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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-11-28 · 48 (28.11.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
48 (28.11.1930)
Date
1930-11-28
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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$ emeiuö cblatt 3ER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACHRICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! Du Oemelndeblatt erscheint Jeden Freitag und wird den Mitgliedern der Kellglonsgemeinde unentgeltlich :urih die Post zugestellt — Schrlftteltung: I .cmelnderabblner Gustav Cohn, Leipzig, LohrstraÜt* 10 NUMMER 48 / JAHR6ANC 6 FREITAG 28*NOVEMBER 101O Anzeigenverwultung und Druck: Bucbdruckercl Auu'tist Pries, Leipzig, Brüderstr. 50 - I ernrui 70006 - IN istsdircfc Leipzig 53920 — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit (Genehmigung des Verfassers gestaltet Fünfundzwanzig Jahre Kinderheim der Leipzig-Loge Am 19. November beging die Leiptig-Loge leierlieh das 25jährige Bestehen des von ihr begründeten und bisher noch einsigen Kinderheims innerhalb unserer Gemeinde. Gelegentlich der Feier isl eine kleine Erinnerungs schritt (vertafit von Gemeinderabbiner Coli n) erschienen, der wir über den Werdegang und d b Bedeutung des Kinderheims Folgendes entnehmen: In der Entwicklung der Leipsiger Gemeinde tag es begründet, dafi Wohlfahrtsanstalten in ihr erst in verhältnismäßig Junger Zeit entstanden. Während der Autbau der Gemeinde naturgemlfi nur durch Glaubensgenossen in guten Vermögensverhältnissen erfolgte. - ute seit etwa 1875 eine Vergrößerung der Mltglledersahl ein, die ..hauptsächlich auf den armen Teil der Bevölkerung entfiel". Diese Erscheinung inachte sich ein Jahrsehnt später lehhaft fühlbar. Die Steuerkrafl der Gemeinde schritt nicht mehr in dem gleichen Maße I'it wie die Seelenzahl. Ks ist das bleibende Verdienst des weit über Leipsig, ja, über Deutsehland hinaus bekannten Philanthropen Alphons Jacobin gewesen, daß er in Erkenntnis des dadurch entstandenen Not- Bandes, IS!(7 die Begrttndung eines Kinderhortes, gleichseitig mit r Einrichtung einer Speiseanstalt in die Wege leitete und damit iin ersten Male gemeinnützige Anstalten innerhalb der Gemeinde liuf. Wiederum seiner Anregung und tatkräftigen Opferbereitsrhaft ■nhinkl das kleine Altersheim, das IN'lil an diese Anstalten ange- ■ ledert wurde, ihr Entstehen. Sehr bald stellte sich heraus, datt der Kinderhort den BedürfnisiL die sich innerhalb der Gemeinde immer stärker geltend machten, nicht mehr genügen konnte. Der Kinderhort als Tageshelm be- ' urfte einer Erginsung durch eine Einrichtung, in der Kinder auch Uber Nacht verbleiben konnten. Ks lebte schon damals eine ganze . :ihl von .luden in Leipzig, die sich durch Wandergewerbe oder durch Besuchen der Märkte ernährten. Nicht bloß die Väter, sondern olt | enug auch die Mütter verließen am Sonntag zu früher Stunde ihr leim, in das sie erst im Laufe des Donnerstags, nicht selten auch am ' reitag wieder zurückkehrten, um den Sabbat mit ihren Kindern im leime zu feiern. Während ihrer Abwesenheit blieben die Kinder .ig und Nacht sich selbst überlassen. Niemand übte Aufsicht über ihr in. niemand sorgte dafür daß sie ihre Schularbeiten sorgfältig aus ihrlen, sie selber mußten sich ihre dürftigen Mahlzeiten besorgen. Der Gefahr der Verwahrlosung solcher Kinder mußte begegnet wern. Darum ging .lacobsohu au die (iriiiiduug eines Kinderpflegheinis, •ssen Aufgabe es sein sollte, solchen Kindern für die Dauer der ^Wesenheit ihrer Kitern Unterkunft, Beaufsichtigung und Pflege an- (leihen zu lassen. Kr konnte jedoch das Heim, dessen Einrichtung ' i' fast ausschließlich aus eigenen Mitteln beschafft halte, nicht auf- "chterhalten. Inzwischen war 11HHI die Leipzig-Loge begründet worden. Alphons Jacobsohn, als einer der Begründer der Loge, schon von seiner Frankfurter Zeit her ein außerordentlich rühriges Ordensmitglied, sah in dem Gedanken des Kinderpflegeheims eine Aufgabe, die geeignet sein würde, im Sinne der Ordensaufgaben durch die Leipsig-Loge gelöst zu werden, und betrieb eifrig die Wiederaufnahme des von ihm schon einmal versuchten Planes, l'.ml wurde, gemäß seinen Anregungen, in der Loge ein entsprechender Beschlufi gefaßt. Ks wurde ein Ausschuß eingesetzt, der sich mit der Verwirklichung der Pläne von Alphons Jacobson befassen sollte. Unmittelbar danach begab sich Jacobson auf eine Reise nach Amerika, wo er wenige Wochen später verschied. Erst ein Jahr später, Anfang Mai 1905, wurde das Heim gemäß den Plänen von Jacobson eröffnet, zunächst in geringem Ausmaß. In Mieträumen in der Berliner Straße 17 fanden 1'.' Kinder Aufnahme, um an den Tagen, an denen die Eltern außerhalb ihres Heims weil ten, im Kinderpflegeheim, das von Krau Hü mm ler geleitet wurde, zu verbleiben, bis sie von den Eltern wieder abgeholt würden. Ks tiedarf keiner Hervorhebung, daß in dieser Art des Betriebes große Schwierigkeiten lugen. Dieses Hin- und Herwogen der Kinder ließ eine stetige erziehliche Einwirkung nicht zur Entfaltung kommen, erschwerte auch die Haushaltführung. Gleichwohl durfte eine andere Form des Betriebes nicht Platz greifen, so lange die Litern, wenigstens an den Tagen, die sie in ihrem Heim verbrachten, ihren erziehlichen Kinfluß auf ihre Kinder geltend machen «rollten. Sehr schnell erwies sich, daß das Heim einem dringenden Bedürfnis entsprach. Sowohl die Zahl der Kinder, als auch die Dauer ihres Verbleibens mußte bald erweitert werden. Es stellte sich die Notwendigkeit heraus, einzelne Kinder auch über Sabbat und Sonntag im Heim zu behalten. Im Sommer liHIS wurde da- Heim durch einen Vertreter des Leipziger Bats besichtigt, der einen seinzufriedenstellenden Bericht über den Befund abgab. Am 1. JuU1906 wurde das Heim nach der Poniatowskistraße 1*J verlegt, wo zunächst die Wohnung im Krdgeschoß für seine Zwecke eingerichtet wurde. Gleichseitig mit dieser Verlegung trat eine grundsätzliche Veränderung in der Führung des Kinderheims ein. Die bisherige Leiterin war aus ihrem Posten ausgeschieden, und die Verwaltung des Kinderheims nahm die Notwendigkeit der Anstellung einer neuen Kraft zum Anlaß, um eine völlige Umwandlung in der Zweckbesti uniung des Kinderheims anzubahnen. Die Groflloge für Deutschland und der Hilfsverein der Deutschen .luden hatten schon Anfang 1906 angefragt, ob und unter welchen Bedingungen russische Waisenkinder in dem Heim der Loge untergebracht werden könnten. In vollem Bewußtsein der Verantwortung, die mit der Aufnahme solcher Kinder zu übernehmen war, suchte man nun eine pädagogisch geschulte Kraft, um auch in der Lage zu sein, wenn auch vorerst nur

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