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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-02-20 · 8 (20.2.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
8 (20.2.1931)
Date
1931-02-20
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RBLIQIONSUEMBINDE ZU LEIPZIG Nummer B V * Ol * Ol ■o c 0) IM 4) s Teilzahlung gestattet I riilinmitfs - A ■■ ar,«eljf:«e T Wir haben HainstfraOeia unser seit 20 Jahren bestehendes Geschäft in Brillanten, Uhren, Gold- und Silberwaren.Trauringen,Tafelbestecken usw. in neuen, bedeutend vergrößerten Räumen eröffnet und gewahren nur kurze Zeit auf alle Waren 20—30 o\q Eröffnungs ■ Rabatt! S. Erlbaum «fr Co. Juweliere Hainstrafle 16 Tel. 16375 Gegr. 1911 früher Reichsstr. 18—20 » u n 3 O 1 (D neuschul, <Ich Almemor in der Mitte (Symbol für die Kontentrlerung der Gemeinde um einen einzigen Mittelpunkt), so hat man. in Verkennung der Besonderheit der jüdischen Gemeinde, die Aufmerk samkeil von ihrem Mittelpunkt (der Thora) abgesogen. Wie sieb darin der nkhtjttdische Einfluß der Umgebung zeigt, so auch in d< t Kunstbetätigung im allgemeinen. Jüdische Maler, selbst in ihrer Pi ■- sönlichkeil so jüdische wie Max Liebermann, lassen die Betonung ihrer jüdischen Seele in ihren Werken durchaus vermissen. Dennoch macht sich auch im jüdischen Kunstschaffen ein Wandel bemerkbar. Das Wesenhafte ist an Werken von Lesser Ury zu erkennen, die weil stärker von Jüdischem Empfinden getragen sind, als selbst Werke von Josef Israels. Die gleiche Beeinflussung des Jüdischen ist auch beispielsweise im Bynagogalen Gesang zu erkennen: einige Schallplatten inil Kantoren-Gesängen nach alter Manier und in der Bearbeitung für Orgelbegleitung sollten dies verdeutlichen. (Den zur Vorführung der Schallplatten benutzten Apparat hatte in freundlicher Weise die Firma Elektrola G.m.b.H. zur Verfügung gestellt.) Di.- Wahre Belebung der jüdischen Seele im jüdischen Kunstschaffen < r kennl der Redner au Künstlern, die noch unmittelbar aus dem östlichen Ghetto kommen. Chagall. Meidner u. a. sind Heispiele dieser Entwicklung, die sich ersl in neuester Zeil anbahnt und weiter fortsi hreiten wird. Ksadf ebaaa: der Volkspartei gegen das Wahlanrecht. Zu einer imposanten Kundgebung hatte die Volksparlei die jüdische Bevölkerung Leipzigs am letzten Dienstagabend in das Kaufmännische Vereinshaus eingeladen. Vor gefülltem Saale konnte Dr. Lehrfreund die Führer der jüdischen Volkspartei Dresden und Chemnitz, die Herren Dr. Schornstein. Dr. Sichel und Scharf begrüßen. Dr. Lehrfreund schilderte eingangs die Entwicklung des deutschen Judentums seit der Emanzipation und kam zu dem Ergebnis, dafi sie zum völligen Untergang des Judentums führe. Diese tragische Entwicklung gelte es aufzuhallen. Die Gemeinden dürfen oh ht mehr Idol! Verwaltungsorganisationen sur Erledigung einiger Kultusangelegenheiten sein, sondern müssen wieder Zentralpunkte jüdischen Lebens werden, von denen aus alle der Jüdischen Gemeinschaft gegenwärtig gestellten Aufgaben ihrer Losung entgegengebracht werden. Eine Aenderung des Syst« ms würde aber erst erfolgen, wenn alle .luden in gleicher Weise au den Arbeit) n der Gemeinde inier essiert und beteiligt sein würden. Die Argumente gegen d:is gleiche Wahlrecht seien so nichtssagend, dafi die Liberalen es nicht im In wagten, sie in der (»Öffentlichkeit vorzubringen. Auch zu dieser Versammlung seien sie eingeladen worden, besaßen aber nicht den Mut, ihren Standpunkt zu vertreten. Durch die verantwortliche Anteil nähme aller Qemeindeniltglieder an den Geschicken der Gemeinde dürfte weder eine größere Belastung der Steuerzahler erfolgen. In Gegenteil) Die erste Maßnahme der Liberalen nach dem Auszuge de Volksparteiler aus der Gemeindestube sei eine Steuererhöhung gi weseu! Die Berliner Gemeinde habe unter der Verwaltung de Volkspartei den niedrigsten Steuersatz aller jüdischen Gemeinde Deutschlands gehabt. Auch an dem Charakter der Gemeinde wind sich durch das gleiche W ahlrecht nichts ändern. Fast alle entrechtete Gemeindemitglieder seien seil vielen Jahrzehnten, zum grollen Teil von Geburl an, hier, und entsprächen den Voraussetzungen, die z. 1 das preußische Ministerium für die Einbürgerung gestellt hätte. Wen sie hier tiotzdoiu nicht eingebürgert werden, so sei dies offensichtlir auf antisemitische Einflüsse zurückzuführen. Ks siehe einer jüdisch* Religionsgemeinde schlecht an. sich den Antisemitismus gewiss. Verwaltungsbehörden für Parteitwecke zu Nutze zu machen. Di Redner wies auf die Gefahren hin. denen die .luden auch heul noch ausgesetzt seien, und forderte, daß die Einigkeit gewahrt wei den müsse. Der Kampf ginge um Gleichheil und Brüderlichkeil h jüdischen Volke. Dr. Schornstein (Dresden) beleuchtete die Forderung di allgemeinen und gleichen Wahlrechts vom Standpunkte des gesetze Irenen Judentums aus. «echt und Gerechtigkeit seien die fundamei talen Forderungen des Judentums. In der Thora heißt es: E i Gesets und e i n Recht sollen für Euch und den Fremden gelten. Wn um wird dieses heilige Gesetl in der jüdischen Ueligionsgemoim! mißachtet? Dr. Schornstein richtet vor allein an die gesotzeslrcu' Juden die Aufforderung, mit allen Kräften für Recht und Jüdisch* Gerechtigkeit einzutreten. Kr verwies auf das Beispiel Dresden wo auch die Liberalen befreit aufgeatmet hätten, als der Fried) zustande gekommen war. Dubiner schilderte in Abwesenheit des Fraktionsführers di Leipziger Volksparlei. Tumpowsky. welcher infolge eines Todesfall, am Erscheinen verhindert war. die bisherigen Bemühungen zur I reichung des allgemeinen Wahlrechts in Leipzig. Er erklärte, dal nachdem di« liberale Majorität selbst den volksparti'ilichen Vi schlag auf Einsetzung einer Kommission abgelehnt hätte, und V( einem Verordneten gesagt wurde, die ausländischen Gemeindem glieder sollten froh sein, unb>r dem Schutze der Gemeinde zu stein nichts weiter übriggeblieben wäre, als die Aemter zur Verfügung Stellen. Kr appelliert an die 2 orthodoxen (iemeindevertreter. d doch auch durch ausländische Stimmen gewählt seien, nicht am An zu kleben und sich dein Vorgehen der Volksparlei anzuschlieli Scharf (Chemnitz) klagte die Leipziger Orthodoxen an, d si.> Zwiespalt unter die Ostjuden brächten. Durch Einigkeil würde d Recht erkämpft werden. Dr. Sichel (Chemnitz) wandle sich in leidenschaftlichen A führangen gegen die liberalen Machthaber. Er fragte, ob die de sehen Juden vor der Emanzipation etwas anderes verlangt hüll wie wir heute. Wir verlangen Menschenrechte und dulden nl mehr. Parias zu sein. Auf unserer Seite sei das Recht, und in dies /.eichen würden wir auch siegen. An die Referate schloß sich eine lebhafte Aussprache an, an > sich jedoch kein einziger Liberaler beteiligte. Dr. Lehrfreund setzte sich in seinein Schlußworte mit den I kUSSionsrednem auseinander und betonte, daß die jüdische Voll partei sich nun nicht mehr mit Protesten begnügen würde. Wenn rl Liberalen nicht Rede stehen wollten und den Mnchtstnndpunkt h vorkehren, so würde man dieser Macht die Macht des Staates 1 gegensetaen. Behörden und Parlament brächten mehr Verständnis als di" gegenwärtige Verwaltungsmajorität der Gemeinde. 1 Kampf um das allgemeine und gleiche Wahlrecht würde mit a Energie durchgeführt werden. /Cum Schluß brachte Dr. Lehrfreu mm fmmm ^y». Sj mm ^y>. mm mm —^ äff^fl «g^ zur Erweiterung für unsere* Inserenten zt bHIIsCwIUCIIcII Icll IC Originalpreisen und pünktlicher Erledigung für die fällige Nummer bis BJB 1Agf Wl äTm■ ■ -f m m-m ■ ■ m-m n Dienstag früh 10 Uhr jeder Woche bei IWIb WW ■ 11911 ¥ 111911 Iii) sSPUhlo

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