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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-04-17 · 16 (17.4.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
16 (17.4.1931)
Date
1931-04-17
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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CBemcinb eblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEIN DE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! Da» Gemclndeblatt erscheint Irden Freitag und wird , den Mitgliedern der Rellglonsgemelndc unentgeltlich ( durch die Post zugestellt — Schriftleitung: Gemeinderabbiner Gustav Cohn, Leipzig, Löhratrafie 10 ichrlftleltung: NUMMER 16/ JAHR6ANG 7 FREITAfi 17» APRIL 1911 Anzelgenvrrwaltung und Druck: Budidruckerel August Pries, Leipzig. Bruderstr. 59 - Fernruf 70006 - Poathdittk Leipzig 53920 - Nadidruck nur mit Quellenangabe und mit (Genehmigung des Verfassen gestattet Die Bibel in Roman, Drama und Film Vou S. M e i s e 1 s. ThomM Manns biblischer Roman, an tlem er seit Jahren arbeitet, wird demnächst unter dem Titel „Jakob und seine Söhne" erscheinen (ursprünglich war der Titel „Joseph und seine Brüder" vorgesehen). Felix Saiten hat vor kurzem einen Kornau „Simson" veröffentlicht. Den Simson-Stoll behandelt ebenfalls der deutsch erschienene Hornau „Narr und Prophet" von Wladimir Jabotinsky. Die grandiose David-Trilogie vou Richard Heer-llofmaiin nähert sich der Volleuduiig. Von dein jungen Dichter Alexander Lernet-llolenia hat vor nicht langer Zeit die „Neue Rundschau" einen prächtigen Einakter ..Saul" abgedruckt. Und es ist nicht lange her, da hat der biblische Film die Kunde durch die Welt gemacht. - Man sieht, Komauschrift- -lellen, Dramendichter und Filmregisseure greifen heute auf die Ur- \iiterzeit zurück und sind eifrig am Werk, biblische Menschen und liiblische Gegebenheiten in lebendiger (iestaltung vorzuführen. Dies bedeutet jedoch keineswegs eine Flucht aus der Gegenwart; es ist vielmehr ein mutig unternommener Versuch, Menschen und Begebenheilen der Bibel durch das Medium der Kunst (Segenwart gewinnen /ii lassen. Es ist doch merkwürdig, wie sich die Uibel dem (Seist und dein « eschmack der Zeit stets von neuem anzupassen vermag. Oder vielleicht ist es bei diesem alten Buch, das nie veraltet, gar nicht merkiirdig, daU es mit der Zeit Schritt hält und immer wieder eine seitemlBe Auferstehung feiert. Stofflich und gedanklich ist die Bibel i ine Art stehender l'ol in der Erscheinungen Fiucht, ein altes, ewig tngea Buch, auf das der Kulturmensch in seinem edlen Drange Himer wieder zurückgreift. Früher einmal, als das fromme Geniiii och seine Blüten trieb, da lasen dieses Buch der Vater und der ihn und die Mutter und die Tochter mit gleicher Inbrunst und fanden . i rin Erbauung und Seelenerhebuug. Heute ist das Buch der Bücher ine llaus|Kistille mehr, wenigstens nicht in dem Matte, wie es einst •wesen ist. Dafür aber hat sich heute der Kornau, das Drama, der Im der biblischen Stoffe bemächtigt, und Künstler und Schaffende Od strebsam bemüht, die schlichten Geschichten der Bibel bilderi ich und künstlerisch gewandet darzustellen. Die Aufgabt» ist nicht .cht. Denn nur ein Dichter, dein die Menschen und die Begebenden der biblischen Zeit lebendig vor Augen stehen, vermag einen Mischen Stoff zu einem groUzügigeu Kunstwerk nachschaffend zu geilten. Es gibt Stoffe, mit denen auch eine bescheidene Begabung rtig Werden kann; es sind jene dankbaren Stoffe, deren Iiinengehalt on an der Oberfläche sichtbar ist, und die sich demnach zu einer ■ astlerischen Behandlung gleichsam von selbst aufdrängen. Im bib- I chen Stoff dagegen müssen die kunstfälligen Werte wie aus einem rborgsnen Schacht ausgegraben werden, und das erfordert einen Schriftsteller oder einen Dichter, der in Zeitenfernen sehen und die 1 iiiische Welt und ihre Menschen intuitiv erfassen kann. Die Bibel war von jeher eine der Hauptquellen der Dichtung in •" en ihren Arten. Namentlich deutsche Poeten haben dieser <)tiellc Vielfach die Stoffe für ihre Dichtungen entnommen. Zunächst hatte das Mische Epos Eingang in die deutsche Literatur gefunden; ihm folgte h das biblische Drama. Am spärlichsten wurde der biblische Kornau gepflegt. Wohl die ältesten biblischen Romane sind „Assanat", ein Kornau, der die Geschichte Josefs behandelt, und „Simson. eine lleldeu- und Liebesgeschichte" von Philipp von Zesen (1619—1689). Dem eigentlichen biblischen Prosaroman begegnen wir erst seit dem Ausgange des neunzehnten Jahrhunderts. Der biblische Stoff nach seiner inneren Beschaffenheit widerstrebt im Grunde der Behandlung in Komauform, denn der Prosaroman ist vor allem Profanerzählung. eine ganz aufs Weltliche gerichtete Dichtungsgattung. Im Unterschied von der Novelle wird im Kornau jedes Wunder und jeglicher Eingriff der göttlichen Vorsehung in den (Sang der Handlung völlig ausgeschaltet. Am ehesten hätte sich manche biblische Erzählung zur Behandlung als Schäferroman geeignet, aber das gelobte Land des Schäferromans war Arkadien, nicht Palästina. So sind denn auch die meisten biblischen Komane, von älterer Zeit bis auf unsere nächste Vergangenheit, mehr biblisch frisierte erdichtete Erzählungen, als dichterisch ausgeschmückte Geschichten der Uibel. Die Beschaffenheit dieser Komane ist oft schon au ihren Titeln zu erkennen: da ist ein Roman tx titelt „Der Stern von lialalat", ein anderer „Der Stern von .Inda*', ein Kornau nennt sich kurz „Aslarte", was eigentlich nur ..Stern" (Mondgöttin) bedeutet, und ein anderer heißt „Esther", was wiederum nur die persische Forin für Aslarte ist, die Stern bedeutet. Ks fehlt offenbar diesen Romanen au innerer Leuchtkraft, und wohl deshalb werden in ihren Titeln soviel Sterne verwendet. Erst der neuzeitliche biblische Kornau - - wie beispielsweise der von Thomas Mann trägt echtes biblisches (Sepräge und ist hohes, edles Kunstwerk. Im Gegensatz zum biblischen Kornau ist die Zahl der biblischen Dramen sehr groli. In Deutschland trat das biblische Drama frühzeitig auf den Plan. Bereits im Jahre 1862 wurde bei der Einweihung des Elisabethans zu Breslau eine Komödie „Kain und Abel" aufgeführt. Von Hans Sachs besitzen wir mehrere dramatische Arbeiten biblischen Inhalts. Im 17. Jahrhundert dichtet Matthias Holzwart einen „Saul", ein Drama, das an Schaugepränge und Personen menge die modernen szeuen- und bilderreichen Bühnenstücke weit überbot. Das Stück wurde in Böhmen von 100 redenden und 609 Stummen Personen gespielt. Ein Stück „Adam und llewa" von Jakob Kuef. einem Wundarzt und Steinschneider zu Zürich, wurde 1850 in Zürich mit I0G handelnden Personen aufgeführt. Christian Weise (101'-' 1708) schrieb die Schauspiele „Isaks Opferung", „Jakobs Heirat", „Der keusche Josef" und andere; diese biblischen Stücke wurden in Zittau, einer alten Ortssitte geinäti, an bestimmten Spieltagen durch die Schuljugend aufgeführt. Besonders groll ist die Zahl der biblischen Dramen in der deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts. Es ist, wie ein Literaturhistoriker treffend bemerkt, eine recht seltsame Erscheinung, dafi im 18. Jahrhundert, in derselben Zeit, da in England. Frankreich und Deutschland der Kampf gegen die positive Keligion heftiger denn je zuvor entbrannte, die ineisten Dichter gerade auf biblische Stoffe zurückgriffen, um die deutsch«» Literatur nach langer Erstarrung zu

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