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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-03-20 · 12 (20.3.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
12 (20.3.1931)
Date
1931-03-20
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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(Bemcinö cWatt OER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! l).is (*emelndeb1att erscheint |eden Freitag und wird den Mitgliedern der Kellglonsgemelnde unentgeltlich turdi die Post zugestellt - Sibrlftleltung: ^emelnderabblner (»UKtav Cohn, Leipzig, Lohnitra&e 10 NUMMER 12 / JAHR«AN« 7 FREITAG 20. MARZIOtl AnzelgrnvrrwallunR und Druck: ßudidrudirrrl Aupial Pries, LrlpzlK, HrOdrrstr. 59 - l'rrnruf 70006 - l'oathdu ik Leipzig 539 20 - Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Kult und Form Von Dr. Karl Schwan, Leiter der Kunstsammlung der Jttdiachen Gemeinde in Berlin. Eine im Deiember im Kunstgewerbemuseum in Herlin stattgehabte Ausstellung „Kuli und Form" hat, wohl zum ersten Male, weitere Kreise auf ein Gebiet hingelenkt, dein mau bisher im allgemeinen wenig Hoarhtung geschenkt hatte: dem modernen Kultgeiäl als Formausdrurk unserer Zeit. Die Ausstellung hat — um dies sogleich vorwegzunehmen — den Beweis erbracht, dafi unsere KQnatlergeneration den Willen und die Kraft besitzt, durch Schöpfungen, die tugleich gettthlamlSig in religiöser Ueberlieferung wie lusdruckamäBig in moderner Stilgeainnung wurzeln, unsere Kundinnen, die in einem trockenen Schema zu erstarren drohten, zu verlebendigen. Der „Kunstdienst" in Dresden hatte neben den beiden christlichen Konfessionen die Kunstsammlung der .Indischen Gemeinde in Berlin, deren Bestrebungen nicht nur der Sammlung und Erhaltung alten Kulturgutes, sondern auch der modernen Kunst gelten, aU Vertreterin des Judentums zu dieser Ausstellung geladen. Die Parole, unter der die jüdische Abteilung moderne Kultgeräte von gestickten Thoravorbängen Iiis zu den Gegenständen aus Silber und anderem Metall, aus (ilas und Keramik zeigte, lautete: „in geilt nein Zusammenhang mit der Tradition verwerfen wir eklektisch vi rwendete Kunstlormen und erstreben ein inniges Verhältnis twi- * len Kult und Leben durch verständliche Ausdrucksfonnen". — Ausdrucksform soll das Verhältnis zwischen Kult und Leben wieder- Ii stellen. In früheren Zeiten war das Gestalten der goltesdienstlirhen /.wecken geweihten Gegenstände aus tiefem Empfinden ge- I' ''ii. Der Kunsthandwerker schuf aus Obeneugung, aus innerem D ang, er „lebte" in seinem Werke. Dadurch entstanden Werke von le tloser Dauer. Form war Ausdruck. Gottesdienst war Leben. Das Stagnieren dieser Fähigkeiten hat sich im vorigen Jahrhunderl ganz bi Hilders bemerkbar gemacht. Unsere Zeil verlangt wieder nach \ rlebendigUUg, weist alles, was lote Form ist, zurück und sieht den W g hierzu in Zweckerkenutnis, die sich auch in der Material- Ii errschung ausdrückt. Di«1 in der Ausstellung vereinigten Künstler haben in manchem (l I neue Hahnen beschritten. Sie nützen in geschickter Weise die Fortschritte unserer Technik, verwenden bisher für das Kultische " it bekannte Materialen und beweisen durch derartige Geräte, dali » hierzu nichl an Tradition gebunden sind. Bin Werkstoff ist .m sie i nichi profan, ebensowenig gilt aber auch für das Kultische irgendeine Vorschrift, Gegenstände in einein bestimmten Material auszufahren Interessant ist die Verwendung alter Symbolik in den pompOsen ' I 'iavorhängen der neuen Synagoge in der l'rinzrogenteiislral.te, die -' in durch die riesigen Dimensionen mit feierlicher Ornament und Flächenwirkung arbeiten. Die freie Anordnung der Bild- und Schrittinotive enthält doch einen besonderen Rhythmus Dieser wird bei den kleinen Vorhängen von Harry Kosenthai in strengen Linien durchgeführt, durchaus modern, aber im Anschluß an orientalische Muster. Erwähnt sei hier noch eine Barches-Deeke in Batikaustflhrung von Hilda Zadikow. 1U Dreiarmiger Leurhli Fot. v. Det»chiti-Ii inovikl von Emmy Roth (Charlottenburg). Von den Silbergeräten verdienen vor allem die Arbeiten von Emmy Roth hervorgehoben zu werden. Welch Unterschied gegen die alten Gerlte! Iiier merkt man die sorgfältig)' „Hand"-arbeit, die aus dem Geffihl für das Material formt. Jedes einzelne Stück ist in sich gewachsen, tritt sozusagen mit einer selbstverständlichen Sicherheit auf. i>l Gebrauchsform und Symbol zugleich. Der (hanukka leuchter und die Bsomimbflcb.se, deren Abbildungen w ir hier bringen, sind wohl ii* - ii in den Formen, jedoch von einem so starken traditionellen Geiste durchtränkt, dali wir sie wie bekannte Stücke heerflflen. Der Leuchter schlief)! sich an die alten Chanukkaeisen an.

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