die du dein Fürsten deines Volkes als Heiligtum auf die Brust legtest, zeige!" Anschließend an diese Anrede gibt uns Herder eine packende Schilderung von der Größe Moses'. Unter den Sehern der Vorzeit gilt ihm Moses als der größte: in der Folgeteil findet er keinen zweiten Propheten, der es verdiente, ihm gleichgestellt zu werden. „Ks stund hinfort kein Prophet iu Israel auf wie