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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-05-08 · 19 (8.5.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
19 (8.5.1931)
Date
1931-05-08
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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(Bemciuöcblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEIN DE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG* Das Gemelndeblatt erscheint |eden Freitag und wird den Mitgliedern der Krllglonsgrmclnde unentgeltlich durch die Pott zugestellt - Schrlftleltung: Uemetnderabblner Gustav Cohn, Leipzig, Lohrstrafie 10 NUMMER 1D / JAHRGANG 7 FREITAG 8» MAI lOII Anzelgrnverwaltung und Druck: Buchdruckcrcl August Pries, Leipzig, BrQderstr. SS - Fernruf 70006 - Postscheck Leipzig 53820 - Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Die Haffkine-Stiftung für Talmud-Hochschulen (Jeschiwot) in Osteuropa An Anderer Stolle dieser Nummer veröffentlichen wir einen Bericht Uber <lie .luliiläumstHKung des „llilfsvereins der Deutschen .luden". Durch freundliche Zustimmung der Leitung des llilfsvereins sind wir in der Lage, einen aussugsweisen Vorabdruck aus dem demnächst erscheinenden außerordentlich intoressnnten ,Ialiresberi<'bt vorzunehmen. Die Schriftleituni;. Professor Waldemar M. Haffkine teilte gelegentlich seines Aufenthaltes in Rerlin Im April 1!)2!> dem Uilfsvorein mit, dafi er ein Kapital /lim /wecke der Förderung von Talmud-Hochschulen (Jetchhvot) in Osteuropa bei einer Schweizer Hank deponiert hätte, dessen Verwendung nach seinem Ableben dem Hillsverein obliegen solle. Er hatte Besprechungen mit dem Präsidenten des llilfsvereins, Herrn Dr. Simon, und mit dem Generalsekretär Dr. Wischnitser. Im Anschluß daran entwickelte er seine Ideen in einem Brief an den Präsidenten des llilfsvereins, der sich zur Ausführung derselben bcrclterklürte. Professor Hnffkine ist am 25. Oktober 1980 durch einen plAtilichen Tod in Lausanne seinem reichen Wirkungskreise entrissen worden. Gemüt! der bei der Hnnque Cnntonnle Vaudoise in Lausanne zurückgelassenen Verfügung wurde der Uilfsvorein sofort telegraphisrh von seinem Dahinscheiden verständigt. Dr. Wischnitser, der zu dieser Zeil in Angelegenheiten des Hilfsvereins in Süddeutschlnnd weilte, \ iihnte der Hestatlung in Lausanne am 25). Oktober bei und gedachte der hervorragenden Persönlichkeit und des humanitären Wirkens des Verewigten, der auch der Arbeil des llilfsvereins sein besonderes I :iteresse entgegenbrachte. Die Hanque Cnutonale Vaudoise übersandte am 28. Oktober 1930 dem Präsidenten des llilfsvereins einen Brief l'rofessor Haflkines l im 18. März 1929. Am 2!). Oktober i960 teilte die Hank mit, daß di r Verewigte die Absicht hatte, eine Stiftung zur Ausführung der 1 seinem Brief vom 18. März 192!) enthaltenen Willenserklärung zu h den. Nachstehend bringen wir aus diesem Briefe die prinzipiellen Darli ungen (in ITebersetzung aus dem englischen Original): „Die Hample Cnutonale Vaudoise in Lausanne ist beauftragt, ihnen eine Liste von Wertpapieren mit Zillsort rügnissen zu übermitteln, die ich bei dieser Hank deponiert, und einen Hrief, den h unter heutigem Datum an sie geschrieben hnbe. . . . Dns Erträgnis des Kapitals soll jüdisches traditionelles Studium ordern, und, falls der llilfsverein mit meinen Intentionen sympathisiert und eine Mitwirkung zu deren Ausführung akzeptierl. •ollen die Einkünfte zur Verfügung des llilfsvereins der Deutschen luden, gesetzlich vertreten durch seinen jeweiligen Präsidenten, [esteül werden. Das [Jebereinkommen hängt davon ab, daß der llilfsverein ein- W iiiigt, die Einkünfte zu verwenden oder ihre Verwendung zu kontrollieren für Gewährung von Subeidien an Jeschiwot oder kombinierte Tnlmud-Thora und Jeschiwot in Polen, Galizien, Litauen. Rumänien. Ungarn oder anderen Ländern Osteuropas. . . . Ich halte es für wichtig, daß die Bewilligung von Subsidien nicht als ein Mittel dienen soll, die Jeschiwot zu irgendeiner Aenderung in ihren Programmen und Lehrmethoden zu veranlassen. So z. B. bin ich persönlich der Ansicht, dafi Unterricht in Naturwissenschaften Physik, Chemie, Biologie, Geologie, Kosmographie WO er gegeben wird, eine nützliche Ergänzung der hauptsächlichen Jeschiwa-Progrnmme bildet, damit die Studenten nicht, wie es manchmal der Fall ist, nachdem sie die Schule verlassen, von dem Glänze dieser Wissenschaften betört und dazu verführt werden, die ungeheure Wichtigkeil der in den Jeschiwot erworbenen Kenntnisse zu unterschätzen. Des weiteren kann man die Meinung hegen, dafi die Schüler der Jeschiwot in einem Handwerk Unterrichte! werden sollten, wie es unsere alten Weisen waren, und dafi sie z. H. unterrichtet werden könnten in Uhrmacherei, Silber- und Goldschmiedearbeit oder anderen Geworbezwoigen. um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dadurch würde erreicht werden können, dafi diejenigen Studenten, die später keine Möglichkeit linden, ihr Leben zu fristen, nicht der Not und dem Elend verfallen. Wie berechtigt solche Meinung Jedoch erscheinen mag. so weiß ich. dafi die Leiter einiger Jeschiwot Pläne dieser Art milthilligen. und ich bin gegen jeden Versuch, sie dazu zu veranlassen, materiellen Erwägungen nachzugeben. Andererseits kann Hat in solchen Dingen, wie llauseinrichtung. Hygiene und allgemeine Reinlichkeit, Kleidung. Nahrung usw. gegeben und Hilfe in Verbindung damit erwiesen werden, und wo solcher Hat und solche Hilfe akzeptiert werden, kann Kontrolle über die Verwendung der Subventionen, die für solche Zwecke bewilligt sind, ausgeübt werden. . . . Der entscheidende Faktor für die Erhaltung jüdischer Gemeinden ist zu allen Zeiten gewesen, wie er es ganz besonders gegenwärtig ist. dall in ihnen geistige Führer vorhanden sind, die wegen ihres Wissens Ansehen genießen. Die Schulen, die allein die Führer und Lehrer und Kabbiner heranbilden, die Gehör bei den Millionen inmitten zerrütteter Verhältnisse in Osteuropa lebenden Juden linden, sind diese traditionellen F>ziehungszentren, die bereits seit Generationen das intellektuelle und moralische Leben unseres Volkes aufrechterhalten. Die großen Schwierigkeiten und Entbehrungen, unter denen diese Schulen ihre Arbeit fortführen, sind für jeden Besucher sichtbar. Daher die Bestimmungen, die ich hier treffe. Ich kann nur wünschen, daß diese durch andere Glaubensgenossen ergänzt und vervollkommnet werden. Ich unterzeichne als Ihr und lies llilfsvereins aufrichtiger Freund (gezeichnet) W. M. Haffkine." Am 12. November i960 versammelte sich der Geschäftsführende Ausschuß des llilfsvereins zur Entgegennahme eines Berichts über die Korrespondenz zwischen Professor Haffkine und dem Vorsitzen-

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