Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 13 (27.3.1931)
- Date
- 1931-03-27
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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27. Marz 1931 (iEMKlNDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIÜIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seit« 3 Uber uns und unsere (ilnubonslehren haben. MM zwei weiteren bekannten Kanzelredneri] liberaler Richtung werden diesbezügliche Verhandlungen gepflogen. Wie echot) in unserem Bericht über die letzte Sitzung des Geineinderates berichtet winde, hat der „Freiheitskampf in ganz rüder und unwahrer Weise Behauptungen über die durch unseren Prediger Herrn Em. Hei mann gegebenen Erklärungen bei den Führungen der Schüler der Höheren Lehranstalen durch die Sj aagoge aulgestellt. Die Berichtigung des Herrn Heimann quittierte der „Freiheitskampf" damit, daß er in -einer Zeitung zwar den Erhalt der Berichtigung bestätigte, ihn zu bringen aber ablehnt, da er (Jüdische Mitarbeiter nicht wünsche". K> ist nunmehr Strafantrag gegen diese Zeitung gestellt worden. Da übrigens in gleicher Sache die Nationalsozialisten im sächsischen Landtag eine Anfrage gestellt hallen, kam der Vorfall auch im Landlag zur Sprache. Der Vertreter des Kultusministers stellte an Hand der eingezogenen Erkundigungen fest, daß an dem ganzen Gerede ler Nationalsozialisten auch nicht ein wahres Wort sei. Es haben .-ich im Gegenteil Schulleiter Mm sich aus, und nicht etwa auf Anfrage, über «las Geboteue sehr anerkennenswert und dankbar in Privatschreiben an Herrn Prediger Heimann geäußert. Zu der Interpellation nahm außer den Sozialdemokraten keine Partei Stellung Diese aber rechneten sehr scharf mit den Nationalsozialisten ab und wiesen nach, daß auch Nationalsozialisten Synagogen aufsuchen, wenn es ihnen, zweckentsprechend sei, nämlich dann, wenn sie sieh auf der Flucht befinden und einen Schutz benöligen! So ist es im in igen Jahr in Prankfurt geschehen. Wir aber setzen unbekümmert um solche Anfeindungen unsere Führungen durch die Synagoge fort und können feststellen, daß diese Führungen immer stark besucht sind. Unsere Gemeinde Redaktionsschlafi für Nr. 11. Mit Rücksicht auf die gesetzlichen Feiertage wird die Redaktion für Nr. II. am Montag, dem 30. März geschlossen. Mitteilungen, die für diese einen Tag früher erscheinende Nummer bestimmt sind, können auf Veröffentlichung nur rechnen, wenn sie am Montag spätestens in 1'Iir vormittags in den Bänden der Sehriltleitnng Kind. Die Schriftleitung. lendernng der Sprechzeit. Herr Gemeinderabbiner Coh n gibt bekannt, daß er künftighin zu; ilgenden Zeiten zu sprechen sein wird: Montag. Dienstag, Donnerstag um 1112 Ihr. Freitag und Sonntag, wie auch itt anderen Zeiten, nach vorhergegangener lelefonic h e r Y erst ä n d i g u n g. l'eiijaiiiiu Segel gestorben. In Bad Pistvan. wo er sich zur Kur aufhielt, verstarb im Alter 1 in Iii Jahren unser geschätzter Mitarbeiter, der bekannte jüdische Schriftsteller und Publizist Benjamin Segel, der viele Jahre lang in i eutochland gelebt und in den letzten Jahren in Wien seineu Wohnsitz gehabt hat. Segel war einer der besten Kenner des Osliudon-! ins. eine Reihe seiner Arbeiten galt dessen Problemen. 1910 setzte sich mit Theodor Lessing in einer viel beachteten Broschüre „Die l ntdeckungsreise des Herrn Dr. Theodor Leasing zu den Ostjuden" : iseinnnder. Zu Beginn des Krieges verfaßte er eine violgoleseno Verein „Jüdisches Jugendhaus"Leipzig,Elsterstr.7 | Postscheckkonto: Leipzig Nr. 68274 Schrift „Der Weltkrieg und das Schicksal der .luden", zu gleicher Zeil die apologetische Studie „Moriah und Golgatha". 1918 schrieb er „Rumänien und seine Juden" und eine von starker Begabung zeugende Novelle „Am 'läge des Gerichtes", Nach dem Kriege erschien eine Reihe seiner liierarischen Arbeiten im l'hilo-\erlag, so u. a. „Die Philosophie des PrOgTOms" (eine scharfe Auseinandersetzung mit Blüher), und eine grundlegende Entlarvung der „Protokolle der Weisen von Zion" (1924), der er zwei Jahre später eine Studie unter dem Titel „Wellkrieg, Weltrevulution, Weltveischwörung" folgen ließ. Einige Jahre lang war Segel Redakteur der Berliner Monatsschrift „Ost und West". JUdisehe Hanspflegerinnen. Ks hat sich innerhalb unserer Gemeinde schon häutig eine Nachfrage nach jüdischen Hauspflegerinnen gezeigt, die im Bedarfsfälle nach Anweisung des Arztes Krankenpflege Ubernehmen können, oder vor allem auch bereit wären, lud Erkrankung der Hausfrau Führung des Haushaltes oder Sonstige häusliche Hilfen zu übernehmen. Um diesem Maugel abzuhelfen, haben sich dem Jüdischen Frauenbund. Ortsgruppe Leipzig, einige erprobte Frauen zur Verfügung gestellt, die zum gleichen Satze, den der Verein „Hauspflege" erhebt, je nach Bedarf tage- oder stundenweise derartige Stellen annehmen würden. Die Vermittlung geschieht durch das (ienienideamt. Fürsorge. (Fernsprecher 213 82.) Israelitischer Frauenverein zu Leipzig. Am 11..März d.J. hielt der Israelitische Frauenverein seine 78. Hauptversammlung in den Räumen der Leipzig-Loge, Arndtstr. l. ab. Nachdem die Vorsitzende die Anwesenden begrüßt hatte, erstattete sie den Geschäftsbericht. Der Verein hat durch die Schwere der Zeit sehr gelitten. In keinem Etat wie in dem der Wohlfahrtspflege empfindet man so sehr das tragische Zusammentreffen des Rückganges der Einnahmen mit der gesteigerten Notwendigkeit zu helfen. Die Schlechte wirtschaftliche Lage iiat sieh besonders zuungunsten des Frauenvöreins ausgew irkt. Die Mitgliederzahl ist zurückgegangen und trotz lebhafter Propaganda konnten nur wenig neue Mitglieder gewonnen werden. — In der Leitung des Vereins ist insofern eine Aenderung eingetreten, als der Vorstand Bich durch Zuwahl von Frau (.lompertz ergänzt hat. Die Tätigkeit des Vereins erstreckte sieh wie seit Jahren auf die Fürsorge bedürftiger Frauen, auf Berufsausbildung, auf Beisteuer zu Kuren und Badereisen. Mit herzlichem Dank au die Spender, deren Güte es zu danken ist. daß dieses Programm durchgeführt werden konnte, und der Kitte, den Verein weiter zu unterstützen, schloß die Vorsitzende den Geschäftsbericht. Dem geschäftlichen Teil folgte ein gemütliches Beisammensein, Welches durch die herrlichen (icsangsvorträge von Frau Bamberger und Frau Markise verschönt wurde. K i n n a Ii in e n : Bestand ...........M. 44.8U Rücklage............. 2 205.— Beitrüge............. 5 424.- Spenden............. 706, „ zur Hermine-Kroch-Stiftung 3000. Kupons............. 351.80 Hankzinsen........... 72.30 Wohlfahrtsrente.......... 628.95 Zurückgezahlt........ 20.— M. 12 311.35 A u s g a b e n : Bare Unterstützungen......M. 4629.20 Arzt. Apothek"........... 946.85 Lebensmittel............ 330.35 Heil l äge zu Reisen......... 821.40 Ausbildung für Berufe........ 540.40 Iura sso ............. 514.811 Propaganda. Drucksachen....... 84.70 Porto. Telephon, Depeschen...... 67.60 Beiträge au Vereine......... 180.— Rücklage............. 1 878.45 Hermine-Kroch-Stiftung ....... 3000.— Bestand 31.12.80 ........ 87.60 M. 12 511.3.-) Spenden : Frau Henriette Westheim 10. Frau Hedwig Mathias 10. Frau Martha Kallinanu 10. Herr S. liottlieb 50. Krau L. Lif-