Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-02-13 · 7 (13.2.1931) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
7 (13.2.1931)
Date
1931-02-13
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4876568-5968779-5969232--3737-4878111
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ßeraemö eblott DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU EIRZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! DM Grmrlndoblalt erscheint Jeden Freitag und wird \tn Mitgliedern der Kellglonsgemelnde unentgeltlich hirdi die Pcwt zugestellt — Srhrlftleltung: womelnderabblncr Gustav Cohn, Leipzig, l>ohrstrafle 10 NUMMER 7 / JAHRGANG 7 FREITAG 1t» FEBRUAR lOll Anzeigenverwaltung und Druck: ßuehdruckeret August Pries Leipzig, BrOilerstr. 59 - Fernruf 70006 - Postschedi Leipzig 53920 - Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Am 5. d. M. verschied kurz vor Vollendung des 72. Lebensjahres Herr Emil Plaut. Der Heimgegangene hat 27 Jahre lang unserer Gemeindevertretung angehört, davon 8 Jahre als Mitglied des Gemeindevorstandes. Mit seltener Pflichttreue und Hingabe hat er die Tätigkeit in diesen Amtern ausgeübt und durch Herzensgüte und sein vornehmes Wesen zu wahrhaftem Ehrendienst gestaltet. Bis in die letzte Zeit war er noch in der Wohlfahrtspflege unserer Gemeinde tätig und hat auch dabei seine edlen menschlichen Eigenschaften bewährt. Wir rufen dem Entschlafenen unseren Dank in die Ewigkeit nach und werden ihm ein dauerndes Andenken bewahren. Leipzig, den (>. Februar ,031. Dej. Vorstand und die Verordneten der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig Wi Dostojewskis Stellung zum Judentum Zum 50. Todestage: 9. Februar (28. Januar) 1881 —1931 Von S. Taubes (Wien). ir Dostojewski Antisemit? Auf diese Frage lüUt sich weder mit einem strikten Ja, noch auch 111 il einem entschiedenen Nein antworten. Die Weitherzigkeil und der seelische Im fang eines Dostojewski Ii en sich nicht in den engen Rahmen einer definitiven Entscheidung 1?sen, insbesondere wenn mit dieser Entscheidung das Urteil übet 1 1 ganses Volk, eine Nation, kurz, ein Werturteil über Mensehen * bunden ist. Darin liegt ja gerade der ungeheuere Reil und gleichzeitig das ädere Element im seelischen Wesen Dostojewskis, dafl er von sich t.ist niemals oder nur sehr selten definitiv urteilt, geschweige denn 1 Urteile eindeutig formuliert, sie zum gangbaren Schlagwort um- P I Die gewallige. uferlose Seele dieses beseeltesten l'omnnschrifters aller Zeiten hat die Fälligkeit, sich in eine Erscheinung, in einen I 'blichen Charakter bis zu dein (Irade zu vertiefen, dafl er sie •Ulich völlig auflöst, sie sozusagen zu ihrem Ursprünge SUrfickfOlirt. Aber eben diese Fähigkeit behält er für alle Erscheinungen II! .'ür Charaktere jeder Art, also auch für solche, die einander 1 neiral entgegengesetzt sind. Damit bewirkt er nun zweifellos «neu Ausgleich, eine Versöhnung der (iogensälze. nur greift er damit vor. Denn die QogcnsItlC müssen sich erst bekriegen, ehe sie lieh versöhnen; er aber versöhnt, durch «Ii«- auflösende Kraft seiner I. psychologischen Vertiefung, die sich in der Wirklichkeit bekämpfenden Qegensltie schon im vorhinein. Er erlöst sozusagen Freund und Feind, indem er sie alle im Spektrum seiner mitleidigen, allumfassenden Seele schaut. Spricht ja Dostojewski in einem seiner Romane, in einem ähnlichen Zusammenhang, sogar von einem besonderen höheren Kulturtypus, der sieh einzig in Rußland herausgebildet bitte, vom ..Typ des universalen Leidens für alle*. Darin liegt eine heroische Tal. ein großartiger Wert, ein Strahl aus dem Reiche messianischer Zukunftssonne. Aber darin liegt auch, wie gesagt, ein Nachteil. Denn in der Wirklichkeit bekriegen sich die Qegensltie hart, blutig und unbarmherzig, und wo es Kämpfende gibt, mufl man sich auf eine Seite schlagen. Da mufl mau auf einer, auf seiner Seite stehen, die Parole seiner Mitkämpfer teilen. Dostojewski aber gibt keine Parole aus. Er formuliert keine bestimmten moralischen Direktiven. Er analysiert wohl die von ihm behandelten Personen in Besiehung zur Moral, ja zu religiöser Moral, aber er formuliert keine direkte moralische Forderung. Er spricht nicht das Wort aus. um das mau sieb schließlich scharen soll, das Wort, das die (ieislor bOWUBI scheiden und zum endgültigen Kampfe aufrufen sollte, zum Kampfe des bewul.it (Inten gegen das bewul.lt BOSO. Kurz. Dostojewski hat wenn man so sagen darf - nicht das allerletzte Wort gesprochen! Dabeiauch konnte es geschehen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.