Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 1 (2.1.1931)
- Date
- 1931-01-02
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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2, Januar 1031 QEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seile 7 Juwelier und Schützling Gustavs Hl. von Schweden und Min Kriegs lieferant In russischen Krieg, den er im Hauptquartier genau kennenlernt Bin schlichter Manu, doch von polltlachem Bchartblick, diplomatischer Gewandtheil Und Tatkraft, der es verstand, den streue kirchlichen Schweden das Niederlassungsrecht für seine Glaubensgenossen romdich a bau trotten und so zum Begründer der ersten jüdischen Gemeinde in Schweden wurde. Kiu schlichter Mann, aber ein geborener Schriftsteller, dessen naiver reffsicherer Ausdrucksweise ein großer Reil anhaftet, und der eine der kuriosesten Lebensgetchichten, oln höchst aufachluBreiches Zeil lokument hinterlieB. Den Leipziger Leaer der interessanten Selbstbiographie wird an dein Buche besonders der stete Hinweis auf die Leipiiger Messe fesseln. :Himer wieder tritt die auUerordenllich wichtige Kollo in Kiselioinung, die Uesen Messen im wirtschaftlichen Lehen auch der Juden zukam. Oh es :ult, ein Unternehmen neu aufzurichten oder einem Geschäfte Brsata ttr verkaufte Waren IUSUfuhren: der Gedanke an die Leipiiger Messe itand im Vordergrunde. Kiu Unternehmen, das nicht sugrunde gehen rolltet konnte auf die Leipziger Messe nicht verzichten. Dr. -I. Müh/.. Jüdisches Lehen im Mittelalter. Kiu Beitrag zur Kulturgeschichte der deutschen .luden. Mit Illustrationen. Leipzig 1!W0 (Verlag M. W. Kaufmann). Ks mag wohl hald Vieriig Jahre Ihm' sein. IIa ging ich, ein kleiner Knirpa, in eine jüdische Bücherei und erbat vom Bibliothekar eine Jüdische Kulturgeschichte". (Jan/, entgeistert sah der Manu mich an. Und saute, als er begriffen hatte, was ich wollte: das gibt es nicht; da ituB man GraetS oder eine andere allgemeine jüdische Geschichte lesen. Kine Darstell II IIK der jüdischen Kulturgeschichte gild es noch heute icht, wenigstens keine von Juden auf intimer Kenntnis der Jüdischen Vergangenheit beruhende. Aber Abhandlungen Uber Teilgebiete oder Beiträge mit. skizzenhafter Zeichnung einzelner Zweige der kulturellen I »asuinsformeii der Juden. Als ein werlvoller Beitrag zu dieser doch Hcht wichtigen Literaturgattung darf die vorliegende Arbelt gebucht erden. In zwölf Ausschnitten werden auf Grund alter Quellen Bilder is dem häuslichen und dem Gemeindeleben unserer auf deutschem Loden lebenden Vorfahren im Alltag und au Kesten, in frohen wie in ' üben Stunden, im Kampfe um das Dasein und in lebendiger Betätigung jüdischer Sittenlehre und Frömmigkeit entrollt. Solche Bilder haben einen bedeutsamen Wert: sie wirken wie ein Anschauungsunterricht für jüdisch-religiöse und jüdisch sittliche Kehre. Sie zeigen das J Klent 11 in, wie es einst Lebensnahe besaß, und weisen einen W eg zur 1 ebensnahe auch denen, die hellte nur ein Sehnen nach lebendigem .i i den tum empfinden, damit aber nichts anzufangen wissen, ist auch, was hier aus alten längst entschwundenen Zeiten vor uns erstellt, in vielen für den heutigen Menschen für immer vergangen: der jüdische '.'•ist. die gemütbildende Gewalt dieses jüdischen Lebens kann, wenn such gcwiU in mancher veränderten Gestalt, dem heutigen Menschen SUtell worden, wenn er nur erst einmal vom Sehnen zur Verwirklichung □reiten will. Von diesem Gesichtspunkt aus, nicht minder aher für den Freund von Bildern aus vergangenen Zeiten, ist das vorliegende Bucht dessen gute Ausstattung durch acht interessante Itihlhcigahcn reichert ist, eine »Juelle der Anregung und der Freude. (!. ('. Neue Veröffentlichungen der Sum-ino-Hi-scIlst-huf| (Irr Freunde des liilisrhrs Buches. Diese vor Ii Jahren gegründete, nach der klassischen Mischen Druckerfamilie des 1.1. und lti. Jahrhunderts aus Solu im, •nannte Gesellschaft erfreut soeben wieder ihre Mitglieder durch eine Iteihe erlesener Publikationen. Lektüre und Studium der vorbildlichen Drucke entführen aus dem Alltag und entrücken den Kundigen in eine Veit nhseits von Zweck- und Kcchonliafligkeit. Ich gehe den höchsten lang aus der Iteihe der diesjährigen Veröffentlichungen dem edlen in Italienischer Antiqua gesetzten (Juarlliuud: „Franz Kosensweig,!• i ii 11 u c Ii des <S c d e n k e n s". herausgegeben von Herrnann d e y e r. Diese Sammlung ergänzt in glücklicher Weise die Frankfurter i'deiikschrift für Kosenzweig. Das (iedenkbuch der BoncJnO-Gesell haft enthält einen Beitrag von Simon unter dem Titel „Versuch (liier Itosansweic". Die Holle, die die ideengeschichtlichen Forschungen Fried- .ch Meineckes. der Neu-KantianJsmUI Hernann Cohens, <l:is grolle idische Wissen und die zerrissene l'rohlematik von Italihiner Ncheuiss Möbel in dem Werke Koseiizweigs gespielt haben, wird auf diesen Seiten nur vollkommenen Klarheit gebracht. Weiter sind in dem Bannelband ertreten: Martin Buber »Kür die Sache der Treue), Gerhard Scholen (Diwn Ankara) und mit Erinnerungen aller Art Hertha ltadt-Strauss. largarete Busman, Jos. Prager, Viktor Bhrenberg und Hermann Hadt. Hochinteressant ist auch die zweite Gabe: 11 a b Ii i n i ■ c h e Lenden von Gottlieb v. Leon, ein GroB-Oktav-Bändchen, galtst aus dem Cicerograd der Garamond-Antiqua und tSaramoud-Kursiv. 1 Ottlieb V. Leon (17.17 1WJ) war Kustos der Wiener Hofbibliothek; seine ' taldi in i schon Legenden" erschienen zuerst ls2t in Wien und waren Inen „verewigten Freunden" Michael Denis, .loh. Gottfried Herder al Johannes v. Müller gewidmet. Diese sehr anziehende Sammlung, ein Gemisch von aUdraschln und Herderscher Volkspoesie, sollten nach der ' sieht <les Verfassers in den Jahren nach der BmansipatJon eine Rrflcke -zwischen jüdischem und christlichem (leisi schlagen. Wertvoll sind auch die erweiterten und reichhaltigen beiden M i tteilungaheft e d a r G e ae 111 c h a f t Nr, 5 und 6. Daraus kann hier nur auf den außerordentlichen Vortrag von Dr. Israel Auerbach hingewiesen werden: Lohend ige jüdische Wissenschaft. Wie die Kinanzipalion auch ein Schwinden der guten Geister dos jüdischen Buchet bedeutete, Ist nie so eindringlich und bewegend geschildert worden. Ks ist erfreulich, datl diese „S 0 n o i n 0 - N a c h r i e h t o n" von jetzt ab erweitert vierhis fünfmal erscheinen sollen, und daß sich die Herren Dr. Kritz Bamberger und Herrmann Meyer für die Redaktion zur Verfügung gestellt haben. in dem gleichfalls veröffentlichten Jahresbericht der Gesellschaft wird auf die h e i> r ä i s c h e M o u u m e n tu I -B i be 1 ausführlich hingewiesen, die nach jahrelanger Vorbereitung jetzt zu erscheinen beginnt Dieser Druck, der ein Musterbild der hebräischen Buchkunst zu werden verspricht dürfte in weitesten Kreisen lebhaftestes Interesse erwecken. Das Organ der Gesellschaft, die Soncino-Blätter, ist durch das Doppelhelft Juli 1980, das als „Festschrift für Heinrich Brody" erscheint, in glänzender Weise fortgesetzt werden. In dein (Jeist dos berühmten Entdeckers und Brklärera hebräischer Poealo sind die wissen schaftlich wertvollen Beiträge der bekanntesten modernen jüdischen Qelehrten abgefaßt, allerdings nur den Spezialisten zugänglich, aher auch dem außenstehenden Liebhaber echter jüdischer Geisteskultur ein Ansporn und ein Wissenssiel, Die Boncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches (Geschäftsstelle Berlin (' Ü, Kaiser-Wilhelm Str. l'Ji verdient uneingeschränkte Förderung durch jeden deutschen Juden jeder Richtung. Der Jahresl.oitrag beträgt M. 21.—. Hierfür werden den Mitgliedern sämtliche Publikationen ohne weitere Nachzahlung geliefert. ,as ry^ni 1 Nachalath Z'wi, Eine Monatsschrilt IQr Judentum in Lehre und Tut. Herausgegeben vom Vorstand der Rabbiner-Hirsch-Ge- •eUschs ft. Frankfurt a. M. (Verlag: Allerheiligenstr. 40). Vor einigen Monaten wurde die Kahhinot-Hirsch-Ilesellschaft begründet, die sich zum Ziele gesetzt hat, die in S. R, [Urachs Werken niedergelegten Geistesschätse immer mehr in der indischen Welt su verbreiten. Die entsprechenden Programmpunk to haben folgende Kussmig- 1. HSranbringung des geistigen Brbes Rabbiner S. lt. Hirschs durch Schrift und Wort au alle, die seiner unter den verwirrenden Bin- Rüssen der geistigen und kulturellen Strömungen unserer Zeit mehr als je bedürfen, durch Verbreitung seiner Weltanschauung und der von ihm gelehrten jüdischen Wahrheiten iinf dem Gebiete des Binsel-, Gemeinde und Gesamtholtslobens. Verbreitung seiner literarischen Werke in den breiten jüdischen Volksmsssen durch Popularisierung, Verarbeitung sowie durch ihre Ueborsetsung vor allein ins Hebräische und Jiddische. Vorsitzender ist RabbinatsaSSeBSor Posen (Frankfurt a. M.i; dem Vorstände gehören unter anderem ferner an: Oberrabbiner Bonnenfeld (Jerusalem), Oberrabbiner Fürst (Wien). Die Gesellschaft tritt nun mit einem eigenen Organ »Nachalath Z'wi" an die Oeffentllchkcit. In dem neuen Organ ist außer dem einleitenden programmatischen Artikel ein bisher noch unveröffentlichter O r i g I n a I b r i e f von Rabbiner Sa m son R a i> h a <■ l Hirsch besonders hervorsuheben, welcher die Kommen tierung zweier agadlscher Stellen des Taliiiud zum Gegenstand hat; P, K. (Rabbiner Dr. Pinchaa K o h n) stellt die I d e o logi e d e r A g u - das Jisroel dar: Isaae Breuer beginnt eine Studie über die g o g e n w ä r t i g e Lag,- d e r d e u t s<• h e n .1 u d e n hell mit einem Essai üher Hitler. Rabbiner Dr. Joseph Breuer beginnt eine Artikelserie üher F r a g c u d e r j il d i ■ c h e n W 0 11 a n S c h a u u n g. Rabbiner Dr. K. M u n k (Ansbach), skizziert S t r S m ii n g c n i ii ii c r Ii a II, der j ü d i s c h e n .lug o u d 1) e u t s c h 11 U d s. ......topp und sclilarks. die beiden Pärchen". Text von Dr. Herbert Roth — Bilder von K. A. Müller (Dresden 119311, Deutscher Verlag für VoUnwohlfahrt ti. m. b. II..). Karl. M. 8.—. Kill richtiggehendes Bilderbuch mit bunten lustigen Bildern, mit knappen, einprägsamen Versen. Das ist zunächst einmal die Hauptsache au dieser Neuerscheinung! denn die Voraussetzung für das, was der Herausgeber sich vorgenommen hat. ist: dal! das Büchlein als amüsantes Spielgerät voll den Kindern angenommen wird. Haß dabei, und zwar Aditunq? rrwerftsloset Aditongl Kollegen! Kolleginnen! Am S.Januar 1931 findet pünktlich 2 Ulir in der jüdischen Lesehalle, Keilstraße 4", eine wichtige ErwcrDslosenwersoininlDnü statt. Erscheinen aller ist Pflicht Erwerbslosenaussschuß.