Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 15 (10.4.1931)
- Date
- 1931-04-10
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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($emeitiö ebktt OER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! Das (lemelndeblatt erscheint jeden l'reltag und wird dm Mitgliedern der kellglonsgemrinde unentgeltlich durch die Post zugestellt - Schrlftleltung: licmelnderabblncr Gustav Cohn, Leipzig, Löhrstratic 10 NUMMER IS / JAHR6AN6 7 FREITA6 lO. APRIL 10M AnzelRenverwiillunu und Drude: Ruchdrudcerct August Prien, Leipzig-, BfOdentr, 59 - Fernruf 70008 - Postscheck Leipzig 53920 - NadidnioU nur mit Quellenangabe und mit tk'nehmlKun« des Verfasiiers gestattet Die Encyclopaedia Judaica Von Dr. Max (i 0 1 (1 e. Schillert Handbibliothek in Weimar enthält auch das umfangreiche Grammatisch-kritische Wörterbuch von Adelung, «las der Dichter, der an Fleiß in der Quellenforschung zur Vorbereitung ■einer unsterblichen Dramen nicht hinter Leasing zurückstand, also mit zu Rate zog. Ol) auch Herzog Karl August in einem von Zunicke, dem Germanisten an der Leipziger Universität, angeführten Schreiben an Goethe die geringe Sorgfalt in der Klangreinheit seiner Verse In mangelte, so erschien ihm das gelehrte deutsche Wörterbuch, das zu seinen etymologischen Krklürungen vielfach noch das Hebräische heraniog, doch unentbehrlich. Eben jetzt wird auch in unserer Mitte au einem neuen Wörterbuch von zeitgeschichtlich überragender Heil' iitung gearbeitet, der Encyclopaedia Judaica. Ihrer Anlage nach bietet sie in gedrängt zusammengefaßtem Stil eine Fülle monographischer Einzeldarstellungen, welche dem gebildeten Laien die gelehrte Sonderforschung von Quellenschriften ersetzen, die ihm unzugänglich sind, dem Wissenschaftler aber durch ihre sorgfältigen Angaben und reichen Literaturnachweise gute Dienste für seine fachlichen Studien leisten. Das darin »ersplitterte Notizenwerk wird in bedeutenden Abhandlungen zu Übersichtlicher Einheitlichkeit zusaniiuengelal.ll. So sind die zeit- und geistesg< srliirhtlii'hon Erscheinungen der jüdischen V ergangenheit und ihrer jeweiligen Umwelt, auch der Einblick in die Zeit- und Streitfragen der Gegenwart und die vielumstrittenen Besiehungen «wischen den .luden und Nichljuden ohne einseitige persönliche Bewertung in objektiv neutraler Auffassung und so gemeinverständlich Bussigem Stile dargestellt, daß es die nach Wahrheit Forschenden befriedigen muß. Auch von hervorragenden christlichen Gelehrten Wird die hohe Bedeutung dieser jüngsten Quelle für die Kenntnis 'I' Literatur des Lebens und Wesens des Judentums nach Ihren ditionellen Geberlieferungen und ihrer kritischen Beurteilung rvorgehoben, zumal dieaus ihren Kreisen stammenden Arbeiten inmittelbar praktischer Verwertung mit herangezogen wurden. Schon durch seine äußere Ausstattung wird die Einheitlich- 1 des auf so großzügiger Grundlage durchgeführten Werkes eridiar, von dem bisher sechs gleich starke Bände mit je 850 Seilen hieneh sind, denen noch weitere neun und ein Registerband fol- SOllen. Sie zeigt nicht die bei romanischen Enzyklopädien häutige Istrottende Ueberladenhelt, sondern einen erlesenen vornehmen chmack, der jeder Bibliothek zum Schmuck gereicht. Dementsprechend ist auch im Druck die gleichartige Transkription aller Dichtdeutschen Wörter gewahrt. Zur Veranschaulichung und blldliai1 zierenden Krklä'ling des Textes kommen Tafeln in vielfarbigem "ruck nach dein besten modernen Verfahren hinzu, nur vereinzelt um Abbildungen von berühmten Persönlichkeiten der jüdischen Vertr;i Im i zu kr sei er- Ge gangenheil. weit mehr von kulturhistorischen Denkmälern, Altertumsfunden und Inschriften, Wappen und Münzen, Urkunden und Handschriften, Karten und Gemälden mit Darstellungen jüdischen Lebens, seiner Siedlungen und Hauten, die echt, bunt und reich belebt, die tief vordringende wissenschaftliche Forschung mit künstlerisch maßvoller Formenkraft verbinden. Diese ansprechende Einfachheit dient als Zeugnis für die bei aller Vielgestaltigkeit und Gegensätzlichkeit bestehende geistige Einheitlichkeit des gesamten Judentums und seiner Bekenner, Sie wird schon durch die große Zahl der Gelehrten deutlich, die von allen Enden der Knie zur Mitarbeit an diesem Werk von riesenhaften Ausmalten herangezogen wurden. Ihr Zusammenwirken, durch die sie alle umspannende Organisation geleitet, bekundet den unverbrauchten Kultur- und Lebenswillen unseres modernen Judentums. Ks baut sich im He wußtsein der gefühls- und geistesgemäß in ihm zusammengefaßten Kräfte für die Folgezeit neu auf zu bürgerlich modern gestalteten und dabei doch in den unvergänglichen Urwelten seiner Glaubenslehre wurzelnden Formen, die sein historisches Lebenssystein einst bis in die zartesten Fasern hinein durchbluteten. Denn die weitgreifend umwälzenden Wirkungen der Nachkriegszeit haben in philosophisch freiheitlicher Beantwortung ihrer geschichtlichen Tatsachen auch auf dem Gebiete der seit dem frühesten Altertum bis in unsere Tage zu keiner Zeit unterbrochenen Geistesarbeit unserer jüdischen Führer Wandel geschaffen. Die für die praktische Leitung und Verwaltung des jüdischen Lebens wirksamen Mächte wurden nun mehr als bisher erfaßt und für diese Arbeit ungeahnt zahlreiche Kräfte entbunden, die durch ihre geistige Zugehörigkeit und innige Vertrautheit mit jüdischer Anschauung und Gesinnung ZU deren Ausdeutung von Natur aus berufen erscheinen. So fassen sie ihre unvergänglich traditionellen Werte hier in einem grollen Sammelbecken zusammen und beleben dadurch die Triebkräfte, die ZU ihrer bisherigen Entwicklung geführt haben und ebenso zu ihrer weiteren Ausreife erforderlich sind, neu und sichern dem Judentum nicht allein seinen künftigen Fortbestand und eine frische Blüte, sondern auch den universellen Charakter, der zwar nicht seiner geringen äußeren Machtstellung entspricht, wohl aber dem hier zutage geförderten unsterblichen Ideengehalt. Daß dieses Unternehmen in deutscher Sprache und im Mittelpunkt Deutschlands zur Ausführung gelaugt, beweist die ungeheure geistige Spannkraft, die seihst in diesen schicksalstrüben Tagen unserm deutschen Volkstum blieb, ebenso wie die unversieglich schöpferische Geistesfrische des jüdischen Wesens, das, wie seit jeher, dem Leben innig verbunden, durch unablässig sich wandernde, auch in unseren Tagen sich verjüngende Anpassung an die vielfältig von ihm mitbestimmten Lebensformen