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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-01-23 · 4 (23.1.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
4 (23.1.1931)
Date
1931-01-23
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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® emeinb cWatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! Das (Jemelndeblatt erscheint Jeden Freitag und wird den .Mitgliedern der Kellglonsgcmelnde unentgeltlich durch die Post zugestellt — Sc hrlftleltung: Crmelnderabblner Gustav Cohn, Leipzig, Löhrstratte 10 NUMMER 4 / JAHR6AN6 7 FREITAG 2t» JANUAR 10*1 AnzelgcnverMaltung und Drink: BuificIruckiTcl August l'rlcs, Leipzig, HrOdcrstr. 59 - Fernruf 70006 - l'ostsduck LelpzlK 53920 - Nadidrudt nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Ein Hausschatz jüdischen Wissens Zur Vollendung «li's „Jüdischen Lexikoi Mit der kurz vor Jahresschluß 1880 erfolgten Ausgabe des 2. Teiles des l. Bandes des Lexikons hat ein Work seine Vollendung gefunden, das dem Organisationstalent seiner Herausgeber zur Ehre, der judischen Wissenschaft zur Zierde, dem jüdischen Leben tu vielseitigem Nutzen gereicht. Acht Jahre Vorarbeit, drei Jahre Veröffentlichung von fünf starken Bänden, Zug um Zug, uiil einer nicht wesentlichen Ueberschreitung des Umfangs, das ist angesichts der Fülle «les Stoffes trotz Inanspruchnahme der besten Hilfsmittel moderner Buchtechnik eine außergewöhnliche i nistung der Redaktion und ihres Stabes. Diese haben sich zu Anfang durch die gleichzeitig ersclieinende, alter Itreiter angelegte „Jüdische Enzyklopädie" (im Bschkol-Verlage) nicht beirren lassen. -.....lern kurzerhand ihr dem Jüdischen Verlage anvertrautes Werk bescheidener „Jüdisches Lexikon" benannt, sich zu populärer Darstellung und mäßigerem Preise entschlossen, und dürfen heute mit Stolz und Demut zugleich ihr „Schehechejonu" sprechen. Kin flüchtiger Blich in den Schlußband läßt sogleich die Vorzüge der Anlage des Ganzen erkennen; ja man verspürt es. daß der \pparal sich nun vollkommen eingespielt hat. Der Wunsch, daß e Bezieher schon heute auf einen Supplementband abonnieren liieii. zeigt am besten, wie sehr den Herausgebern während der bell die Kräfte gewachsen sind. Ks wird ihnen schwer, hinter n letzten Buchstaben den endgültigen Schlußpunkt zu setzen, wo doch manches übersehen sein mag, anderes (z. H. das reichhaltige statistische Material) allzu zeitbedingt ist. und dem schnellen Yer Ii unterliegt Sie dürfen versichert sein, gerade im Hinblick auf Artikel über die wesentlichen Stücke des Judentums Und seine giös-politischen Fragenkomplexe, ein Werk von bleibenm Werte geschaffen ZU haben. Wir verweisen allein - dem letzten Teile auf Autsätze über: Sakramente. Si tili keil. Sohar, Sozialismus. S p e i s e g e s e t i. e . lachen. Staatsgedanke und -recht. Synagoge, Palmud, Targum und Tora, und glauben keinem Widerlich zu begegnen. Die Namen LeoBaeck (Berlin), Marcus Cohn lasel), Diene mau u (Offenbach), luchs (Chemnitz), -I. Outtinn (Berlin), Joseph (Stolp), Kren gel (Kalibor). Wiener Hin), die hierfür zuvörderst zeichnen, bürgen für Strenge Sach ikelt. Man wird nicht erwarten, daß die religiöse Stellung dieser lehrten eine Völlig einheitliche sei. wenngleich die liberale Note irk anklingt. Ks ist vielmehr rühmend hervorzuheben, daß kein larbeiter seinen Standpunkt durch Polemik gegen eine andere rhtung überbetont, ja auch nur in schroffer, einseitiger Weise ' irträgi Kin wohltuender Geist friedvoller Wissenschaltlichkeil lührl diesen Männern die Feder; sie wollen keine Ueberzeugungen Von Dr. s. s a in u e I (Essen). aufdrängen, sie wollen belehren, K.....itnisse ausbreiten, jedem Hilfe und Beratung verleihen, der sich vertrauensvoll au das ..Lexikon" wendet. Diese Absiebt wird fast restlos erreicht. Ks mag ferner darauf hingewiesen werden, daß der im Vorwort zum 1. Bande erhobene Ausspruch, das erste derartige Werk in deutscher Sprache zu sein. also die deutschsprechende jüdische und nichtjüdische Welt zuerst im Auge gehabt zu haben, voll berechtigt war. Als der „Ozar Jisrael" hebräisch und die ...low rnjskaja Kncvklopedia" russisch erschienen, hatte die 12bändige ...lewish Kncvklopedia" l'ate gestanden. Viele Artikel der letzteren wurden einlach aus der englischen Sprache Ubertragen. Nach 4(1 Jahren, die seit dein Werke von Isidore Singer und seinem glänzenden Mitarheiterstahe ins Land gegangen waren, ist aber nicht nur eine neue Generation herangereift, — man kann fast sagen, die ganze Erde hat ein anderes Antlitz bekommen. Der Weltkrieg war der Weltbrand, aus dem sie neu hervorgegangen ist. Auch das Judentum sieht sich neuen Lebensbedingnungen gegenüber, z. T. hemmenden, z. 'I'. aber fördernden. Unerhört neue Probleme wurden ihm gestellt; alte mußten in verändertem Lichte gesehen werden. Auch das konnte an dem ganzen Gepräge und tieferen Gehalt des Lexikons nicht ohne Wirkung bleiben. Selbstverständlich ruhen seine Artikel und Aufsätze auf der gesamten bisherigen Forschung; aber für viele von ihnen gab es nur ganz geringfügige Vorarbeiten, für manche gar keine; wir haben es also im eminenten Sinne mit einem W e r k e h o her Or iginalil ä t zu tun. Damit war notwendig ein weiteres verknüpft: das Jüdische Lexikon gewährt der nationalen Wiedergeburt des Judentums besonderen Nachdruck, die Haltung zu ihr wird zum Schibolet lür die Beurteilung moderner Persönlichkeiten; sie seien nun von der Familie eines Monteflore oder der Dynastie des (lerer Rebbe. Man hat dies tadelnd gleich nach Erscheinen des t. Bandes hervorgehoben. Heute müssen wir sauen, daß sich der Tadel in ein Lob verwandeln läßt. Von dem Redaktionsstabe, wie er vor die Oeftentllchkeil trat, etwas anderes zu erwarten, als daß er zionistischen Gedankengängen und nationalen Fragenkomplexen einen großen Raum gewähren mußte, wäre verfehlt gewesen. Aber es ist nicht so. daß nun der Liberalismus und die Orthodoxie ihr eigenes Lexikon fordern müßten. Die Gerechtigkeit fordert zu bekennen, daß das Jüdische Lexikon von seiner (irundansehauung aus Licht auf alle ü b r i g e n s l r o m u n u e n u n d R i c h t u n g e n i m heutigen Judentum fallen läßt In dem jetzt abgelaufenen Jahrzehnt gebührte zweifellos dem Zionismus eine gewisse Vormachtstellung. Iiis* in die kleinste Geineindestube hinein drängte

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