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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-11-21 · 47 (21.11.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
47 (21.11.1930)
Date
1930-11-21
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 QEMBINOEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer i in den Erzählungen von Mendels Molchr S'furlm und Schülern Aleichem. Ueberau" stehen Juden mttfiig herum, reden miteinander und raehen <li<■ Gelegenhell nim Verdienst. Dei Luftmenschen, der Agenten und üelegenheitsvermittler, sind noch immer viel zu viele, wenn auch der größte Teil des Handele, Insbesondere det Kleinhandel*, In |ttdiachen Händen Ist, und auch manche Zweige det Handwerks von Ihnen in starkem Maße betrieben werden. In>- besondere gibt es viele jüdische Kutscher. Die kleinen Droechkeu, den W iener Piakern ahnlich, sind noch lange nicht von den Hinken Autos verdrängt. Und der jüdische Kutscher, im allgemeinen sprachkundiger als der polnische, dient dem Fremden gern als Kühn Auffällig ist dagegen, daß es unter dem Hotelpersonal so wen Juden gibt, gana im Gegensati zu Gallsien, wo der Hotelporti neben Polnisch, Englisch. Französisch und Deutseh unfehlbar, Wei auch gewifl ungern, jüdisch spricht. Und damit bin ich auf ein Kapitel gekommen, das für d< Kit luden am erstaunlichsten ist und ihm zumeist alle Illusion nimmt, nämlich auf die Sprachenfrage. Von ihr aber und von di Assimilation der polnischen .luden überhaupt sei das nächste M die Hede. (Fortsetzung folgt.) Ausstellung moderner Kultgeräte in Berlin Am 10. November d. J. wurde in den Räumen des ehemaligen Kunstgewerbemuseums in der Prinz-Albrecht-Straße zu Berlin eine Ausstellung inodernei Kultgeräte eröffnet, die vom Kunstdienst in Dresden in Gemeinschaft mit den staatlichen Kunstgewerbeschulen, di ii protestantischen und katholischen Kirchenbehörden und der K u n s t s a in in l ii n g d e r j Qd 1 ■ c Ii en (■ e m e i n d e B er 11 n veranstalte! wird, in bisher noch nie gebotenem Umfange gibt diese Schau einen Oberblick über die in der Sakralkunst bestehenden Bestrebungen zur Neugestaltung des Kultgeriites in modernkünstlerischem sinne und erbringt an Hand des Gezeigten den Beweis, daU wir heute eine Neubelebung künstlerischer Ausdrucksformen auf diesem Gebiete erleben. l>ie Bestrebungen, die für alle Konfessionen in gleicher Weise gelten, machen sieh in letzten Jahren auch bei uns .luden in immer stärkerem Maße bemerkbar. Man baut moderne Synagogen, d. I». man verwirft die eklektisch verwendeten Bauformen und versucht mit Mitteln ih r modernen Baukunst Andachtsräume ku gestalten, die der Verinnerlichung dienen. In gleichem sinne gehl man auch an die Gestaltung d< > Kultgerätes für den öffentlichen und privaten Gottesdienst. Mau schafft Geräte, die. nic ht nur in Edelmetall ausgeführt, bereits in ihrer Form die Funktion zum Ausdrucke bringen. Man vermeidet überladene Symbolik, will vielmehr Klarheit und Einfachheit. Die besten Künstler und Kunstgewerbler bemühen sich, Neues, dem Form- und Ausdrucksempfinden unserei Zeit Entsprechendes zu schaffen. Die Ausstellung, die vi.....amhaften Künstlern des In- und Auslandes beschickt ist, such! das gesamte erreichbare Material zu erfassen und ist daher eine bedeutsame Kundgebung, deren Anregungen sich weiterhin auswirken werden. Di.- Bemühungen um nie Klärung der Frage kultischer Gestaltung sind am der ganzen Linie gleich stark. Wenn auch bei diesem ersten Versuche noch vieles nach Unsicherheit. Tasten, vielleicht auch nach mißglücktem Bemühen aussieht, so kann man doch im großen und ganten sagen, daß der ernste Wille besteht, lebendige Mittel für einen immer stärker lebendig werdenden Gedanken zu schallen. Es ist das Bestreben nach Einfachheit und Ehrlichkeit, das sich überall wohl tuend bemerkbar macht. Inmitten der numerisch weit überlegenen Zahl der Gegenstände der protestantischen und katholischen Kirchen hat die Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde einen Raum geschaffen, der an künstlerischer Qualität sich weil über alles erhebt, was bisher an modernem |ttdl- Bchen Kultgerät gezeigt wurde. Unter Vermeidung überladener Symbolik sind alle Geräte in modernem Sinne klar und einfach gehalten. Aber dieses Moderne bedeutet nicht etwa ein Neues, sondern bewußte Fortsetzung der Tradition, wobei nur eklektische Kun tonnen verworfen werden und ein innigeres Verhältnis zwischen l\ und Leben durch allgemeinverständliche Ausdrucksformen erstn wird. Mit zu dein Besten gehören wohl die Silbergeräte von Einin Roth, einer Künstlerin, die ein besonderes Verständnis für das M. terial beweist und in ihren einfachen Formen Werke schafft, die dun ihre Selbst Verständlichkeit für sich sprechen. Der silberne Chunukka leuchter will nichts weiter sein als der Lichthalter, der in symnn Irischer Forin die Kerzen anordnet, wobei die Werkform sich dei Zwecke durchaus unterordnet. Besonders reizvoll sodann die klein Bsominbüchse, wo der Ful.t die Erinnerung au den achtarmigen Leun ter anklingen läßt, die Kthrogdoso, nur der schöne Behälter, um dii Frucht aufzunehmen. Sodann wären die Arbeiten von Ludwi Wolpert (Frankfurt a. M.) zu nennen. Der große imposante Ch nukkahleuchter mit den schön geschwungenen Armen vermeidet jed Verzierung und erreicht gerade dadurch eine Monumentalität, di dieses Stück zu einem der Hauptpunkte der Ausstellung erhebt. Auel die Sederschüssel mit der dreistufigen (ilasplatte und den darauf u Stellten (ilasschalen wirkt in ihrer Vornehmheit wie ein längst vei trautes und selbstverständliches Gerät. Besonders reizvoll sodann d Glasarbeiten von Mirjam Rosenthal (Köln). Der kleine glasgebli seile Chanukkahleuchter ist ein besonders zierliches Stück, die ve schiedenen Gläser sind mit schön ziselierter hebräischer Umschril versehen. Bernhard F r i e d I ii n e r (Antwerpen) fällt durch einig schöne Silberbecher auf. während Lea llalpern (Amsterdam) und Friedrich Adler (Hamburg) keramische Kultgeräte ausstellen. Vo imposanter Wirkung sind sodann die beiden riesigen Torahvorhängi die Alexander Beer für die Synagoge Prinzregentenstraße geaehal fen hat. Alte Symbole erscheinen hier in modernen Stilforinen. Di Anordnung ist durchaus neuartig und monumental, ohne überladen El wirken. Harry l< o s e n t h a I s kleine Torahvorlüinge in systematisch« Goldstickerei feierlich wirkend, eine kuppeiförmige ewige Lump' ebenfalls von Harry Itoscnthal. ist trotz der geringen Dimensionen vo gewaltiger Wirkung. Ks wäre zu wünschen, daß diese Ausstellung nicht nur auf Berti beschränkt bliebe. Die mustergültige ZusammensteUung des Beste was an modernem Kultgcral geschaffen wird, wirkt hoffentlich a Anregung für viele, um auf diesem Gebiete weiterzugehen. Kult Uli Form verbinden sich zu einer Einheit, die uns zeigt, ilali Kult nicht in Tradition isl. sondern von richtiger Form getragen auch lebendig) Leben. Sächsische Gemeinden Die .Inden Plauen« und de. Vegttaadei im Mittelalter, Der „Verein für Vogthlndisehe Geschichte" eröffnete die Reihe -einer WinterVOrträge mit einem Vortrag des Stadtarchivars Dr. Platsch Ober „Die .luden Plauens und des Vogtlandes im Mittelalt e r*\ Sei es nun. dafi die Erörterung jüdischer Dinge gegenwärtig allgemein besonders interessiert, >ei es auch, dal.) über die Judengemeinden des Vogtlandes wenig Material vorliegt und man sich vor den Forschungsarbeiten des Herrn Dr. Pietsch aufschlußreiche Darlegung erhoffte, jedenfalls war der Besuch ein sehr erheblicher. Auch seitens dei jüdischen (ieineindemitglieder war der Ankündigung des Vortrages größte Aufmerksamkeil ge- -i henkt worden, und auch diese waren, wenn auch nicht sehr zahlreich, vertreten. Keiner hatte aber ahnen können, was in Jahn langer Forschertätigkeit Herr Dr. Pietsch zusammengetragen hall und was er uns in äußerst anschaulicher Form vortrug. Viele Nim (»Hellen sind erstmalig hier bekannt geworden. Das Vogtland, da im Mittelalter ein einheitliches Gebilde war und erst später in vi. Kleinstaaten hineingeteilt wurde, umfaßte die Judengemeimieii TO Hof. Plauen. Schleis, Weida und Gera. So kehren auch in de. Quellenbüchern immer diese Städtevereinigungen wieder. Gag« 1380 lassen sich urkundlich in Plauen die ersten jüdischen Bewohn« feststellen, und bis zu 1486 zieht sieh eine Kette von urkundlich' Unterlagen über die Ansässigkeit von Juden in den obigen Gl meindefl hin. um dann plötzlich abzureißen. Von 1500 bis ins 19. .Iah' hundert wohnten dann urkundlich keine Juden in Plauei Ein Teil des Vorlandes wurde 1874, an den Burggrafen Friedri« 1

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