Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 52 (26.12.1930)
- Date
- 1930-12-26
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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(Semetaö cWatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGtM&lNDE- ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! Das Cenielndeblatt erscheint |eden Irl-Hag und wird den Mitgliedern der Kellgltmsgcmelnde unentgeltlich durch dir l'ost zugestellt - Schrlftleltuagl Ui'nii'lndrrahblnrr Custav Cuhn, Leipzig, LöhrstraBr 10 NUMMER $2 / JAHRGANG 6 FREITAG 20. DEZEMBER 10*0 Anzelgcnverwaltung und Druck: Buchdruckerei August Pries Leipzig, KrOdrrstr. 59 - Fernruf 70006 - Postscheck Lr-Ipzl« 539 20 - Nachdruck nur mll Quellenangabe und mll (Genehmigung des Verfassers gestattet 11 Carl Genieindesitzung vom 18. Dezember 1930 (Nach der amtlichen Niederschrift.) Qoldiohmidt, eröffnet die Der Vorsitzende, Herr bmng um 1H,25 Uhr. Er gibt Kenntnis von einem heult; eingegangenen Schreiben, in elchem tlie Herren Tumpowaky, Dubiner, Dr. Pietrkowski, Sachs dl Seiinger infolge des ablehnenden Beschlusses der vorigen Siting über die Einsetzung einer Kommission zur Beratung über eine nderung des Wahlrechts ihre Ämter zur Verfügung stellen. Qemlfi 14 d;'s Gemeindestatuts hat über die Entlassung aus den Ämtern c Qemeindesitsung tu beschließen. Eine von Herrn l'fefferblüth cht persönlich abgegebene Erklärung gleichen Inhalts sei nicht 'Hig. Herr Qutmann beantragt, den Beschluß bis zur nächsten Siting EU vertagen, weil <lie Mitteilung völlig überraschend kommt, ieser Antrag wird einstimmig angenommen. Ferner gibt der Vorsitzende Kenntnis von einem Schreiben des •ITH Kestenbaum, wonach er aus der demokratisch-orthodoxen raktiOfl ausgetreten ist. Herr Kestenbaum erklärt, dafi er seinen listritt rückgängig macht. Herr Hodes teilt mit, dall Herr Eitingon aus der Fraktion der olkspartei ausgetreten ist. Es wird in die Tagesordnung eingetreten. 1. Herr Hreslauer berichtet im Anschluß an eine den Mitiedern der Gemeindevertretung zugegangene Denkschrift über die orberatung des Finanzausschusses über die Festsetzung des Steuertzes. Angesichts der ungünstigen Wirtschaftslage sind tlie Beratunn besonders schwierig gewesen. Man ist schließlich einstimmig hin gekommen, einen Steuersatz von 14%, begrenzt auf des nkommens, vorzuschlagen. Hei diesem Salz wird ein Fehlbetrag in etwa liOOtX) IL zu erwarten sein. Man hat aber geglaubt, in die- O Jahr einmal einen solchen Ausfall hinnehmen zu müssen, tler is dem Vermögen gedeckt weiden soll. Man ist sich aber klar irüber, daß im nächsten Jahr eine abermalige Erhöhung des Steueitzes nicht zu umgehen sein wird. Herr Kestenbaum erhält auf Anfrage die Auskunft, tlaß e Vertreter der Volkspartei im Finanzausschuß nicht erschienen 1 aren. Weil infolgedessen nicht alle Parteien an der Festsetzung des f eiiersalzcs mitwirken, zumal auch in der heutigen Sitzung die Vareler <ler Volkspartei fehlen, wünscht er die Beibehaltung des bis- 1 l igen Satzes. Herr Qutmann empfiehlt Annahme des Vorschlages des I DUmuaschusses, weil die (ieldlage der Gemeinde einen niedrigeren 5 tz in keinem Falle zuläßt. Der Vorschlag des Finanzausschusses bei he auf sehr sorgfältigen Erwägungen aller in Betracht kommenden \ Thältnisse. Herr Kestenbaum kommt nochmals auf seinen Vorschlag y rück, um tler Volkspartei die Möglichkeit zu nehmen, die Verant- ( Ortung für die Höhe des Steuersatzes nach außen hin auf die andei n Parteien zu schieben. Herr Gulmann hält den Vorschlag des Herrn Kestenbaum aber eindringlich zur äußersten Sparnicht für annehmbar, mahn) samkeil auf allen Gebieten. Herr QOttlieb betont, daß die Versammlung sich nur von ihrem Gewissen leiten und sich durch tlie Handlungsweise der Volkspartei nicht beirren lassen dürfe. Eine Beibehaltung des vorjährigen Steuersatzes sei unmöglich, weil dies den geldlichen Xiederbruch der Gemeinde zur Folge haben würde. Auf die Ausführungen des Herrn Qutmann eingehend, teilt er mit, tlaß trotz doppeller Inanspruchnahme der Fürsorge tler Gemeinde in diesem Zweig eine erhebliche Ersparnis gegen das Vorjahr ermöglicht worden Ist, Der Antrag des Finanzausschusses wird gegen 1 Stimme angenommen. 2. Den Mitgliedern der Gemeindevertretung isi der Entwurf zu einer Fricdhofsordiiuug zugegangen. Herr Markendorf bittet, einige Punkte derselben durch Anschlag auf den Friedhöfen allgemein bekannt zu geben. Die Auswahl wird dem Vorstand überlassen. Redner wünscht feiner, daß Trauerreden durch Frauen nicht zugelassen werden. Herr Breslauer regt an, tlaß bei auswärtigen Gemeinden hierüber Erkundigungen eingezogen werden. Herr l'ry beantragt, «laß auch die Rabbiner befragt werden, erst dann solle Beschluß gefaßt werden. Herr Dr. /. a n tl e r betont, tlaß durch das Ergebnis der Anfrage der Beschlußfassung der Gemeindesilzung nicht vorgegriffen wird. Herr Lustig erklärt es für überflüssig, erst bei alliieren Gemeinden anzufragen, weil unsere Gemeinde selbständig beschließen könne. Heil' Pelz hält es mit Rücksicht auf die Orthodoxie für erwünscht, dem Vorschlag des Herrn Breslauer zu folgen. Herr Rosenfelder fordert gleichfalls, tlaß zunächst die Gemeinderabbiner befragt werden. Wenn ein Verbot nicht entgegensieht1, müsse mau der Gleichberechtigung der Frauen auch auf diesem Gebiet Rechnung tragen. Der Antrag Breslauer wird angenommen. Herr Markend ort stellt fest, tlaß die Bestimmung unter Nr. 25 des Entwurfs über die Größe tler Särge für Aschenreste mit unserer Praxis nicht Obere in Stimmt, und hält tieshalb eine völlige Klärung dieser Frage für notwendig. Der Vorsitzende stellt fest, tlaß der Ausschuß gewünscht hat, daß künftig nach der Vorschrift Nr. 26 verfahren wird. Dies schließt auch die Beisetzung von Aachenresten in einem bereits belegten Grab aus. Herr J. R. Dr. LOwenstein bringt einige grundsätzliche Fragen zur Erörterung. Er wünscht vor allem die Möglichkeit, «laß Interessenten auch am Sabbat oder an Feiertagen den Friedhof belleten dürfen. Manchen Menschen sei es aus materiellen Gründen in besonderen Fällen nicht anders möglich, den Friedhof zu besuchen. Herr Rosen fei tler wendet sich gegen diesen Vorschlag. Es gäbe keine Gründe, die eine Abweichung von den religionsgesetzlichen Vorschriften rechtfertigten. Herr U ry möchte Ausnahmen für Auswärtige zugelassen haben.