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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-11-14 · 46 (14.11.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
46 (14.11.1930)
Date
1930-11-14
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 4n \ M. W. Kaufmann, Buchhandlung, Brühl 8 | Lempfiehlt Jahreszeittabellen und Traueralben ■ mit und ohne Ausrechnung 1 ■ im ■ - ■ ■ anam ■ ■ m^m^M Dienstag, den 26. November: Gedanken über nHiob", den neu erschienenen Roman von Josef Roth; Reeiia Carlebaoh. Mittwoch, den26. November: Musikali»cber Nachmittag. Gesang: Frau Rosa Siegel (Leipsig); Violine: Frl. Helene Croner (Berlin): Klavier: Frau Lotte Spitz (Leipsig). Donnerstag, den 27. November: Rezitationen von Frau Kosu Buumnnn- Heilpern (Leipsig). Kinderbekleidaag des Hilfsvereins. Wie uns der Hilisverein Israelitischer Gewerbetreibender mit* teilt, liegen sehen jetzt mehr als 1IHI Anmeldungen für die Bekleidung bedürftiger Kinder vor. Wir befinden uns erst Mitte November, und die starke Kälte hat mu h sieht eingesetzt. I m wieviel w ird die Zahl der Anmeldungen neeh Steige*, wenn es erst richtig kalt geworden ist, und die Kinder infolge der mangelhaften Bekleidung unter dem Frost leiden «erden! Jeder, der seinen Beitrag für diesen dringend notwendigen üiiten /.weck noch nicht abgesandt hat, tue es sofort. Spenden sind auf PoalScheckkonto 52065 einzuzahlen. Ebenso können Sachspenden (aber nur neue Sachen) in der Geschäftsstelle des llilfsverein. Brühl 24II, abgegeben werden. Auf Anruf (18430) werden Spenden jeder Art gern abgeholt. Dr. Nadja Stein: „Die Entdeckung des Judentums in unserer Kraueniteiirratiou". Am 3. November sprach Frau Dr. Nadja Stein im Verband jttdisoher Pinnen für PaHstinaarbetl über ..Entdeckung des Judentums in unserer Frauengeneration". Was Frau Dr. Nadja Stein in ihrem Vortrag vermittelte, war mehr, als ein Aufzeigen der geistigen Entwicklung in unseren Tagen. Es war eine jener mit Bescheidenheit dargebotenen, warmherzigen Bekenntnisse, mit denen ein Mensch, der in der Vorhut seiner Generation arbeitet. Mut macht, ihm zu folgen. Und wenn sie sagt: Hier sah ich dies, und dort erkannte ich jenes, dann wird Erfühltes zur Erkenntnis; dann wissen wir, warum wir heute in uns eine Volkhcit zu verlebendigen vermögen, wie es einer ganzen Generation jüdischer Menschen vor uns nicht möglich war. In dem. was die Vortragende über die Etappen in ihrem Leben mitteilte, sehen wir die Zeit gleichsam von oben her. Wir wissen ja selbst, wie 'las Assimilantentum den Juden zwangsläufig in die Wolle cles Internationalisten gedrängt hat. Nebenher war die Entwicklung sozialdemokratischer Ideen gegangen. Und der Jude, sieh einordnend in die Geistigkeit seiner Zeit und gern geneigt zu jedem geistigen Elan, sah in diesen Bewegungen etwas wie eine Rechtfertigung seines WeltbDrgerwunsches. Es sei dahingestellt. Inwieweit liier Intellektueller Irrtum und tiefühl der Heimatlosigkeit mitbestimmend waren. Genug, dali uns Frau Dr. Stein zeigte, wie bald sie am Beispiel der Österreichischen Sozialdemokratie erkennen lernte, daß der Wunsch allein nicht alle die Schranken aufzuheben vermag, die Sprache und Volkstum in Jahrhunderten aufgerichtet haben. Denn man mulJtc innerhalb der Donaumonarchie zu dem VoDustajnm in dessen eigener Sprache Und überkommenen Begriffen reden. Aber die F>kenntnis der Nation als einer biologischen, schicksalsverbundenen und kulturellen Gemeinschaft bezog die jüdische Generation von damals nicht auf ihr eigenes Volkstum. Kmufften erst Krieg und Revolution kommen, ehe die geistige Oberschicht des Judentums sich ihrer eigenen nationalen Bindungen bewußt wurde. Und die Vortragende sagte, wie erst die furchtbaren anti semitischen Vorträge nach der Hela-Kunsrhen Revolution in Ungarn und die gleichzeitige Nachricht von der Ermordung Rosa Luxemburg- und Eisners ihr ganz die Augen geöffnet hätten für die Tatsache dafi der Jude in den Augen der Welt nicht als Einzelwesen handeln kann, sondern stets als Exponent der jüdischen Gesamtheit beurteilt wird. Denn damals wurde die gesamte Judenheil Ungarns für da verantwortlich gemacht, was einzelne jüdische Koinmuuiste.. untci uammen hatten. Wohlgemerkt: eine Judenheil, die innerhalb de alten Ungarn treue Soldaten, Offiziere und Beamte gestellt und siel bis zuletzt als treu magyarisch gefühlt hatte. Wohin sollten sich nun die so furchtbar erweckten jüdischen S. rialistenfUhrer mit ihrer Lebensaufgabe wenden? Da fand Nadj Stein, die Frau, den natürlichsten Weg: sie ging dahin, wo man ai meisten litt, wo sie unmittelbar, von Mensch zu Mensch, Not lindern konnte — zu den unglücklichen jüdischen Flüchtlingen, die aus dl kriegsbesetzten Gebieten kamen und überall unerwünschte, auch den eigenen Glaubensgenossen unerwünschte Mitbürger und Gäste waren. So wandte sie sich zum ersten Male dem Judenprobien) zu; zu mich - noch, wie sie bekannte, in dem naiven Glauben, dafi mit der Lind, rung des sozialen Elends die jüdische Frage gelöst sei. Dann abei wurde sie, die Historikerin, auf (irund einer jüdischen Mission, dir sie nach dem Haag berief, zum ersten Male mit der Geschichte des jüdischen Volkes bekannt, mit seinem ganzen laugen Leidensweg, uml die jüdische Tragödie der letzten Gegenwart zog an ihr vorbei: da Schicksal der Juden in den russischen Raudstnaten während de Krieges, ihre Verschickung nach dem Innern liuUlands und ihr massei hafter Untergang; das blutige Manifest des neuen Polen, die Pogrom in Galizieu, die Massaker in der Ukraine. Und da, so sagte sie, se ihr das erstemal Palästina als eine Zuflucht, eine Art Asyl erschiene; — ein Aspekt, der in ein Mehr-als-Zuflucht nach dem Erlebnis de Schriften Marlin Bubers ausgeweitet wurde. inzwischen hatte sie sich iu tätiger Hilfe der östlichen Brüder in Rumänien angenommen, die sich vor den ukrainischen Pogrom morden gerettet hatten. Gleichzeitig aber drängte es, den schwer arbeitenden Siedlerl in Palästina zu helfen. Und Frau Dr. Stein erzählt, w ie der sich da mals bildende „Verband Jüdischer Frauen für Palästina-Arbeit" zu nächst noch ohne Richtlinien für eine gedeihliche Arbeit gewesen sei bis, bei einer Tagung iu Karlsbad, die Palästinenserin Hanna Meise! Schochat, aus eigenem Leben mit den tatsächlichen Verhältnisse' des Landes vertraut, wertvolle Aufklärung und Anregung gegebei hatte. Die nächste Aufgabe war. die Frauen und jungen Mädchen dazu vorzubereiten, das Geschenk der Balfour-Doklaration voll um' ganz in Empfang nehmen zu können, cl. h. den von eleu europäische) Gymnasien und Universitäten kommenden Frauen eine den Verhall nisseu Palästinas angepaUte hausuml landwirtschaftliche Schul (in zu geben. Dies ist in der Hauptsache das Arbeitsprogramm der WIs bis heute geblieben. Das Hostel, die hauswirtschafl liehe Schuh; in der angegliederten Schule für Garteubau und Kleintierzucht in TV Aviv, die Landwirtschaflsfarm in Nahalal zeugen von ihrem Schaffei ebenso wie das gesamte Sanitäts- und Gesundheitswesen in Palästii mit seinen Spitälern, Kliniken, Ajiotheken, der Mütter- und Sän Ingsfürsorge und der ersten Ptlegerinneuschule im ganzen vordere Orient, für die jahrelange vorbildliche Arbeit der „lladassah", d. Frauenverbandes Palästina-Arbeit in den U.S.A. Die Rednerin schloß mit dem Bekenntnis ihres Glaubens, di jüdischen Glaubens, an die Zukunft cles Siedlungswerkes trotz dl heutigen schweren politischen Situation. Der Jude glaubt au ein JiitM. SiMMfM<BimM<BMiw<Br<BlMi. E«Bii»»ltfc Fürdaam Sonnabend, den »W" jl_ « _^ ist der berühmte Bariton der Wm llllCr¥f35l Staatsoper in Berlin, Herr 6> Dezember d. J. stattfindende 3 Kapellen! Dso Golland (ehemaliges Mitglied der „Habima") gewonnen worden. In liebenswürdiger Weise wirken ferner mit: Die bekannte VortragskUnstlerin Toni Halbe, Herr J. Nusseno w (Klavier), Frau Wulf söhn (Gesang), Frau Heppner (Klavier) u. a. Tombola und große Überraschungen Karten sind zu haben bei: Kauf haus Althoff, Gebr. Felber, Nikolaist. 55 (Ecke Brühl), Buchhandlung Kaufmann, Brühl 8 u. im JUd. Studentenverein, Moritzsir. 23,Tel. 22925

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