Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 1 (2.1.1931)
- Date
- 1931-01-02
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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toemö cblcdt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! Das <!emelndel>l«tt erscheint Jeden l'reltttR und wird den Mitgliedern der RellKtonwemelnde unentgeltlich durch die l*os( ztiifetttellt — S C h r I f t I e 11 u n | : (>emelnder«hblner Gustav Cohn, Leipzig l.öhrstrntte 10 NUMMER 1 / JAHRGANG 7 FREITAG 2* JANUAR 1011 AluetgenTOiraltunfl und Drude Budulrudicrcl August l'rics, Leipzig, KrOdcrstr. 59 - l'crnruf 70006 - l'ostsdicik Lvin/.lg 53920 - Sathdrudt nur mit Quellenangabe und mit (.enehmigung des Verfassers gestattet Der Messias von Ismir (.1 o 8 e f K a ein, s a l> I):i i a i Z e w i. Der Messias v on l s m i Von s. Meiseis. ttr.tn. K ,■ ii st Iio w oh 11 V erlag, Be rl i n.) In Zeiten harter Bedrängnis schöpften die Juden Trost, Hoffnung und neuen Lebensmut aus den messianisehen Verheißungen, die im biblischen und nachbiblischen Schrifttum enthalten sind. Aber pine Quelle der Trübsal, der Enttäuschung und niederbeugender seelischer Verdrossenheil waren die messianisehen Bewegungen, die in den Notzeiten jüdischen Qeschichtslebens entstanden. Die Messiasidee, die in /.eilen grausamer Verfolgungen und unmenschlicher Bedrückungen wie ein letaler Hoffnungsschimmer in die düstere jüdie Wirklichkeil hineinleuchtete, lud dem Judentum mehr Wunden geschlagen als solche geheilt. Dali der Messiasgedanke in mystische Schwärmereien ausartete, ist nur zu natürlich. Denn mit dem Wuchsen der Judennot, die den .luden überallhin folgte, wuchs gleich teitig der Zweifel aii einer natürlichen Rettungsmöglicbkeit, und erhob sich dii1 Hoffnung auf eine übernatürliche Hille. An einer liatür liehen Erlösung verzweifelnd, wurde der Messiasgedanke allmählich in das trübe Fahrwasser der Mystik hinübergeleitet, wo man zum allgemeinen Trost an eine übernatürliche wunderbare Erlösung anknüpfen konnte, liier und da standen Männer auf. verantwortungslose, von Ehrgeii gepeitschte, ins Dunkelneti der Mystik verstrickte Individuen, Geblendete oder schlechthin betrogene Betrüger, die sich;>ls Messiasse ausgaben, Wunder versprachen und Unheil stifteten. Schon die messianisehen Bewegungen des Altertums, die noch religiös-politischen Charakter halten, vermochten das liebste Kind des Volksglaubens, das Wunder, nicht zu entbehren. So verhieß der Schwärmer Theudas, der im Jahre Iii der üblichen Zeitrechnung als Messias auftrat, gleich Moses den Jordan zu spalten und seine Anhängerschar trockenen Fußes hindurchsufOhren. Mehr als 100 liläu hige schlössen sich ihm au und zogen mit ihm zum Jordanufer, um das Messiaswunder zu schauen. Das Unternehmen fand ein klag liches Ende. Eine vom Landpfleger Cuspius Fadus ausgesandte römische Reiterschar überfiel die wundergläubigeii l'ilger, lötete viele voll ihnen und nahm den Itest gelangen; Theudas wurde enthauptet (Vgl. Josephus Aull. 20, 5. I.) Kin zweiter Theudas war ein inysti- -cher Schwärmer auf Kreta, der sich den Namen Moses beilegte und -ich dem Volke als Messias ankündigte (Anfang des 5. Jahrhunderts). Sämtliche Judengemeinden der Insel hingen ihm au. Der falsche Moes unternahm wirklich das Experiment, trockenen Fußes das Meer ku durchschreiten; er und mehrere seiner Anhänger, die ihm gläu big gefolgt waren, ertranken im Meer. Auch Serenus in Arabien (um 720) und Obadja Abu-Isa in Persien (um 750), obgleich sie mehr Iteformatoren als mystische Schwärmer waren, gaben sich als Melasse aus und spekulierten auf die Wundergläubigkeil des Volkes. Rine der merkwürdigsten Erscheinungen unter den Pseudomessiassen war Abraham ben Samuel Abulafla aus Saragossa (1240 1291). Kr war ein kabbalistischer Abenteurer; schon als Jüngling wollte er den sagenhaften Fluß Sabbation und die an dessen Ufern angeblich wohnenden zehn Stämme aufsuchen. Kr rühmte sich der Kenntnis einer höheren Kahhala und hielt sich für einen Propheten. Im Jahre 1184 erklärte er sich offen als Messias und kündigte das Jahr lliiu als Erlösungsjahr an. Was für ein sonderbarer Schwärmer dieser Abulafla war, gellt schon daraus hervor, daß er in Koni den Versuch wagte. Tapst Martin IV. zum Judentum tu bekehren. Im 15. Jahrhundert waren es abwechselnd Ascher Lämmlein, David Reubeni und Salomo Molcho, die das Messiasreich ankündigten, Alle diese messianisehen Bewegungen endigten kläglich und brachten dem Judentum stall des verheißenen Heils nur Schmelz und Enttäuschung. Die größte aller uiessianischeu Bewegungen im Judentum wai unstreitig die Bewegung, die der Messias von Ismir (Smyrna), Sabbalai Zewi, hervorgerufen hat. Sie w ird nicht mit Unrecht in der jüdischen Geschichte die grolle messianische Bewegung genannt; sie hatte überall in Europa, Asien und Afrika, in allen Städten, wo Juden wohnten, begeisterte Anhänget gefunden. Es war eine niessianische Bewegung, wie sie wirklich nur in der eisten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts entstehen konnte, in jener Zeit, da die mystische Kabbala eines Luria und Chajim Vital allenthalben im Schwange war, jüdische Gelehrte und Kabbalisten die Ankunft des Messias mit Jahreszahlen genau bestimmten und da von christlichen Mystikern in England das Jahr lliliii als das messianische Jahr bezeichnet wurde. Und der Kosakenaufstand unter Bogdan Chmelnlcky, der in grauenhafter Weise jüdische Massenopfer forderte, tat ein übriges, um die Messiaserwartung zu nähren, Ks war eine messiasschwangere Zeit; auch Nichtjuden wandelten in jenen Tagen den mystischen Weg des Messiasglaubens. Unter den Christen in Deutsehland. Frankreich. Holland, England und Polen traten Messiasgestalten auf. 1614 ernennt sich in Langensalza Kzechiel Meth zum Großfürsten Gottes. Kill Jahr später verkündet Jesajas Stieffei: ..Ich bin Christus." 1624 prophezeit zu Op].....heim in der l'falz Philippus Ziegler. daß in Holland ein Messias geboren würde. 1654 tritt in England eine seltsame Gestalt auf den Plan, der Quaker Jakob Naylor. der sich als Messias berufen fühlt. Zur selben Zeit ruft sich der Skandinavier Öliger Pauli auf Grund einer Vision, die ihm geworden ist. zum König der Juden kraft göttlichen Gebotes aus. Der Hoden war also gut geackert, auf dem die Saat des salibatiaiiischen Mcssianismus aufging. Die Zeit der messiaiiischen Käserei, und insbesondere die seltsame Erlösergestalt aus Smyrna, die den .Messiastaumel hervorrief, schildert Josef Kastein in seinem ausgeseichneten Buche „Sabbatai