Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 20 (15.5.1931)
- Date
- 1931-05-15
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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15. Mai 1931 GRMF.INDF.HLATT I>F.I{ ISHAKLITISCIIKN MCLKIIONSGEMKINDE ZU LEIl'ZKJ Seite .r> Dienstag, den 19. Mai, abends 8,30 Uhr, im Saale des Kaufmann. Vereinshauses (fÄ) (nicht Hotel Hauff«) Vortrag: Herr Rabbiner Dr. Ephraim Carlebach „Reiseeindrücke in Palästina" Jüd. Frauenbund, Ortsgr. Leipzig / Schwesternbund der Leipzig-Loge Verband jüd. Frauen für Palästinaarbeit Es wird um einen freiwilligen kleinen Unkostenbeitrag gebeten Gäste willkommen Tasrhenkalender. Die Gemeinde wird für das .Iahr 5<i!)'2 wieder einen Taschenkniender herausgeben, der wie im Vorjahre ein Verzeichnis aller in unserer Stadt bestehenden jüdischen Vereine enthalten soll. Da errahrungsgemlfl viele Aenderungen vorkommen, erfolgt die Aufnahme in den neuen Kalender nur nach eigenen Angaben der Vereinigungen. Die Vereine werden deshalb gebeten, uns his 'J'J. Mai ds. .Is. mitzuteilen, in welcher Form die Eintragung vorzunehmen Ist. Leipzig, den 17. April 1981. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Friedhofsgiirlncrci des neuen Friedhofs. Die von der Gemeinde in eigener Verwaltung betriebene (liirlnerei unseres neuen Friedhofs übernimmt sämtliche Auftrüge auf Bepflanzung, Instandsetzung und Pflege von Qrabstellen. Es wird weiter darauf hingewiesen, dafl die Friedhofsbesucher die Möglichkeit halten, ihren Bedarf an Topfpflanzen, Schnittblumen, Vasen und Schalen in der Friedhofsgärtnerei zu handelsüblichen Preisen zu decken. Fachmännische Beratungen und Berechnungen erfolgen kostenfrei. Leipzig, den 13. April 1981. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Aas dem Gemeindeamt Personenstandsnachrirhtcn G 6 hurt e n : April l!i:t1 Benno Händel und Helene geh. Buslik, Christianstr. 13, Zwillinge „Bernhard und Clcilie". '•">. April 1981 Josef Thieberg und Clwie geb. Margosches, Berliner Sir. 24, eine Tochter ..Elfriede". M ä d c h enkonf i r m a tion : Gertraude Fechenbach, BleichertstraBe II. Helga Dobbriner, Wettiner Str. :io b. Roehocs. Elisabeth Hzepkowicz, Kitterslralte 17. Ursula Beuthner, Grimmaischer Steinweg 28. Tr a u u n gen : \m Sonntag, 17. Mai 1981, 13 Uhr, Fräulein Tanja Zunser. Lothringer SIraUe 88, mit Herrn Walter Ury, Wachteratrafle 32, in der Wohnung WlchterstraSe 32. \m Sonntag, 17. Mai 1981, 11.30 Uhr Fräulein Elfriede Mendel, König- .lohann-Stralle 2, mit Herrn Dr. Stefan Vas, Leipzig, zur Zeit Kinderkrankenhaus, in der Gemeindesynagoge. Neue Bücher I. i o ii F e u ch t w a n geri Erfolg. 3 Jahre Geschichte einer Provinz. Roman. 2 Hände. Berlin 198Q (Verlag Gustav Kiepenheuer). Die alte jüdische Forderung: ..her Gerechtigkeit jage nach", Isi tief eingewurzelt im Wesen des judischen Menschen. Jüdisches Schicksal hat diesem Wesenssug ständig neue Nahrung gegeben. So isi es nicht als hloOer Zufall zu weilen, wenn in jüngster Zeit drei hervortretende jii ilischc Autoren in aufsehenerregenden Werken sieh zu Anwälten einer gerechten Bache gemacht haben. Jakob Wassermann kämpft im ..Fall Mauritius", Arnold Zweit; im „Bergeanten Griseha" und min Linn Keueht wanger in „Krfolg" gegen unvollkommene Rechtshandhabung. Lion Keuchtwangcr zeigt, wie Beugung des Rechts stois Nährboden in der Korruption eines Staates hat. Aehnliche Gedanken hat Lion Peucbt wanger bereits im ...11111 BOB" vertreten und beweist damit, wie Uber Jahrhunderte hinweg die jeweiligen Machthaber ihn' Stellung miUbraucht haben, indem sie den Rechtsgedanken persönlichen Interessen opferten. Der äuüerc Rahmen ist verändert, die Zivilisation fortgeschritten, aber dir kulturellen Mängel sind noch die gleichen, in ih r Zeit des Mittelalters und Im Bayern der Jahre 1020 1024. In 2 Bänden wirft Lion Keuchtwangcr die ewig aktuelle Frage auf: Was isi Erfolg) Beine au vielen Beispielen bewiesene Antwort ist die oft bestätigte Lebcnserfah rung: Erfolg ist Prämie auf Bkrupellosigkeit; nur wer unbeschwert ist von den Hemmungen menschlich-anständiger Gesinnung, schwimmt oben auf. Diese bittere Wahrheit isi der wesentliche Inhalt seines Buches. Im Mittelpunkt seines Kornaus sieht das Bchicksal eines MUnchener Museumsdirektors, der sieh mit der Ausstellung eines Bildes ,.Josel und seine Brüder oder die Gerechtigkeit" mißliebig gemacht hat. Um ihn aus dem Wege zu räumen, wird ein Meineidsverfahren konstruiert. Trotzdem alle von seiner Unschuld überzeugt sind, wird er verurteilt, stirbt Im Zuchthaus. Um zu beweisen, wie belanglos im groben Geschehen eines Staatswesens ein Binsclschicksal ist. rankt sich um d;is tragische schick dieses Mannes eine ausführliche Bchilderung der Zeitverhältnis und eine eingehende Darstellung der Lebensumstände einzelner Per sonen. die lose mit seinem Bchicksal verknüpft sind. Alles dies ge sehieht in so epischer Breite, dafl das Bchicksal des unschuldig Verurteil ten fasi zur Nebensächlichkeil w ird. Belbst im Leben der Johanna Krain, der Küinpfcrin für sein Recht, die. um ihm zu hellen, sieh im Zuchthaus ihm antrauen läßt, spielt dieser Rechtskampf nur eine nebeng.....•dnete Rolle. Im Dienste dieses Iteehtskauiid'es gcnicBt sie Ihr Leben in Luxus bhdern, genießt sie ein abwechslungsreiches Liebesleben, wird sie interessant und sensationell. Das gleiche Kthos fehlt all den andern, die sieh um seine Befreiung bemühen. Die sympathischste Gestalt ist noch der jüdische Anw alt, dem aber such Uber seinem großen Werke ..Das Unrecht im Lande Bayern" das ESlnzelschicksal verblaßt. Von diesen handelnden Personen des Kornaus geht schließlich auch auf den Leser eine Des Interessiertheit am Bchicksal des Verurteilten über. Weit mehr fesselt die Darstellung der Zeitverhältnisse, des in jenen Jahren in besonderer Blüte stehenden bayerischen Partikularismus und des mißverstandenen Patriotismus, der sich in leidenschaftlicher konfessioneller Intolcran« äußerte, Ks pack) die Bchilderung der Korruption. BkrupeUose Menschen, die niederste Volksinstinkte entfesseln, setzen sieh durch. Ehrlich Stre bendc werden beiseite geschoben. Interessant, vielleicht aber doch ein seitiü gesehen, ist die Charakteristik des bayerischen Menschen, ilcsseii Aufrichtigkeit und Derbheit erfrischt, dessen allzu eng gezogener Lokal Patriotismus spaßhaft wirkt, dessen his zur Roheit gesteigerte Rauflust ,n öffentlicher Versammlung spricht Montag, den 18. Mai 1931, abends 8'/; Uhr im Kaufmännischen Vereinshaus, Schulstr. 5, Herr Dr. Nartum Goldmann, Berlin, über: „Die zionistische Situation nach dem Macdonald-Brief " Eintritt M. 0.50, Jugendliche und Erwerbslose M. 0.20