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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-05-08 · 19 (8.5.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
19 (8.5.1931)
Date
1931-05-08
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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s. Mai 1931 (JEMRINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 30 Jahre Hilfsverein der deutschen Juden Die diesjährige Generalversammlung des Hiltsvereins der deutichen .luden, die »in Sonntag, dein 19. April, unter dem Vorsitz von ■ r. James Simon im Hotel ..Kniserhof" zu Berlin stattfand, trug «I* 10, Jahresversammlung des Vereins einen besonders festlichen Chnikter. Unter den Anwesenden bemerkte man neben den zahlreich rschienenen Mitgliedern des Vereins aus Herlin, Breslau, Frankirt a. M., Hamburg) Königsberg, Leipzig, Nürnberg, Potsdam, Swine» nttnde, Stettin, Wiesbaden und anderen Städten eine Reihe führender vrsönlichkeiten des deutschen .ludentums. In den auf der Tagung gehaltenen Referaten wurde ein anschauches Bild des 30jährigen Wirkens des llilfsvereins entrollt, wobei ■ ■merkenswerte Schlaglichter auf die politischen Verhältnisse und die sge der jüdischen Revölkerung in den osteuropäischen Ländern, ins- ■sondere in Rußland, Polen, Litauen und Rumänien fielen. Die inige Zusammenarbeit des llilfsvereins mit anderen grollen jüdischen Organisationen, insbesondere mit der Jewish Colonisation Association, auf dem Gebiete der Auswandererhille kam vor allem in den Ansprachen Dr. James Simons und Dr. .Mark Wischnitzers zum Ausdruck, l iefen Eindruck auf die Versammlung machte die Mitteilung Max M. Warburgs, daß Freunde Dr. James Simons im Begriffe stehen, zu I hrerj des verdienten Vorsitzenden des llilfsvereins, der am 17. Seplember 1031 seinen 80. Geburtstag feiert, einen James Simon-Fonds für die Schulzwecke des Hilfsvereins zu schaffen, für den bereits ilitOOO Mark gezeichnet sind. In seiner Eröffnungsansprache erklärte der Vorsitzende Dr. James Simon, daß sich die Lage der Juden, besonders in den ■ etlichen Ländern, im Laufe der 30 Jahre des Bestehens des Hilfsvereins dauernd verschlechtert habe und eine Aussicht auf Besserung der Verhältnisse nicht bestehe. Schon im ersten Jahre seines Bestehens mußte der Hilfsverein angesichts geplanter Maßnahmen der rumänischen Regierung, durch die die dortigen jüdischen Handwerker vom Verlust ihrer Existenz bedroht waren, intervenieren, wobei es gelang, Milderungen des Gesetzentwurfes durchzusetzen. Heule seien in Rumänien ähnliche Bestrebungen im Hange, es bestehe aber weniger Aussicht, sie wirksam tiekämpfen zu können. Im Hinblick auf die jüdische Not im Osten gewinne die Arbeit des HflfsvereinS, dessen Organisation nach dem Kriege neu aufgebaut werden mußte, besondere Bedeutung. Die Anerkennung, die seinem Wirken in der Oeffentlirhkoit zuteil wurde, finde in der von keiner anderen indischen Organisation erreichten Zunahme an Mitgliedern ihren Ausdruck. Im Jahre lo:to allein wurden 44 neue Gruppen in Deutschland geschaffen. Die regulären Eingänge des Vereins sind um 30",', gediegen. Dies berechtige zu der Hoffnung auf eine immer stärkere Anteilnahme des deutsehen Judentums an der Arbeil des Vereins. Anläßlich der Besprechung der vom Hilfsverein in den einzelnen 0 (europäischen Ländern geleisteten Arbeit brachte der Redner sein Bedauern darüber zum Ausdruck, daß die Regierung in Polen kein \ rstündnis für die Lage der jüdischen Bevölkerung aufbringt und l" i keiner Gelegenheil eine Bereitschaft zur Hebung der physischen 1 I moralischen Lage der Juden Polens bewiesen hat. Auch in! imänien, wo die Juden als Staatsbürger nicht nur zweiter, sondern I ifter Klasse behandelt werden. Sei bei den wechselnden Regie- 1 Ilgen keine Neigung, der jüdischen Bevölkerung zu helfen, festsu- - ll«'ii gewesen. Generalsekretär Dr. Mark Wischnitier erstattete den Tälig- 1 P^TM *** jMffM m /fiftf u^\fm)ü^MiijiXiS ih$ml Verein „Jüdisches Jugendhaus" Leipzig, Elsterstr. 7 Postscheckkonto: Leipzig Nr. 68274 keltsberloht für das Jahr 1930. Durch die von den überseeischen immigrationsländern getroffenen Einwanderungsrestriktionen' erwuchsen den Emigrantenfürsorgeorganisatlonen besonders schwierige Aufgaben. Unter der Fürsorgt» des llilfsvereins passierten im Jahn1 1030 den Schleslsehen Bahnhof in Berlin 'iliKSli Aus- und Rückwanderer, unter diesen 7303 Nichtjuden. Im Büro der Zentrale des llilfsvereins fanden 1Ö00 Personen Beratung und Hilfe. Durch die Zusammenarbeit mit HJcem (Hlasjca-Emigdlrek) in Paris und seinen Zweigstellen in Europa und Uebersee sowie anderen Organisationen war die Möglichkeit zur Durchführung kombinierter Aktionen gegeben. Für die Emigrantenhilfe wurden 104 000 Mark aufgewendet, wodurch jüdische Gemeinden und Wohlfahrtsanstalten in hohem Maße entlastet wurden. Die schweren Ausschreilungen gegen die Juden in R u m ä n i e n im Sommer 1030 veranlagen das Präsidium des llilfsvereins, ein Protestschreiben an den damaligen Ministerpräsidenten Dr. Maniu zu richten, in dein der Erwartung Ausdruck gegeben wurde, daß die rumänische Regierung für die Durchführung der den Juden gesetzlich gewährleisteten Gleichberechtigung und die Verhinderung antisemitischer Agitationen Sorge tragen werde. Die Kulturarbeit in Rumänien wurde durch Ausstattung der im Jahre 1020 begründeten jüdischen Berufsberatungsstelle in Bukarest mit modernen Apparaten sowie durch Unterstützung der Bukarester jüdischen Volksuniversität und zahlreicher Elementarschulen und Wohlfahrtsanstalten in Bukarest, Jassy, Galatz. Kischinew und Czernowitz fortgesetzt. Die Zahl der Schüler in den vom Hilfsverein subventionierten Anstalten beträgt über 3000. Durch eine besondere Aktion wurden beträchtliche Mittel für den Neubau des vor Wt Jahr niedergebrannten jüdischen Kinderhauses in K o w n o aufgebracht. In Polen stellte der Hilfsverein 00 (HM) Mark für fünf Sommerferienkolonien sowie Mittel für das Kindersanatorium in Miedsessyn, das Kriegswaisenhaus in Bialystok und die Tachkemoni-Schule in Wilna bei. In den jüdischen landwirtschaftlichen Siedlungen in Rußland wurden 1030 bzw. Anfang 1031 zwei Ambulatorien erbaut. Das ein* liegt in Krassinak, dem Mittelpunkt der jüdischen Siedlungen im Bezirk Nikopol, das zweite, das den Namen Dr. Paul Nathans trägt, im Rayon von Dschurtschinsk in der Krim, ein drittes Ambulatorium wird demnächst eröffnet. Für den Ran der Ambulatorien und die medizinische Einrichtung wurden bisher 90638 Mark aufgewandt. Der am 'Iii. Oktober 1030 verschiedene berühmte Bakteriologe Prof. Waldemar Haffkine hat dem Hilfsverein ein Kapital von rund 1 Vi Millionen Schweizer Franken hinterlassen, dessen Erträgnis zur Förderung von Jeschiwot in Osteuropa unter eventueller Berück Bichtigung der handwerkliehen Ausbildung der Zöglinge bestimmt ist. Der II e b r ä i s c h e n U n i v e r s i t ä t in .1 e r u s a 1 e m wurden zur Einführung eines deutschen Sprachkursus und dem Misrachi- Lehrerinnenseminar für obligatorischen deutschen Sprachunterricht Mittel beigesteuert. Schließlich wurden rund 30 000 Mark dem Fürsorgewerk für die IM: r a i n e - Waisen, die seit 1822 unter der Obhut des llilfsvereins stehen, und für notleidende jüdische Studierende aus dein Ausland, die deutsche Anstalten besuchen, zugeführt. Die Ausführungen des Redners machten auf die Versammelten einen starken Eindruck. Er unterstrich den überparteilichen Charakter der Organisation, durch den es sich erklärt, daß die Sympathien für den Hilfsverein in den weitesten Kreisen der deutschen Judenheil dauernd wachsen. Dr. Sigmund Wassermann erstattete in Vertretung von Herrn Joachimssohn den Finaniberieht, aus «lern hervorgeht, daß im Jahre 1990 vom Hilfsverein insgesamt 278500 Mark aufgewandt wurden. Für das Studenten- und Ukrainewaisenhllfswerk wurden bisher im gansen 858000 Mark ausgegeben. Nachdem Rechtsanwalt Heinrich Stern den Dank und die l'< e w u n d e r u n g d e r Versa in m 1 u n g für das erfolgreiche Wirken der Leitung des llilfsvereins und seines Generalsekretärs zum Ausdruck gebracht und Geheimrai Goldfeld (Breslau) namens der Mitglieder au< der Provinz dein Vorsitzenden des llilfsvereins. Dr. James Simon, besonders gedankt und die Pllicht aller Mitglieder zu verstärkter Arbeit betont hatte, wurde dem Vorstand Entlastung erteilt. F.s folgten Ansprachen von Dr. Bernhard Kahn über die Qe- Bchichte des llilfsvereins, Bankier Max M. Warhurg über die geplante Simon-Stiftung, und JusHsral Blau, der im Namen des Hilfskomitees für die notleidenden osteuropäischen Juden in Frankfurt und der Jewish Colonisation Association in Paris sprach.

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